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Wanderungen durch die Mark Brandenburg

Wanderungen durch die Mark Brandenburg

Titel: Wanderungen durch die Mark Brandenburg Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Theodor Fontane
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Unterdorf, noch weiß man, wo das »rote Haus«
    gestanden und wo der älteste Bruder, auf den Tod
    getroffen, zusammensank. Aber sonst schweigt an
    dieser Stelle alles, mit Ausnahme der alten Ulmenal-
    lee, die die Barfuse gepflanzt, und der alten Kirche,
    die sie gebaut haben.
    Diese Kirche gehört jenen einfach malerischen Feld-
    steinbauten an, denen man, aus dem vierzehnten
    und fünfzehnten Jahrhundert her, so häufig in unsern
    Marken begegnet. Ein Christuskopf auf dem

    1450
    Schweißtuch der heiligen Veronika stammt vielleicht
    noch aus jener Zeit der »vier Brüder«, aber niemand
    weiß es zu sagen. Im Jahr 1821 war noch ein Bar-
    fussches Wappenfenster da. Protestantisches »Licht-
    bedürfnis« hat indessen längst das bunte Glas besei-
    tigt und eine »helle Scheibe« an die Stelle der bun-
    ten gesetzt. Nichts mehr mahnt an die Barfuse hier
    als der Estrich über ihrer Gruft, der, immer tiefer
    einsinkend, zugleich von den unten stehenden drei
    Särgen erzählt: von dem Sarge Valentins, »der beim
    Pommernherzog das Zechen gelernt«, von Richard,
    der hinter dem »roten Hause« zusammensank, und
    von Nikolaus, der den Teufel-Spielmann rief, um ihm
    dann schließlich zu verfallen.
    Von den Prädikowschen Barfusen aber wenden wir
    uns nunmehr einem berühmteren Zweige der Familie
    zu: den Barfusen von Möglin . Unter ihnen vor allem dem berühmtesten des Geschlechts überhaupt, dem
    Feldmarschall und Türkenbesieger Hans Albrecht von
    Barfus.

    1. Eine ähnliche Sage, darin der Teufel nicht als
    Spielmann, sondern als Tänzer auftritt, findet
    sich im Eiderstedtschen (Schleswig). Es war
    eine große Hochzeit auf Hoyersworth und un-
    ter den Gästen auch eine hübsche Dirne, die
    flinkste Tänzerin weit herum. Auch an jenem
    Abend tanzte sie schon seit Stunden unauf-
    hörlich und sagte zuletzt übermütig: » Und
    wenn der Teufel selbst käme, ich tanzte mit

    1451
    ihm .« Kaum waren ihr diese Worte entfahren,
    so trat der Angerufene in den Saal, schritt auf
    das Mädchen zu und forderte sie zum Tanz.
    Und wie ein Wirbelwind drehten sich die bei-
    den. Sie tanzten zuletzt nur noch allein, und
    die übrigen Gäste sahen dem rasenden Tanze
    voll Erstaunen zu. Endlich schwieg auch die
    Musik, aber das Paar tanzte noch immerfort,
    bis der Dirne plötzlich das Blut aus dem Mun-
    de stürzte und sie tot zusammenbrach. Sofort
    war der Tänzer verschwunden. Doch die Blut-
    flecken waren nicht zu vertilgen, und das
    Mädchen fand keine Ruh. Um Mitternacht
    schlüpft sie von ihrem Grabe her in den Tanz-
    saal, und die höllische Musik bricht los, und
    sie dreht sich wieder im sausenden Walzer.

    Hans Albrecht von Barfus

    Der jetzt alles vermag und kann,
    War erst nur ein schlichter Edelmann,
    Und weil er der Kriegsgöttin sich vertraut,
    Hat er sich diese Größ' erbaut.
    Schiller

    1452
    Hans Albrecht von Barfus ward inmitten der Drang-
    sale des Dreißigjährigen Krieges 1635 zu Möglin ge-
    boren, und diese Drangsale waren es auch wohl, die
    seiner Erziehung und Bildung ein fast allzu geringes
    Maß gaben. Das Militärische trat von Anfang an in
    den Vordergrund und wurde Schule fürs Leben und
    Staffel zum Glück.
    Hans Albrecht trat früh in Dienst. Es war die Zeit, wo
    die Söhne des Adels anfingen, den Krieg, aus eige-
    nem Drang heraus, als Metier zu betreiben. Die Höfe lagen wüst, die Zeiten waren unsicher. Zudem entstanden eben damals die stehenden Armeen und
    brauchten Offiziere. Hans Albrecht diente »von der
    Pike auf«, ein Umstand, dessen er sich in seinen
    Feldmarschallstagen gern zu rühmen pflegte.
    Seine ersten Feldzüge machte er unter Sparr, Derff-
    linger und Görtzke. Er focht mit in Polen, in
    Pommern, in Preußen und am Rhein. Bei Fehrbellin
    war er höchstwahrscheinlich nicht, da er beim Fuß-
    volk stand, das brandenburgischerseits in dieser Rei-
    terschlacht fast gar nicht zur Verwendung kam. Auch
    Schöning, aus gleichem Grunde, fehlte bei Fehrbellin.
    Im übrigen begann schon damals die Differenz zwi-
    schen beiden, auch in ihrer äußeren Stellung, her-
    vorzutreten. Es durfte nicht wundernehmen. Schö-
    ning war der Ausnahme-, Barfus der Durchschnitts-
    mensch, und wenn jener den Mann der »großen Car-
    rière« repräsentierte, so repräsentierte dieser den
    Mann der Anciennität und Subalternität. Freilich war
    er seinerseits wieder ein subalternes Genie und ge-hörte jener Klasse von Leuten an, die eine mäßige

    1453
    Begabung glücklich und segensreich für sich

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