Artus-Chroniken 2. Der Schattenfürst
späteren Jahren hörten wir von Schäfers-oder Bauerntöchtern, die attackiert worden waren.
Arthur hörte sich das alles an, erschauerte und ging, um mit dem König zu reden, aber es half alles nichts.
Guinevere kam selten nach Lindinis, während mich meine Pflichten, die mich in Arthurs Diensten in ganz Dumnonia herumreisen ließen, ziemlich oft in den Winterpalast von Durnovaria führten, wo ich recht häufig auch Guinevere begegnete. Sie war höflich zu mir, aber schließlich waren wir in jenen Tagen alle höflich zueinander, denn Arthur hatte seinen großen Kriegerbund gegründet. Mir hatte er seine Idee damals in Cwm Isaf geschildert, und in den Friedensjahren nach der Schlacht bei London hatte er seine Speerkämpfergilde Realität werden lassen.
Bis heute erinnern sich alte Männer, wenn man die Tafelrunde erwähnt, an damals und kichern über jenen uralten Versuch, Rivalität, Feindseligkeit und Ehrgeiz zu bannen. Die Tafelrunde – das war natürlich nicht der richtige, sondern eher ein Spitzname. Arthur hatte beschlossen, die Vereinigung
»Bruderschaft von Britannien« zu benennen, und das klang weitaus eindrucksvoller, aber niemand benutzte diesen Namen. Wenn überhaupt jemand an den Schwur dachte, dachten sie an ihn als den Eid der Tafelrunde, und vermutlich vergaßen sie sogar, daß er uns Frieden bringen sollte. Armer Arthur. Er glaubte wirklich an Brüderlichkeit, und wenn Küsse Frieden schaffen könnten, würden tausend tote Männer auch heute noch leben. Arthur versuchte die Welt zu verbessern, und das Mittel, mit dem er dies bewerkstelligen wollte, war die Liebe.
Die Bruderschaft von Britannien hätte im Winterpalast von Durnovaria gegründet werden sollen – in dem Sommer, nachdem Guineveres Vater Leodegan, vertriebener König von Henis Wyren, an einer Seuche gestorben war. Aber in jenem Juli, da wir uns alle versammeln sollten, kehrte die Seuche nach Durnovaria zurück, so daß Arthur das große Treffen in den Seepalast verlegte, der inzwischen fertig war und schimmernd auf einem Hügel über der kleinen Bucht lag. Lindinis hätte sich für die Einführungsriten besser geeignet, denn der Palast dort war weit größer, aber Guinevere schien ihr neues Zuhause herzeigen zu wollen. Es verschaffte ihr zweifellos Befriedigung, Britanniens grobe, langhaarige, rauhbärtige Krieger durch die zivilisierten Gänge und schattigen Arkaden streifen zu sehen. Diese Schönheit, schien sie uns sagen zu wollen, diese Schönheit ist es, die ihr zu schützen habt. Allerdings sorgte sie vorsichtshalber dafür, daß
nur wenige von uns innerhalb der Mauern der ausgebauten Villa nächtigten. Wir schliefen draußen, und es war uns, ehrlich gesagt, auch lieber so.
Ceinwyn begleitete mich. Sie fühlte sich nicht wohl, denn die Zeremonie fand kurz nach der Geburt unseres dritten Kindes statt, eines Knaben, und es war ein schwieriges Wochenbett gewesen, nach dem Ceinwyn unendlich geschwächt und das Kind tot war, aber Arthur hatte sie gebeten, mitzukommen. Er wollte, daß sich alle Lords von Britannien dort versammelten, und obzwar niemand aus Gwynedd, Elmet und den anderen nördlichen Reichen kam, nahmen viele andere die lange Reise auf sich. Aus Dumnonia waren praktisch alle mächtigen Herren anwesend. Cuneglas von Powys kam, Meurig von Gwent war dort, Prinz Tristan von Kernow nahm teil, und natürlich Lancelot; und all diese Könige brachten Lords, Druiden, Bischöfe und Häuptlinge mit, so daß die Zelte und Unterstände einen weiten Halbkreis um den Hügel des Seepalastes bildeten. Mordred, der damals neun Jahre alt war, kam mit uns beiden, und zu Guineveres Mißvergnügen wurden ihm, wie den anderen Königen, Räume innerhalb des Palastes zugewiesen. Merlin verweigerte die Teilnahme. Er sei zu alt für solch einen Unsinn, behauptete er. Galahad wurde zum Marschall der Bruderschaft ernannt und saß der Versammlung gemeinsam mit Arthur vor, und genau wie Arthur glaubte auch er von ganzem Herzen an die Idee.
Ich gestand es Arthur nie, aber mir war das Ganze peinlich. Er hatte sich vorgestellt, daß wir einander alle Frieden und Freundschaft schworen, all unsere Feindseligkeiten begruben und einen Eid ablegten, der es jedem Mitglied der Bruderschaft von Britannien verbot, den Speer gegen ein anderes Mitglied zu erheben. Doch selbst die Götter schienen sich über diese hochfliegenden Ambitionen lustig zu machen, denn der Tag der Zeremonie zog kalt und düster herauf – aber es begann nicht richtig zu regnen,
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