Weites wildes Land
Freuden an.« Aber wollte sie das wirklich? An dieser leidigen Situation war nicht Logan schuld. Er war von Maudie da hineinmanövriert worden. Maudie, die ein Auge auf Logan geworfen hatte. In ihrer Wut biß Sibell sich auf die Fingerknöchel. Dabei war das lachhaft! Die dumme Maudie! Selbst Charlotte hatte einmal gesagt: »Maudie trampelt durchs Haus wie eine junge Kuh.« Und das war wahr. Als ob Logan auch nur einen Blick an sie verschwenden würde! Da durchzuckte sie ein neuer Gedanke. Sicher war Maudie keine Prinzessin, aber ihr gehörte neben Zack die Hälfte der Farm. Würde Logan sich davon beeindrucken lassen? Sicherlich nicht. Sibell begann, den Schreibtisch aufzuräumen, entschlossen, nun doch nicht an Zack zu telegraphieren. Da fiel ihr der letzte Brief von Percy Gilbert in die Hände, der sie wieder an Logan erinnerte. Tatsächlich war er von Percys Rechtsanwalt verfaßt und warnte Sibell vor weiteren Forderungen an Percy Gilbert. Mr. Gilbert habe ausreichend guten Willen bewiesen, als er sie mit Fürsorglichkeit und ohne auf die Kosten zu achten in sein Haus aufgenommen hatte. Es sei höchst ungerecht von ihr, nun Geld zu verlangen, nachdem sie ohne ein Wort des Dankes einfach davongelaufen war. Zwar kannte Sibell den Brief schon auswendig, doch jetzt diente er dazu, ihre Wut noch zu beflügeln. Zur Hölle mit den beiden! Sie würde nicht für sie kochen! Als Maudie am Abend in die Küche trat, war der Tisch leergeräumt und der Ofen kalt. Auf dem Tisch lag, unter die Zuckerdose geklemmt, ein Zettel. Maudie blickte ihn eine Weile an, dann lächelte sie. Zwar konnte sie ihn nicht lesen, aber sicher handelte es sich wieder um einen von Sibells Tricks. Sie brachte ihn zur Bank neben der Holzkiste und rief dann Logan herbei »Ich weiß nicht, wo Sibell steckt, können Sie bitte das Feuer anzünden, Logan? Sie hat den Ofen wieder mal ausgehen lassen.« Logan steuerte direkt den Holzkasten an. »Hier liegt ein Zettel«, sagte er. »Von Sibell.« »Was schreibt sie«, fragte Maudie, während sie sich eifrig am Speiseschrank zu schaffen machte. »Sie fühlt sich nicht wohl«, antwortete er enttäuscht. »Sie ist schon zu Bett gegangen und möchte nicht mehr gestört werden.« »Das ist Pech. Die arme Sibell; sie ist nicht die Kräftigste, müssen Sie wissen. Lassen wir sie schlafen. Es wird reichlich spät, wenn ich jetzt noch zu kochen anfange. Wollen Sie mit mir bei den Farmarbeitern essen?« »Gerne.« Sibell, die das Ohr an die Tür gelegt hatte, hörte, wie sie das Haus verließen. Sofort eilte sie zum Fenster, um durch die Vorhänge hinauszuspähen. Maudie ging mit Logan zu den Quartieren der Männer. Jetzt hatte sie schon wieder einen Fehler gemacht. Maudie hatte wahrscheinlich ihren Spaß daran, bei den Männern zu essen. Sie würde am Kopf des Tisches thronen. Weder Charlotte noch Sibell hatten sich je den Männern aufgedrängt, doch Maudie dachte sich nichts dabei. Am nächsten Morgen ließ sie Netta das Frühstück allein vorbereiten und ging in ihr Büro an die Arbeit. Schon nach kurzer Zeit kam Logan herein. »Geht es dir besser?« »Ja, danke.« »Das ist gut.« Er ließ die Finger über ihren Hals gleiten. »Du siehst hübsch aus heute morgen.« »Bitte entschuldige mich«, sagte sie, »ich muß Casey suchen. Der Vorarbeiter muß mir jeden Tag Bericht erstatten, aber gestern habe ich ihn nicht gesehen.« »Hat das nicht Zeit?« »Das gehört zu meiner Arbeit, Logan. Ich muß die Tabellen auf dem laufenden halten.« »Das weiß ich. Aber ein paar Minuten kannst du doch sicher erübrigen.« »Gestern hatte ich mehr Zeit als genug«, gab sie schnippisch zurück. »Aber du warst ja viel zu beschäftigt.« »Nun reg dich nicht auf«, sagte er. »Ich habe gestern eine Menge gesehen.« »Das kann ich mir vorstellen.« Er lachte. »Haare auf den Zähnen, wie immer. Mein Gott, Sibell, du hast dich nicht verändert. Nun hör mir bitte zu, denn es ist wichtig.« »Was ist so wichtig?« fragte sie, jetzt schon freundlicher. In seiner Gegenwart schmolz ihr Zorn dahin wie Schnee in der Sonne, und sie hoffte, daß diese wichtige Sache mit ihnen beiden zu tun hatte, nur mit ihnen beiden allein. »Hast du Karten von der Farm?« fragte er. »Dort drüben in der Ledermappe sind die Karten von dem Gebiet. Allerdings sind sie recht ungenau. Jedenfalls hat Charlotte das damals behauptet. Du als Landvermesser bist sicher Besseres gewöhnt.« »Das macht nichts. Darf ich sie mal sehen?« »Natürlich. Aber warum? Hat
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