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Weiberregiment

Weiberregiment

Titel: Weiberregiment Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Terry Pratchett
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können.«
    »Ja«, sagte Toller. »Vermutlich wollte sie, dass der Käse gestohlen wird.«
    »Kluge Worte«, kommentierte Jackrum. »Also los, ihr… Käsler!«

    Der Dunst hing noch immer sehr dicht, als sie durch den Wald zum
    Pfad am Fluss gingen. Pol ys Rock blieb immer wieder an Dornen
    hängen. Vermutlich war das auch geschehen, bevor sie sich hatte
    anwerben lassen, aber es war ihr nicht so aufgefallen. Jetzt fühlte sie
    sich dadurch ernstlich behindert. Geistesabwesend hob sie die Hand
    und rückte die Socken zurecht, die jetzt an einem anderen Ort als
    Polsterung ihren Zweck erfül ten. Sie war zu dünn, da lag das Problem.
    Die Locken waren nützlich gewesen, denn sie hatten »Mädchen« gesagt.
    Nun musste Pol y auf ein Kopftuch und ein zusätzliches Sockenpaar
    zurückgreifen.
    »Na schön«, flüsterte sie, als das Gelände eben wurde. »Denkt daran,
    keine Flüche. Lacht nicht, sondern kichert. Kein Rülpsen. Keine
    Waffen. So dumm können sie dort drin nicht sein. Hat jemand eine
    Waffe mitgenommen?«
    Köpfe wurden geschüttelt.
    »Hast du eine Waffe dabei, Tol… Magda?«
    »Nein, Polly.«
    »Keinen Gegenstand von einer waffenartigen Qualität?«, beharrte
    Polly.
    »Nein, Pol y«, erwiderte Tol er scheu.
    »Vielleicht ein Objekt mit einer Schneide?«
    »Ach, meinst du das hier?«
    »Ja, Magda.«
    »Eine Frau darf doch ein Messer bei sich haben, oder?«
    »Das ist ein Säbel, Magda. Du versuchst, ihn zu verstecken, aber es ist ein Säbel.«
    »Ich benutze ihn nur als Messer, Polly.«
    »Er ist neunzig Zentimeter lang, Magda.«
    »Die Größe spielt keine Rolle, Polly.«
    »Das glaubt niemand. Bitte lass ihn hinter einem Baum zurück. Das
    ist ein Befehl.«
    »Oh, na schön!«
    Nach einer Weile sagte Knal er, die offenbar lange nachgedacht hatte:
    »Ich verstehe nicht, warum sie nicht ihr eigenes Strumpfband
    festbinden konnte…«
    »Knal er, wovon zum Teufel…«, begann Tol er.
    »…zum Kuckuck«, korrigierte Polly. »Und du sprichst mit Betty, denk
    dran.«
    »Wovon zum Kuckuck redest du da, Betty?«, fragte Toller und rollte mit den Augen.
    »Ich meine das Lied«, sagte Knal er. »Und man braucht sich nicht
    hinzulegen, um ein Strumpfband festzubinden. Das macht es nur
    schwerer. Mir erscheint das alles ziemlich dumm.«
    Eine Zeit lang schwiegen sie. Man konnte leicht erkennen, warum
    Knal er über diese Dinge nachdachte.
    »Du hast Recht«, sagte Polly schließlich. »Es ist ein dummes Lied.«
    »Ein sehr dummes«, pflichtete ihr Toller bei.
    Die anderen nickten. Ja, es war ein dummes Lied.
    Sie traten auf den Pfad am Fluss. Vor ihnen verschwand eine kleine
    Frauengruppe hinter einer Kurve, und sie sahen auf. Die Festung
    wuchs aus der steilen Klippe; es ließ sich kaum feststellen, wo der
    unbearbeitete Fels endete und das alte Mauerwerk begann. Fenster
    bemerkten sie nicht. Von dieser Stel e aus sah man nur eine Mauer, die
    gen Himmel ragte. Kein Weg hinein, sagte sie. Kein Weg heraus. In
    dieser Mauer gibt es nur wenige Türen, und sie sind mit Endgültigkeit
    geschlossen.
    So nahe war der tiefe, langsame Fluss eiskalt, und er schien noch
    kälter zu werden, je höher sie blickten. Hinter der Kurve befand sich
    der kleine Felssims mit der Hintertür, und die Frauen sprachen dort mit
    einem Wächter.
    »Es klappt nicht«, flüsterte Knal er. »Sie zeigen ihm Papiere. Hat
    jemand von euch Papiere dabei? Nein?«
    Der Soldat sah auf und musterte die Mädchen mit dem leeren
    offiziellen Gesichtsausdruck von jemandem, der in seinem Leben nicht
    nach Aufregung und Abenteuer suchte.
    »Bleibt in Bewegung«, murmelte Polly. »Brecht in Tränen aus, wenn
    es ganz schlimm wird.«
    »Das finde ich abscheulich«, sagte Tol er.
    Ihre verräterischen Füße brachten sie immer näher. Pol y hielt den
    Blick gesenkt, wie es sich für eine unverheiratete Frau geziemte.
    Bestimmt gab es noch andere, die sie beobachteten. Wahrscheinlich
    waren sie gelangweilt und rechneten nicht mit Schwierigkeiten, aber
    von den Mauern dort oben schauten Augen herab.
    Sie erreichten den Wächter. Hinter der schmalen steinernen Tür sah
    Polly einen weiteren Soldaten.
    »Papiere«, sagte der Wächter.
    »Oh, ich habe keine, Herr«, sagte Pol y. Auf dem Weg durch den
    Wald hatte sie sich al es zurechtgelegt. Krieg, Angst vor dem Überfal ,
    Flüchtlinge, kein Essen… Man brauchte gar nichts zu erfinden; es kam
    nur darauf an, die Dinge richtig zusammenzusetzen. »Ich musste ganz
    plötzlich aufbrechen…«
    »Oh, verstehe«,

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