Alles paletti
paletti, er sei in Kontakt mit ihnen, und wenn Michel dem Kunden die Delivery unter einer Woche versprochen habe, sei das sein Problem, denn, was solle man machen, der Lastwagen sei vorher nach Minnesota gefahren.
»Minnesota?« Michel war fassungslos. Seine Knie zitterten. Er setzte sich hin, kratzte an seinen kurz geschorenen schwarzen Haarstoppeln, rückte die Brille zurecht. Er fürchtete sich davor, die zwei nächsten Fragen zu stellen, doch es blieb ihm keine andere Wahl. Also fragte er. »Wann sind sie aus Minnesota weggefahren?«, und dann: »Bist du sicher, dass ihre nächste Station Texas ist?«
Chaim antwortete, er brauche sich keine Sorgen zu machen. Michel brüllte, er mache sich aber welche, und zwar große. Und dann antwortete Chaim auf die beiden Fragen - auf die erste: »Gestern«, und auf die zweite: »Keine Ahnung.«
Chen sitzt mit Chaim im Büro. Sie befindet sich in einer verzwickten Situation. Chaim hat sie beschuldigt, gegen ihn zu intrigieren. Sie hat ihm gesagt, sie habe keine Ahnung, was Jonsy und Izzi planen, und dass sie zu ihr genauso hundsgemein seien wie zu ihm. Oder sogar noch schlimmer. Sie
hat sein Telefonat mit Michel Argamani mit angehört, und sie hört sein Gespräch mit Schlomi. Sie hört, wie das Telefon den ganzen Vormittag ununterbrochen klingelt - die alten Leute von Florida, die Kunden von den Jobs, die Chaim gestrichen hat, Daphna, Izzis Freundin, irgendein Russe und Meir Sassoon vom öffentlichen Liederkreis, der die dringende Mitteilung für Chaim hat, dass das öffentliche Singen morgen auf heute Abend um acht vorverlegt worden ist. Chaim sagt zu ihm, das passe ausgezeichnet, er würde kommen, und was für ein Glück, denn morgen habe er eine Fahrt außerhalb der Stadt zu machen.
»Chen?«
»Hi, Jael, wie steht’s, meine Liebe? Hör mal, ich bin gerade mitten in der Arbeit, ein hektischer Tag. Was ist bei dir los?«
»Alles in Ordnung. Gut, wir reden dann noch. Hast du das von der Eurovision gehört?«
»Welche Eurovision?« Chen wechselt einen Blick mit Chaim, der den Kopf wendet.
»Wir haben in der Eurovision gewonnen! Dana International. Das ist ein Ding, du glaubst es nicht.«
»Aha … was du nicht sagst? Dana International? Ich habe gar nicht gewusst, dass sie sie hingeschickt haben.«
Sie beendet das Gespräch. Chaim schaut sie an, fragt, was passiert sei. Sie antwortet: »Wir haben in der Eurovision gewonnen. Dana International.« Er fragt: »Wirklich Dana International?« Sie nickt. Er streckt den Daumen in die Höhe und sagt grinsend: »Tor!« Das Telefon klingelt wieder.
»Ich bring dich um. Du weißt überhaupt nicht, welchen Ärger du und deine verblödeten Mover mir eingehandelt habt. Und euch selber. Der Mensch hat eine Reputation, und ihr geht her und ruiniert sie in einem Tag. Chaim, ich werde persönlich
dafür sorgen, dass du kriegst, was du verdienst. Willst du mir jetzt vielleicht mal erzählen, wo deine hirnverbrannten Mover sind oder nicht? Gib mir jetzt sofort eine Telefonnummer, eine Piepsernummer, irgendeine Nummer, und ich fahre selber zu ihnen hin.«
»Auch dir einen schönen guten Morgen, Uncle Sam.«
»Treib keine Spielchen mit mir, Chaim.«
»Was soll ich dir denn sagen? Ich weiß selber nicht, wo sie sind. Sie sind verschwunden. Ich mach mich morgen früh auf den Weg.«
»Wohin denn? Nach Minnesota? Willst du von Haus zu Haus gehen? Was ist das überhaupt für ein Ding, dass dir deine Mover abhauen? Du kapierst nicht, in welcher Scheiße wir sitzen. Du fängst noch nicht mal an zu begreifen.«
»Weißt du was, schick deinen Kunden zu mir. Ich übernehme die Verantwortung. Gib mir die Nummer, ich rufe ihn an.«
»Das wird mir kaum was helfen. Ich bin immer noch der, der’s verbockt hat. Ich hab ihm den Service versprochen, ich hab ihm die Leute geschickt. Wann fährst du? Vielleicht komme ich mit.«
Chaim ist leicht überrascht. Er sagt: »Gib mir seine Nummer, vielleicht gelingt es mir, ihn zu beruhigen. Weißt du, sie sind eigentlich brave Jungs, wir werden die Sachen schon finden.«
»Wann brichst du auf?« Uncle Sam lässt nicht locker. Er hat Chaim angerufen, nachdem Vladimir Berkovich sich bei ihm gemeldet und gedroht hat, ihn an seinen Eiern an einem Strommast aufzuhängen, wenn er ihm die beiden israelischen Witzbolde nicht heute noch anbringen würde. Er muss mit Chaim mitfahren, und wenn es nur dazu dient, vor Vladimir zu flüchten. Er bleibt beharrlich: »Wann fahren wir? Morgen in der Früh?«
Chaim
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