Waffenschwestern
–
grauenhaft! Dich dermaßen anzulügen! Ich hätte…«
»Und die Sache ist die«, fuhr Esmay fort, eine Spur
aufgemuntert von Lucis Reaktion, »die Sache ist die, der Schuldige stammt aus genau dieser Familie. Der Mann, den du liebst, ist sein Neffe, der Sohn seines älteren Bruders…«
Luci wurde erneut bleich. »Arien? Du kannst doch nicht
Arien meinen! Er ist schließlich im Kampf gefallen – sie haben ihm einen Schrein in der Eingangshalle errichtet!«
»Ich weiß. Er ist ja auch im Kampf gefallen … getötet von Seb Coron, weil er ein Kind angefallen hatte – mich.«
»Oh … du meine Güte!« Luci lehnte sich zurück. »Und sein Vater war selbst Befehlshaber von … Und deshalb hat es dein Vater ihm nicht gesagt? Oder hat er?«
»Ich weiß nicht, ob seine Familie etwas weiß, aber selbst wenn – alles wurde verschwiegen. Er bekam seine Orden; er 422
bekam seinen Schrein in der Eingangshalle.« Sie konnte nicht ganz verhindern, dass Bitterkeit in ihrem Ton mitschwang.
»Und dein Vater möchte nichts mit dieser Familie zu tun haben … Ich verstehe…«
»Nein … sie sind Freunde geblieben oder haben zumindest eine enge berufliche Beziehung aufrechterhalten. Ich denke, mein Vater hielt es für einen Ausrutscher, der nichts mit der Familie insgesamt zu tun hatte. Ich habe mit seinem jüngeren Bruder getanzt, als ich vierzehn war, und er sagte nichts. Vater hätte sich gefreut, falls ich Carl geheiratet hätte. Jetzt jedoch macht er sich Sorgen, weil er weiß, dass ich Bescheid weiß, und weil er nicht sicher ist, was ich tun werde.«
»Ich … ich mache Schluss mit der Beziehung.« Lucis Augen glänzten von unvergossenen Tränen.
»Sei nicht albern!« Esmay beugte sich vor. »Falls du ihn liebst, besteht kein Grund, die Beziehung nur meinetwegen abzubrechen.«
»Sie macht dir nichts aus?«
»Ich … ich weiß nicht, wie ich reagieren werde, wenn er Arien sehr ähnlich sieht. Aber das sollte für dich oder die Familie keine Rolle spielen, falls der junge Mann ansonsten ein geeigneter Partner ist. Ist er ein guter Mann?«
»Ich denke schon«, antwortete Luci, »aber verliebte Mädchen sind angeblich schlecht im Beurteilen eines Charakters.« Sie sagte das mit einem Anflug von Schalk.
»Ernsthaft…«
»Ernsthaft… bei ihm werden mir die Knie weich und ich
bekomme Herzklopfen; und ich habe ihn bei der Arbeit gesehen 423
– er möchte Arzt werden und hilft schon in der Estancia-Klinik aus. Er ist sanft.«
»Na dann«, sagte Esmay. »Was immer es dir nützt, ich stehe auf deiner Seite.«
»Was es mir nützt? Sei nicht albern – du bist die Landbraut!
Falls du einer Verbindung zustimmst, wird sich niemand mit dir anlegen.«
Dieser Gedanke war Esmay noch nie gekommen, da sie noch nie selbst eine Heirat erwogen hatte. »Bist du sicher?«
»Natürlich bin ich das!« Luci lächelte. »Hast du es denn nicht bemerkt? Was passiert ist, als du…« Sie wurde plötzlich wieder ernst. »Oh. Hat das –was passiert ist – nicht den Wunsch in dir geweckt zu heiraten?«
»Möglicherweise«, sagte Esmay, die sich über die Richtung dieses Gesprächs immer unbehaglicher fühlte. Es ging auf ein Gebiet, das Luci eindeutig gut kannte. »Ich habe zu dem Zeitpunkt noch nicht daran gedacht – ich wollte nur wieder den Planeten verlassen. Von allem wegkommen.«
»Aber sicherlich hast du doch irgendwann schon jemanden kennen gelernt, bei dem dir die Knie weich geworden sind?«
Ehe Esmay irgendetwas sagen konnte, spürte sie schon die verräterische Hitze in die Wangen steigen. Luci nickte.
»Du hast also … Und du möchtest nicht, dass irgendjemand davon erfährt… Ist es etwas Außerweltliches?«
»Außerweltlich?« Barin war ein Außerweltler, aber sie war sich nicht ganz sicher, ob Luci das gemeint hatte.
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Jetzt war es Luci, die rot wurde. »Weißt du – diese Sachen, die Leute machen, wir hier jedoch nicht. Zumindest nicht offiziell.«
Esmay lachte und überraschte sie damit beide. »Nein, so etwas ist es nicht. Ich bin natürlich solchen Leuten begegnet –sie denken sich nichts dabei und sind ganz normale Leute.«
Luci war inzwischen dunkelrot geworden. »Ich habe mich
immer gefragt«, murmelte sie. »Wie…«
»Wir hatten es auf der Vorbereitungsschule für die
Akademie«, sagte Esmay und lächelte, als sie sich an die eigene lähmende Verlegenheit erinnerte. »Es gehörte zum Unterricht über Gesundheitspflege, und ich bin fast unter die Schulbank gekrochen.«
»Erzähle es
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