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Absolution - Roman

Absolution - Roman

Titel: Absolution - Roman Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Deutsche Verlags-Anstalt
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Speisenden um uns herum, die üppigen Essensportionen, die hochpreisigen Getränke, die dennoch wie Wasser fließen.
    »Das ist heutzutage in New York kaum anders oder in London«, sagt Sarah. »Das ist nicht eine Sache des einen oder anderen Ortes. Es handelt sich hier nicht nur um lokale Probleme.«

ABSOLUTION
    Der Mann streckte die Hände vor und zog ein Paar dünne Lederhandschuhe aus. Ins Licht vom Korridor blinzelnd, erkannte ihn Clare sofort. Es war jemand, den sie nicht erwartet hatte.
    »Großer Gott!«, schrie sie und das Herz sprang ihr ungestüm gegen die Rippen. »Was um Himmels willen hast du hier zu suchen?«
    »Du hast doch gewusst, dass ich komme«, sagte ihr Sohn und zog das Jackett aus. »Du hast gesagt, ich solle mir selbst die Tür aufschließen.«
    »Nichts dergleichen habe ich gesagt, Mark! Ich bin geneigt, die Polizei zu rufen.«
    »Sei nicht albern, Mutter. Ich bin für eine Woche da, wie du dich erinnern wirst. Was machst du denn so zeitig im Bett? Es ist noch nicht mal zehn.«
    »Nennst du das zeitig? Ich kann mich nicht erinnern, dich eingeladen zu haben.« Clare sah zu, wie Mark sich auf den Taftpolsterstuhl gleich neben ihrer Schlafzimmertür fallen ließ. Gegen das Kopfende des Bettes gelehnt, knipste sie die Nachttischlampe an. Ihr Sohn sah müde aus, seine Haut hatte einen bläulichen Ton, an den Schläfen hatten sich Krähenfüße eingegraben. Wie ärgerlich, auf diese Weise aus dem Schlaf gerissen zu werden. Sie wusste, dass sie nicht wieder würde einschlafen können, und befürchtete, dass die gesamte Woche, die der intensiven, ungestörten Arbeit gewidmet sein sollte, an die Forderungen und verdrießlichen Launen ihres Sohnes verloren gehen würde.
    »Ich wusste nicht, dass ich eine Einladung brauche, um nach Hause zu kommen«, sagte er, lockerte seine grüne Seidenkrawatte und knöpfte den obersten Hemdknopf auf, wodurch eine haarige Halskrause zum Vorschein kam, die Clare abstieß. Die Jurisprudenz, die seinen Vater und Großvater mütterlicherseits schlank erhalten hatte, hatte Mark Wald mit einem Schmerbauch versehen, der ihm schlecht stand.
    »Das ist mein Zuhause, nicht deines. Das alte Haus in der Canigou Avenue, das Haus, in dem du mit deiner Schwester aufgewachsen bist, durch das ihr getobt seid und das ihr auf eure Weise missbraucht habt, jenes Haus mag vielleicht euer Zuhause gewesen sein, aber dieses Haus gehört allein mir und keinem anderen, bis ich sterbe. Ich habe euer Zuhause mit beträchtlichem Gewinn und um meiner Sicherheit willen verkauft. Jedes Zuhause, das du jetzt haben magst, muss daher zwangsläufig von dir selbst erworben und auf dich im Grundbuch eingetragen worden sein und deiner Verantwortung unterliegen. Wie kommst du zu einem Schlüssel für mein Haus?«
    »Du hast mir das letzte Mal, als ich hier war, ein Duplikat anfertigen lassen.« Er hörte sich genauso erschöpft und cholerisch an wie seine Mutter. »Für Notfälle. Du wolltest , dass ich ins Haus kommen kann. Wenigstens hast du das damals gesagt.«
    »Wie kurzsichtig von mir. Und warum störst du mich und nicht deinen Vater und deine Stiefmutter?« Das war die Art, wie die beiden miteinander umgingen, Sticheleien, halb Spiel, halb Auseinandersetzung, bei denen beide Hiebe austeilten, wo sie eigentlich nur necken wollten.
    »Dad renoviert. Es hat ihm nicht gepasst, dass ich dort bleibe. Ich weiß, was du denkst, aber darüber gibt es wirklich weiter nichts zu sagen. Du kannst von mir nicht erwarten, dass ich tratsche. Kann ich dir eine Tasse Tee oder sonst etwas machen?«
    »Ich sollte nicht so tun, als wüsste ich, was du tun kannst und was nicht.«
    » Darf ich dir eine Tasse Tee machen?«
    »Gestatte mir die Höflichkeit, selbst Erfrischungen in meinem eigenen Haus anzubieten. Dir ist klar, dass ich wegen deines Eindringens die ganze Nacht nicht werde schlafen können. Du hast meine Ruhe gestört, die im besten Fall schwer errungen ist«, sagte sie und schwang ihre Beine aus dem Bett. »Ich nehme an, dass du selbst etwas zu essen oder zu trinken willst, da du mir Tee anbietest.«
    »Wenn es keine zu großen Umstände macht.«
    »Es ist schrecklich lästig, aber wir wollen mal schauen, was wir finden können. Marie hat ein Festmahl im Gefrierschrank hinterlassen. Du kannst essen und ich schaue zu.«
    Clare fand Brot und Käse, Chutney und Mayonnaise und machte ihrem Sohn ein Sandwich, wie sie es seit vielen Jahren schon nicht mehr getan hatte. Wenn er mit seiner Familie zu Besuch kam,

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