Artus-Chroniken 2. Der Schattenfürst
und das war, wie Arthur behauptete, der das Ganze fast lächerlich optimistisch betrachtete, ein äußerst vielversprechendes Zeichen.
Weder Schwerter noch Speere, noch Schilde wurden während der Zeremonie getragen. Die Feierlichkeiten fanden im großen Lustgarten des Seepalastes statt, zwischen zwei neu erbauten Arkaden, die sich auf Graswällen bis zum Wasser hinabzogen. Von den Arkaden, in denen zwei Chöre festliche Melodien sangen, um der Zeremonie die entsprechende Würde zu verleihen, hingen lange Banner herab. Am Nordende des Gartens, dicht neben einer großen Bogentür, die in den Palast führte, war ein Tisch aufgestellt worden. Zufällig war es ein runder Tisch. Der Form wurde jedoch keinerlei Bedeutung beigemessen – es war eben der Tisch gewesen, der am einfachsten in den Garten geschafft werden konnte. Der Tisch war nicht sehr groß, im Durchmesser vielleicht so breit wie die ausgestreckten Arme eines Mannes, doch ich erinnere mich, daß er sehr schön war. Natürlich stammte er von den Römern und war aus einem weißen, durchsichtigen Stein, in den jemand ein wunderliches Pferd mit großen, ausgebreiteten Schwingen geschnitzt hatte. Eine der Schwingen durchzog ein tiefer Riß, aber der Tisch war dennoch ein eindrucksvolles Objekt und das geflügelte Pferd ein echtes Wunder. Sagramor sagte, auf all seinen Reisen habe er nirgendwo ein solches Tier gesehen, behauptete aber, solche Pferde gebe es in den geheimnisvollen Ländern, die hinter den Meeren aus Sand lagen, wo immer das sein mochte. Sagramor hatte Malla, seine stämmige Sächsin, inzwischen geheiratet und war Vater von zwei Söhnen geworden.
Die einzigen, die bei der Zeremonie Schwerter tragen durften, waren die Könige und Prinzen. Mordreds Schwert lag auf dem Tisch, kreuzweise darüber die Klingen von Lancelot, Meurig, Cuneglas, Galahad und Tristan. Einer nach dem anderen traten wir vor, Könige, Prinzen, Häuptlinge und Lords, und legten die Hand auf den Punkt, an dem sich die sechs Klingen berührten, um Arthurs Eid zu schwören, der uns zu Frieden und Freundschaft verpflichtete. Ceinwyn hatte den neunjährigen Mordred neu eingekleidet und ihm die Haare geschnitten und gekämmt, um die beiden lockigen Bürsten zu bändigen, die von seinem Schädel abstanden; aber trotz all ihrer Bemühungen war er eine unbeholfene Gestalt, als er auf seinem Klumpfuß herbeigehinkt kam, um kaum vernehmbar den Eid zu murmeln. Wie ich gestehen muß, war der Moment, da ich die Hand auf die sechs Klingen legte, überaus feierlich; wie die meisten der anwesenden Herren hegte ich die feste Absicht, den Eid zu halten. Natürlich galt der Eid nur für Männer, denn in Arthurs Augen ging die Frauen das alles nichts an, obwohl zahlreiche Damen auf der Terrasse über der Bogentür standen und der endlosen Zeremonie beiwohnten. Und endlos war sie, die Zeremonie. Ursprünglich hatte Arthur die Bruderzugehörigkeit auf jene verschworenen Krieger beschränken wollen, die gegen die Sachsen gekämpft hatten, sie aber inzwischen auf jeden großen Mann ausgedehnt, den er in den Palast locken konnte. Und als die Schwüre geleistet waren, schwor er seinen eigenen Eid und stellte sich anschließend auf die Terrasse, um uns zu erklären, daß der Eid, den wir soeben abgelegt hatten, ebenso heilig sei wie jeder andere Eid, und daß wir versprochen hätten, Frieden in Britannien zu halten, und falls einer von uns diesen Frieden bräche, sei es die Eidespflicht der anderen Mitglieder der Bruderschaft, den Übeltäter zu bestrafen. Dann forderte er uns auf, einander zu umarmen, und anschließend begann natürlich das Trinkgelage.
Doch die Feierlichkeiten des Tages waren damit noch nicht beendet. Arthur hatte genau beobachtet, welche Männer Umarmungen gewisser anderer Männer mieden, und befahl diese Widerwilligen dann nacheinander in die große Palasthalle, wo Arthur darauf bestand, daß sie sich miteinander versöhnten. Arthur selbst ging mit gutem Beispiel voran, indem er zuerst Sansum und dann Melwas umarmte, den entthronten König der Belgen, den Arthur nach Isca ins Exil geschickt hatte. Melwas ergab sich mit polternder Gutmütigkeit in den Friedenskuß, starb aber einen Monat später, nachdem er zum Frühstück verdorbene Austern gegessen hatte. Das Schicksal, wie Merlin uns genüßlich zu belehren pflegte, ist unerbittlich. Diese intimeren Versöhnungen verzögerten natürlich das Festmahl, das in der großen Halle stattfinden sollte, in der Arthur gerade Feinde miteinander
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