Alterra - Der Krieg der Kinder: Roman (German Edition)
vorzubereiten.
Matt zögerte. Sollte er den anderen davon erzählen? Er beschloss, den Plan bis zum Abend für sich zu behalten.
Um ihnen nicht zu früh Angst zu machen.
Denn seine Idee war wirklich verrückt.
42. Unter der Erde
D ie riesigen Felsen glühten im Licht der Abenddämmerung glutrot.
Dann fiel der Vorhang der Nacht über dieses feurige Farbenspiel, und das Firmament breitete seine kühle, glitzernde Decke aus.
Mit Einbruch der Dunkelheit kamen die Wesen, die zu grauenhaft waren, um sich im Tageslicht zu zeigen, aus ihren Höhlen gekrochen. Dämonische Monster, die in der Nacht jagten. Schreckliche Geschöpfe, die sich von der Angst ihrer Opfer nährten.
Mit ihrer Hilfe hoffte Matt, der Horde zu entkommen.
Tobias öffnete die Tasche seines Mantels einen Spalt, um seinen Leuchtpilz zu betrachten. Am liebsten hätte er ihn hervorgeholt.
Hin und wieder gellte das Kreischen der Seelenlosen durch die Luft. Sie teilten einander ihre Position mit und folgten der Spur der Flüchtlinge. Sie waren keine fünf Kilometer mehr entfernt.
»Heute Nacht werden wir nicht schlafen, fürchte ich«, murmelte Tobias.
»Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber ich möchte nicht noch eine Nacht in Wyrd’Lon-Deis bleiben«, meinte Chen.
»Und wie sollen wir rauskommen?«, grummelte Horace. »Henok ist bis zum Morgen verbarrikadiert, und außerdem hat man die Wachen bestimmt schon alarmiert!«
»Wir gehen außen rum«, erklärte Matt.
Alle Blicke richteten sich auf ihn.
»Und wie stellen wir das an?«, fragte Ben. »Ich habe keinen einzigen Weg über die Felsen gesehen.«
»Es gibt mehrere. Sie verlaufen unterirdisch.«
Tobias schüttelte energisch den Kopf, als wolle er ein Phantom verjagen.
»Nein! Du bist verrückt. Wenn wir einen Fuß in diese Gänge setzen, sind wir tot!«
»Von was redet ihr?«, fragte Chen beunruhigt, als er Tobias’ panisches Gesicht sah.
»Er will, dass wir in den Bau der Schattenfresser gehen«, rief Tobias.
Ben starrte Matt ungläubig an:
»Stimmt das?«
»In die Stadt kommen wir nicht rein, und wenn doch, dann erwartet uns dort eine Schlacht, die wir unmöglich gewinnen können. Uns bleiben nur die Gänge der Schattenfresser. Ich weiß, dass sie ein weitläufiges Netz im Berg angelegt haben, das von der einen Seite zur anderen führt, von hier unten in der Ebene bis nach oben über die Felsen. Wenn wir jetzt gleich gehen, treffen wir wahrscheinlich gar keine an. Sie jagen gerade.«
»Aber wenn sie uns erwischen, dann sitzen wir in der Falle!«, jammerte Tobias.
»Wir haben keine andere Wahl, Tobias!«, antwortete Matt ungeduldig. »Entweder wir gehen durch den Berg, oder wir warten, bis die Horde uns einholt und uns in Stücke reißt.«
Matt glaubte, in den Mienen der anderen einen Anflug von Resignation zu lesen, und fügte rasch hinzu:
»Wir wissen, dass wir leise und schnell sein müssen. Die Seelenlosen aber nicht. Mit ihrem Gebrüll werden sie bald die Schattenfresser anlocken. Wenn alles gutgeht, kommen wir nicht nur heil bis zur Hochebene, sondern können uns auch noch die Horde vom Hals schaffen!«
»Wenn alles gutgeht«, wiederholte Ben leise.
Die Hunde trugen ihre Herrchen bis zum Rand von Wyrd’Lon-Deis. Dort stiegen die Pans am Ufer des Flusses ab, der sich hier durch einen Wald aus Schilf schlängelte. Ein langer, mit Tannen bewachsener Hang trennte sie vom Fuß der Felswand.
Aus der Ferne hörten sie ein leises Grollen, das von den Wasserfällen irgendwo im Osten herrührte.
Matt stapfte entschlossen den Hang hinauf und machte um jedes zu dichte Gestrüpp vorsichtshalber einen großen Bogen. Die anderen folgten ihm zögerlich.
Sie waren auf das Schlimmste gefasst. Sollten die Schattenfresser sie entdecken, würden sie in Sekundenschnelle ihre Waffen ziehen.
Plötzlich öffnete sich vor ihnen ein freies Feld. Bis zu den Wänden aus weißem Kalkstein waren es gut dreihundert Meter. Mehrere dunkle Löcher klafften im Fels: die Eingänge zum Bau der Schattenfresser.
»O nein!«, stöhnte Tobias. »Sie sind noch nicht ausgeschwärmt! Ich sehe sie in ihren Löchern sitzen!«
»Sie halten nach Beute Ausschau«, vermutete Matt. »Sie sind wie Spinnen. Sie warten, bis ihre Opfer zu ihnen kommen, um sich dann auf sie zu stürzen.«
»Was willst du uns damit sagen?«, fragte Chen misstrauisch. »Dass wir von diesen mörderischen Kreaturen und der Horde in die Zange genommen werden?«
»Solange die Schattenfresser nicht ausschwärmen, dürfen wir uns nicht
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