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Waffenschwestern

Waffenschwestern

Titel: Waffenschwestern Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Elizabeth Moon
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gesagt, als du die am wenigsten guten Pferde ohne den Familiennamen verkauft hast? Die Tiere hatten doch Brandzeichen, oder nicht?«
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    »Nein … Ich hatte beschlossen, mit den Brandzeichen bis nach der Auswahl zu warten. Papa Stefan war sauer auf mich, aber es war deine Herde, also konnte er mich nicht aufhalten.«
    »Hmm. Und nach welchen Kriterien nimmst du die Auswahl
    vor?«
    »Mehrere.« Luci zählte sie an den Fingern ab. »Die Dauer der Trächtigkeit – länger oder kürzer, das ist ein Kriterium. Es könnte jeweils an der Stute liegen, möglicherweise aber auch am Fohlen. Die Zeit, bis es aufsteht und saugt, und die Frage, mit wie viel Kraft es das tut. Wird eine Standardschwankung überschritten, bis das Fohlen auf die Beine kommt, oder nuckelt es nicht kräftig, ist das ein weiterer Auswahlpunkt. Du hast schon gute Zuchtstuten in dieser Herde – aber es bringt dir auch Vorteile, auf zusätzliche Überlebenskraft abzuzielen.«
    Esmay war beeindruckt. »Ich vermute, du wirst die Stuten später noch sichten?«
    »Wenn du es erlaubst, ja. Und zwar, solange sie noch jung genug sind, um sie weiterzuverkaufen … Nach den Artikeln, die ich gelesen habe, müsste man nach drei Fohlen wissen, ob die Dauer der Trächtigkeit, Gebärprobleme, Kraft des Fohlens und Milchproduktion auf die Stute selbst zurückgehen. Ich kann dir die Quellen zeigen …«
    »Nein, ist schon in Ordnung. Du hast sehr gute Arbeit geleistet. Erkläre mir, was wir deiner Meinung nach mit der Herde machen sollten.«
    »Eine exportfähige Genlinie hervorbringen«, versetzte Luci prompt. »Wir haben das perfekte kreuzungsfähige Genom für mindestens fünf weitere in der Pferdezucht führende Planeten.
    Alle unsere Pferde erfüllen einen hohen Qualitätsstandard – wir 413
    haben nach Gesundheit, Schnelligkeit und Ausdauer
    ausgewählt. Ich habe eine Datenbank danach abgefragt, ob jemand über das Bescheid weiß, was wir haben, oder gar daran interessiert wäre, und das Ergebnis war vielversprechend. In Anbetracht der Reputation unserer Familie können wir hier auf Altiplano lebende Tiere verkaufen, aber die Exportkosten sind viel zu hoch, um etwas anderes als Genmaterial auszuführen …
    also würde ich mich auf das am besten verkäufliche Genmaterial konzentrieren.«
    »Klingt gut für meine Ohren«, sagte Esmay. »Wann, denkst du, machen wir damit Profite?«
    Luci sah nachdenklich drein. »Nicht sofort. Da wir
    normalerweise mit lebenden Tieren züchten und noch nie
    Genmaterial ausgeführt haben, müssten wir zunächst in
    Ausrüstung investieren. Ich stecke die Einnahmen aus den Verkäufen der ausgesonderten Tiere in einen dafür
    vorgesehenen Fond, wenn du einverstanden bist.«
    »Wäre Genmaterial von den übrigen Familiengütern oder von Altiplano allgemein exportfähig?«
    »Ich denke schon. Möglicherweise sogar von anderen
    Nutztieren wie unseren Rindern …«
    »Dann sehe ich mal, ob wir die nötigen Investitionen aus Mitteln der Familie bestreiten können; du könntest dann die erforderlichen Einrichtungen mieten.«
    »Würdest du das wirklich tun?«
    »Falls es möglich ist, ja. Wieso nicht? Es käme nicht nur unserer Familie, sondern ganz Altiplano zugute.«
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    Luci nickte zufrieden. Sie machte eine Notiz in einem ihrer Bücher und bedachte anschließend Esmay mit einem
    herausfordernden Blick. »Du siehst schlechter aus als damals, vor deiner Abreise«, sagte sie.
    »Und du hast weniger Takt«, erwiderte Esmay verärgert.
    »Liegt es an den Kämpfen?«, fragte Luci. »Es heißt, die Bluthorde wäre schrecklich.«
    »Nein.« Esmay schlug eine neue Seite im Zuchtbuch auf.
    »Ich möchte wirklich nicht darüber reden.«
    Luci legte den Kopf auf die Seite. »Du warst früher auch nicht so brummig. Du hast für einen oder zwei Tage schlecht ausgesehen und dann wieder besser – und du warst mir
    gegenüber hilfreich. Irgendwas stimmt doch nicht.«
    Das Mädchen war hartnäckig wie eine Pferdebremse und
    hatte die gleiche Befähigung, direkt aufs Blut loszugehen.
    Esmay ging kurz der Gedanke durch den Kopf, dass sich
    taktisches Talent auf mehr als nur eine Weise zeigen konnte.
    »Ich habe einige Probleme. Du kannst da nichts für mich tun.«
    »Naja, ich kann dir alles Gute wünschen.« Luci ging unruhig von der Tür zum Fenster und zurück. »Falls du in meinem Alter wärst…« Eine lange Pause trat ein, die langsam ungemütlich wurde.
    »Was?«, wollte Esmay schließlich wissen.
    »Dann würde ich sagen, dass du

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