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Waffenschwestern

Waffenschwestern

Titel: Waffenschwestern Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Elizabeth Moon
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sind seltener als Diamanten an der Küste. Sie werden sie nicht so leicht gehen lassen. Denk doch nur, was sie schon geleistet hat!«
    »Sie ist mit dem Essen fertig geworden, das ist es, was sie geleistet hat«, sagte ihre Stiefmutter. »Möchte irgendjemand Dessert?«
    Esmay war ziemlich froh, dass jemand das Thema gewechselt hatte, und nahm dankbar eine Schale gewürzten
    Vanillepuddings an.
     
    Am nächsten Morgen nahmen die rechtlichen Formalitäten ihren Anfang. Ihr Vater hatte ein komplettes Gerichtspersonal ins Haus geschleppt: einen Richter, Anwälte, Protokollführer und alles. Zunächst musste Esmay, obwohl sie während der
    Zeremonie offen erklärt hatte, dass sie ihr Erbe annahm, jetzt schwören, dass sie es getan hatte, und das Register
    unterzeichnen, wobei sie die Unterschrift unter die ihrer Urgroßmutter setzte, wo alle Welt ihre leicht unbeholfene Schlichtheit mit der reizenden, altmodisch eleganten
    Handschrift der alten Dame vergleichen konnte. Drei Zeilen höher hatte jedoch jemand mit unbeholfenem Kindergekrakel unterschrieben, das noch schlimmer aussah.
    Sobald sie als Erbin, als die wahre Landbraut eingeschworen war, begann die eigentliche Arbeit. Jeder Landverwalter, einschließlich Papa Stefans und ihres Vaters, musste einen Bericht über die Verwaltung jedes einzelnen Teils der
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    Landbrautstätte abgeben. Esmay erfuhr Dinge über die
    Familien-Estancia, von denen sie nie etwas geahnt hatte, denn während der langen Zeit ihrer Urgroßmutter als Landbraut waren schon vor Esmays Geburt Veränderungen vorgenommen worden, die jetzt erläutert werden mussten. So breiteten sich die zurückliegenden siebzig Jahre des Anwesens in allen Einzelheiten vor ihr aus, vom Trivialen (die Verlagerung des
    Hühnerhofs, um einen überdachten Weg zur Waschküche zu
    bauen) bis zum Bedeutenden (dem Verkauf von fast einem
    Drittel des Weidelands, um während des Aufstands Geschütze und Munition für die Brigade ihres Vaters zu erwerben, und dem schlussendlichen Wiedererwerb).
    Esmay hätte ja einfach vorausgesetzt, dass die Berichte korrekt waren, aber davon wollte der Richter nichts wissen. »Sie waren nicht zu Hause, Sera. Sie können es nicht wissen, und obwohl das hier Ihre Familienangehörigen sind und Sie
    natürlich zögern, ihnen die geringste Untreue oder Unehrlichkeit zuzutrauen, ist es meine Pflicht, sowohl Sie als auch die Landbrautstätte selbst zu schützen. Diese Geschäftsunterlagen müssen sorgfältig geprüft werden; deshalb haben wir ja auch die Wirtschaftsprüfer der Registratur mitgebracht.«
    Und wie lange dauerte das wohl? Sie wollte nicht tagelang hier sitzen und zusehen, wie Wirtschaftsprüfer alte
    Geschäftsbücher durchgingen.
    »In der Zwischenzeit brauchen wir Sie nicht aufzuhalten, Sera, solange ein Vertreter Ihrer Familie zugegen ist, um mögliche Fragen zu beantworten.«
    Das war eine Erleichterung! Esmay ergriff die Flucht, jedoch nur, um von Luci eingefangen zu werden, die eine ausgiebige Diskussion über die Herde im Sinn hatte, die sie für Esmay 411
    verwaltete. Von einem Wirtschaftsprüfer zum Nächsten – aber Luci war so darauf erpicht, ihre Maßnahmen zu erläutern, dass Esmay keinen Widerstand leistete, während sie durch die Küchen, zur Hintertür hinaus und in das Stallbüro geführt wurde.
    »Du hast mir nicht gesagt, welche Richtung du eingeschlagen haben wolltest«, sagte Luci. »Also habe ich beschlossen, die untersten zehn Prozent auf regionalen Märkten zu verkaufen, allerdings nicht unter deinem Namen. Die Fortpflanzungsrate der Herde liegt über dem Familiendurchschnitt, wenn auch nicht viel…«
    »Ich hatte keine Ahnung, dass man sie überhaupt steigern konnte …«
    »Oh ja!« Luci schien sehr mit sich zufrieden. »Ich hatte damit angefangen, außerplanetare Zeitschriften über Pferdezucht zu lesen – konnte mir zwar nicht viel von dem leisten, was dort besprochen wurde, aber ich habe einige Anpassungen im
    Management vorgenommen, und alle haben süffisant gelächelt, bis die ersten Fohlen kamen. Dann hieß es, es wäre eine normale statistische Schwankung – aber die zweite Fohlenwelle ist dieses Jahr geboren worden und lag noch einen Punkt über der des vergangenen Jahres.«
    Esmay hatte sich noch nie einen Deut um Pferdezucht
    geschert, aber sie erkannte einen natürlichen Enthusiasmus, wenn sie ihn sah. Sie hatte sich eindeutig die richtige Managerin für ihre Herde ausgesucht … und vielleicht noch mehr als das.
    »Was haben die Leute

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