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Zirkus zur dreizehnten Stunde

Zirkus zur dreizehnten Stunde

Titel: Zirkus zur dreizehnten Stunde Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Cassy Fox
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wärst du ein banaler Feuerschlucker? Willst du dich weiter vor der Außenwelt verstecken?“
    Aramis sagte nichts und ging weiter.
    „Komm schon Aramis.“ Damian hielt sein Handgelenk fest, als er einen weiteren Ast aufheben wollte. „Unendliche Macht. Kein Verstecken. Wir können tun und lassen, was wir wollen.“ Aramis reagierte immer noch nicht. Damian seufzte, sein Blick wurde ernst. „Du und ich, wir sind von einem anderen Blut als die gewöhnlichen Menschen. Willst du nicht auch deine Macht vergrößern und sie …“, sein Blick funkelte, „… endlich ohne Einschränkungen beherrschen?“
    Aramis hielt inne. Einen Augenblick starrte er ins Leere. Die eigene Macht beherrschen. Die eigene Macht überhaupt kennen und verstehen. Etwas in ihm begann zu brodeln.
    Macht …
    Ein leichtes Brennen, ein Schwelen, ein Feuer, das immer stärker in ihm loderte.
    Macht, das Wort hallte in seinem Kopf wieder, bis –
    Eine Melodie erklang.
    Für einen kurzen Moment war er einfach nur irritiert. Das Lager war noch immer in der Nähe, dennoch weit genug, um nicht mehr als eine verworrene Geräuschkulisse zu sein. Und doch war diese Melodie ganz klar und ohne Störungen.
    Aramis kannte diese sanften Flötenklänge. Zu oft hatte er sie in den letzten Tagen gehört. Zu oft hatte er sich in der Nähe der Spielerin versteckt und ihren sanften Melodien gelauscht. Sie berührten etwas in ihm. Etwas, das er nicht kannte. Etwas, das ihm eigentlich fremd war. Etwas, wogegen sein gesamtes Wesen aufbegehrte. Dennoch konnte er diesen Klängen nicht widerstehen.
    Alle Geräusche verschwanden, nur die Flöte blieb.
    „Aramis?“ Damian drang in seinen Traum, zerriss die Kulisse und seine Stimme kämpfte sich durch die Töne. Sie störte, zerbrach kurz den Zauber, ließ sie ihn aber nicht verschwinden. Das Flötenspiel blieb als ein leises Summen in seiner Seele haften. Der Anblick des Magiers passte jedoch nicht zu dem, was von dem Lied in ihm zurückblieb. Damian wirkte wie eine zerfetzte Vogelscheuche auf einem vertrockneten Feld. Etwas sprühte aus seinen Augen. Ein Gefühl, das Aramis kennen sollte, doch etwas in ihm weigerte sich, ebenso zu empfinden. Um Damian schien alles dunkel zu sein. Schatten, Ruinen, nur noch Skelette machten den Magier aus.
    Aramis blickte zum Lager, zu den bunt bemalten Wagons. Alles leuchtete im Sonnenlicht. Alles schien frei und unbeschwert, nirgends war auch nur die Spur von Zerfall zu sehen. Das pure Leben in eine Melodie des Glücks getaucht.
    „Ich bin im Zirkus zu Hause“, meinte Aramis schließlich.
    „Wir werden sehen, was ein Zuhause ist.“ Der Magier kniff die Augen zusammen und schäumte offensichtlich vor Wut.
    Damian hatte schon immer versucht, ihn von seinem Vorhaben zu überzeugen. Er war eigentlich immer das schwarze Schaf gewesen. Antigone hieß keine seiner Taten gut. Dabei wollte der Magier nur Anerkennung, das verriet jede seiner Handlungen.
    Aramis war der Einzige, mit dem der Magier klar kam. Damian fühlte sich den Menschen ebenso wie den Wesen im Zirkus gegenüber überlegen. Das zeigte er zu jeder Möglichkeit. Als Aramis dann in den Zirkus gekommen war, hatte er endlich jemanden gefunden, von dem er glaubte, dass er diese Ansichten teilen würde. Tatsächlich hatte Aramis ein offenes Ohr für ihn gehabt.
    Der Magier hatte ihm schon oft gesagt, wie zuwider ihm diese Zurückgezogenheit und dieses Gaukelspiel war. Die Menschen waren alle unwissend, glaubten, seine Zaubershow bestünde nur aus Tricks und Illusionen. Sie sahen nicht die Wesen, die er aus der anderen Welt rief, die seine Magie unterstützten.
    Der Magier konnte Welten verbinden, konnte zwischen ihnen wandeln und Wesen von beiden Seiten, wenigstens für kurze Zeit, in die jeweils andere Welt entlassen.
    Aramis kannte ihn inzwischen gut genug, wusste über ihn und seine Fähigkeiten Bescheid und hatte selbst immer mehr seine Charakterzüge angenommen. Er hatte die Dämonen schon immer sehen können.
    Hatte Damian ihn deshalb als Freund gewählt? Vielleicht hatten sie einfach zu viel gemeinsam.
    Kurz schüttelte sich Aramis. Er hatte gesehen, wie sehr Damian seine Macht liebte, die Angst seiner Opfern und wie er sich an ihrem Schrecken ergötzte.
    Nein, er war nicht wie der Magier. Er wollte es nicht sein! Jetzt nicht mehr!
    ***
    Wie war es nur dazu gekommen, dass Aramis sich dermaßen anstellte? Warum beschäftigten ihn plötzlich die Schicksale von … Menschen?
    Menschen, allein das Wort bereitete Damian

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