Waffenschwestern
mir nicht; du kannst mir den Datenwürfel
zeigen«, sagte Luci und wandte den Blick ab. Dann drehte sie sich wieder zu Esmay um. »Aber von ihm möchte ich wirklich was erfahren, wer immer er war – oder ist?«
»War«, sagte Esmay entschieden, obwohl es ihr einen
schmerzhaften Stich versetzte. »Auch ein Flottenoffizier. Gute Familie.«
»Hat er dich nicht geliebt?«, wollte Luci wissen. Dann redete sie weiter, ohne auf Antwort zu warten: »Das ist mir mal passiert; als ich mich das zweite Mal verliebte, hat er sich keinen Deut um mich geschert. Hat es mir ganz offen gesagt.
Ich dachte, ich würde sterben … Ich bin immer wieder in den Wald hinausgeritten und habe geweint.«
»Nein, er - hat mich gemocht.« Esmay schluckte und fuhr fort: »Ich denke, er hat mich sogar sehr gemocht, und ich…«
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»Naja, was ist dann passiert?«, fragte Luci.
»Wir … haben uns gestritten.«
Luci verdrehte die Augen. »Gestritten! Was ist schon ein Streit? Sicherlich hast du doch nicht wegen eines Streits die Flinte ins Korn geworfen!«
»Er war… sauer«, sagte Esmay.
Luci schien verwirrt. »Ist er gewalttätig, wenn er sauer ist?
Du liebst ihn immer noch, das kann man sehen. Warum also
…?«
»Es hat – mit Flottenangelegenheiten zu tun«, sagte Esmay.
»Deshalb kann ich es auch nicht erklären.«
»Du kannst jetzt nicht aufhören!«, verlangte Luci. »Und ich wette, zum größten Teil geht es sowieso um dich und ihn und nicht um Geheimnisse, die das Universum erschüttern. Du vertraust mir deine Pferde und dein Geld an; du solltest mir auch zutrauen, ein paar dumme Geheimnisse der Flotte zu bewahren.«
Diese Logik ergab keinen Sinn, aber Esmay scherte sich
längst nicht mehr darum. Sie hatte es in sich eingeschlossen, so lange sie konnte; sie musste einfach mit jemandem reden. Mit so einfachen Worten, wie sie nur fand – was gar nicht so einfach war –, erzählte sie die Geschichte von Barin, von ihrer Versetzung auf die Kommandolaufbahn und ihrer Ankunft auf Copper Mountain. Und von Brun. Als sie Brun zum ersten Mal erwähnte, unterbrach Luci sie.
»Aha – da liegt also der Hund begraben!«
»Sie ist kein Hund … sie ist talentiert, gescheit, attraktiv…«
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»Ein Hund. Sie war hinter deinem Mann her, oder nicht? Das kann ich von hier aus sehen. War daran gewöhnt, alles zu kriegen, was sie wollte, hat sich wahrscheinlich mit zwölf das erste Mal verliebt…«
Esmay musste über Lucis Tonfall lächeln. »So einfach ist es allerdings nicht. Ich meine, ich hatte es erwartet … Andere Leute haben es auch erwartet, bei all der Zeit, die sie mit Barin verbrachte…«
»Und warum hast du keine Zeit mit ihm verbracht?«
»Ich habe zweimal so viele Unterrichtsstunden belegt,
deshalb. Sie hatten beide mehr Freizeit – alle hatten mehr Zeit als ich. Und dann hat sie mit mir geredet … Sie sagte, sie wollte meine Freundin sein, aber sie hat mir immer erklärt, wie ich mich anziehen sollte, wie ich mein Haar richten sollte… «
Luci schürzte die Lippen. »In dem Punkt könntest du dir ruhig mal einen Rat anhören …«
»Es ist mein Haar!« Esmay hörte, wie sie lauter wurde, und beherrschte sich mühsam. »Verzeihung. Sie wollte über Altiplano reden, über unsere Bräuche, und es klang so … so herablassend. Eines Tages erzählte sie von Barin, und ich bin einfach … explodiert.«
»Du hast ihr gesagt, sie solle die klebrigen Finger von deinem Mann lassen, nicht wahr?«
»Naja … nicht genau. Ich habe ihr gesagt…« Sie wollte diese zornigen Wendungen nicht wiederholen, die, wenn sie in ihrem Kopf widerhallten, viel schlimmer klangen als damals. »Ich habe sie beschimpft, Luci, ihr gesagt, sie hätte keine Moral, die der Erwähnung wert wäre, und sie sollte verschwinden und aufhören, Leute zu korrumpieren.«
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»Uff! Ich erkenne, warum ich nie möchte, dass du sauer auf mich wirst.«
»Und dann musste ich zur Feldübung in Entkommen und
Ausweichen – nein, davon erzähle ich dir später –, und als ich zurückkehrte, hatte Brun Copper Mountain verlassen, und der Kommandeur war wütend auf mich wegen der Dinge, die ich ihr gesagt hatte. Als Tochter des Sprechers hatte man sie überwacht, weshalb sie alles aufgezeichnet hatten, und
irgendwie sind die Nachrichtensender drangekommen.
Barin…Ich glaubte, er hätte mit ihr geschlafen, und er war sauer auf mich, weil ich das für möglich gehalten hatte. Und als ob das noch nicht schlimm genug war, haben Piraten Brun entführt,
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