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Acacia 02 - Die fernen Lande

Acacia 02 - Die fernen Lande

Titel: Acacia 02 - Die fernen Lande Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: David Anthony Durham
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sie ursprünglich Arbeiter gewesen, dachte Corinn, denen jetzt nichts anderes mehr blieb als zu plündern.
    Die Königin sah all dies von einer aus Erde aufgeschütteten Böschung aus, die parallel zu den südlichen Befestigungsanlagen von Bocoum verlief. Sie saß mit Aaden an ihrer Seite auf einem Pferd, und beide schwiegen größtenteils, während ein Kontingent reicher Gutsbesitzer aus Bocoum um sie herumschwirrte. Jeder dieser reichen Männer behauptete, mehr gelitten zu haben als die anderen. Sie beschrieben genauestens, wie die Feldfrüchte verdorrt waren, welche Bewässerungs- und Neupflanzungsmaßnahmen sie angesichts der veränderten Situation ergriffen hatten, wie sich die Situation immer weiter verschlechtert hatte und welche düsteren Aussichten das alles bot. Sie gaben sogar zu, dass sie zum Schöpfer beteten und ihren Arbeitern erlaubt hatten, sämtliche Gottheiten anzurufen, deren Gunst sie gewinnen zu können glaubten. Ein paar hatten angefangen, Tauben, Hühner, ja, sogar Ziegen zu opfern. Nichts hatte geholfen, und die Kaufleute fürchteten, dass die Arbeiter schon bald zu noch verzweifelteren Mitteln greifen könnten.
    »Wir wissen, dass der Schöpfer vergibt, aber bis jetzt hat er uns nicht beachtet«, sagte der Anath-Älteste, der gerade und anmutig auf seinem Pferd saß; sein hellrotes Gewand hob sich leuchtend von seiner dunklen Haut ab. Er war das Oberhaupt des Hauptzweigs des Anath-Clans, der zweitmächtigsten Kaufmannsfamilie der Stadt, was sich in seiner lockeren, anmutigen Haltung zeigte. Talayen waren von Natur aus alles andere als gute Reiter, von daher verdankte er die Leichtigkeit, mit der er im Sattel saß, ausschließlich seinem gesellschaftlichen Rang.
    »Oder er bestraft uns«, gab Sinper Ou mit süßsaurer Miene zu bedenken. »Vielleicht sind ein paar von uns für seinen Geschmack zu reich geworden.«
    Der Anath-Älteste wandte den Kopf, um zu sehen, wer gesprochen hatte. Er musterte Ou einen Augenblick lang und lächelte, anscheinend zufrieden, dass der Mann zwar versucht hatte, ihn zu kränken, es ihm aber nicht gelungen war. »Man kann niemals zu reich werden. Die Ous haben das bewiesen. Kann die Mähne eines Löwen zu dicht sein? Niemals. Aber, Königin Corinn, sogar mein Vermögen – ganz zu schweigen von dem der Ous – schrumpft unter diesen leeren Himmeln.«
    Corinn wusste, dass diese Männer Konkurrenten waren, doch sie hegte stets den Verdacht, dass ihr Schlagabtausch in erster Linie ein Schauspiel war, um die Königin zu beeindrucken. Beide Männer waren reich. Sie hatten jeweils in die Familie des anderen eingeheiratet. Sie genossen beide sämtliche Vergünstigungen des Königtums, ohne die damit verbundene Verantwortung. Corinn sprach knapp, als berühre der Anblick vor ihr sie nicht im Geringsten. »Der Schöpfer hat uns schon vor langer Zeit verlassen. Er belohnt ebenso wenig, wie er bestraft. Das zu tun, ist an mir. Kommt. Führt mich zu der Herzquelle, von der Ihr gesprochen habt. Während wir dorthin reiten, werde ich mit dem Prinzen sprechen.«
    Damit ließ sie die Kaufleute wissen, dass sie sich außer Hörweite begeben sollten. Die Männer machten sich unverzüglich auf und ritten die Böschung entlang, begleitet von ihren Vertrauten und Ratgebern; selbst der Anath-Älteste beugte sich ihrem Wunsch ohne ein Wort. Sie wirkten wie Zwerge vor den gewaltigen Sandsteinmauern und Türmen von Bocoum, die ihrerseits einen starken Kontrast zu der verwüsteten Ebene gegenüber bildeten. Corinn ließ sie ein ganzes Stück vorausreiten, ehe sie ihre Stute am Hals berührte und sie in Bewegung setzte.
    Ihnen folgte ein Kontingent von Numrek, barbrüstig und stolz, die Schwerter in auffälligen Scheiden, manche mit Äxten in den Händen. Sie ritten nicht, da Pferde in ihrer Gegenwart nervös wurden und ihre nashornähnlichen Reittiere nur für Kriegszwecke geeignet waren. Ihre langen Schritte machten es ihnen allerdings leicht mitzuhalten. Corinn hatte sich mittlerweile ebenso sehr an sie gewöhnt wie an alle anderen Diener. Sie waren einfach ein Teil ihres Lebens.
    »Was hältst du von alledem?« Corinn deutete mit dem Kinn auf die versengten Felder.
    Aaden schürzte die Lippen. »War es früher wirklich nicht so?«
    »Nein. Du hast doch gehört, wie sie es gestern Abend beim Essen beschrieben haben. Sie übertreiben, aber dieses Ackerland hat Bocoum zu der Stadt gemacht, die sie ist. Ihre Feldfrüchte haben Mäuler im ganzen Reich gestopft. Es hat eine Zeit gegeben, da

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