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Artus-Chroniken 2. Der Schattenfürst

Artus-Chroniken 2. Der Schattenfürst

Titel: Artus-Chroniken 2. Der Schattenfürst Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Bernard Cornwell
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aussöhnte; daher wurde immer mehr Met in den Garten hinausgetragen, wo die gelangweilten Krieger warteten und zu erraten suchten, welche von ihnen als nächste zu Arthurs Friedensstiftung gerufen werden würden. Daß man mich rufen würde, wußte ich, denn ich war Lancelot während der gesamten Zeremonie absichtlich aus dem Weg gegangen, und tatsächlich hatte mich Hygwydd, Arthurs Schildknappe, bald gefunden und bestand darauf, daß
    ich ihn in die große Halle begleitete, wo mich, wie befürchtet, Lancelot mit seinen Höflingen erwartete. Arthur hatte Ceinwyn überredet, ebenfalls anwesend zu sein, und, um es ihr angenehmer zu machen, außerdem ihren Bruder Cuneglas dazugebeten. Also standen wir zu dritt auf einer Seite der Halle, und auf der anderen wartete Lancelot mit seinen Männern, während Arthur, Galahad und Guinevere auf dem Podium saßen, wo die Hohe Tafel für das Festmahl bereit stand. Arthur strahlte uns wohlwollend an. »In diesem Raum«, erklärte er, »habe ich einige meiner liebsten Freunde zusammengerufen. König Cuneglas, den besten Verbündeten, den ein Mann in Krieg oder Frieden haben kann, König Lancelot, dem ich wie ein Bruder verschworen bin, Lord Derfel Cadarn, den tapfersten all meiner tapferen Männer, und die liebe Prinzessin Ceinwyn.« Er lächelte.
    Ich stand so steif wie eine Vogelscheuche im Erbsenfeld. Ceinwyn blickte anmutig drein, Cuneglas starrte zur bemalten Decke der Halle empor, Lancelot verzog finster das Gesicht, Amhar und Loholt versuchten eine kriegerische Miene aufzusetzen, während Dinas und Lavaine nichts als Verachtung auf ihren harten Gesichtern erkennen ließen. Guinevere beobachtete uns aufmerksam, aber ihr eindrucksvolles Gesicht verriet nicht das geringste – obwohl ich argwöhnte, daß sie für diese erfundene Zeremonie, die ihrem Gemahl so am Herzen lag, nicht weniger Verachtung übrig hatte als Dinas und Lavaine. Arthur wünschte sich inbrünstig Frieden, und nur ihm und Galahad schien die Situation kein Unbehagen zu bereiten. Als keiner von uns sprach, breitete Arthur die Arme aus und kam vom Podium herab. »Ich verlange, daß das böse Blut, das zwischen Euch herrscht, jetzt sofort vergossen wird«, sagte er.
    »Einmal vergossen und dann vergessen.«
    Abermals wartete er. Ich scharrte mit den Füßen, während Cuneglas an seinen langen Schnauzbartenden zupfte.
    »Bitte«, sagte Arthur.
    Ceinwyn zuckte ganz leicht die Achseln. »Es tut mir leid, daß
    ich König Lancelot verletzt habe«, sagte sie.
    Hocherfreut, daß das Eis zu schmelzen begann, lächelte Arthur dem Belgenkönig zu. »Lord König?« versuchte er Lancelot eine Reaktion zu entlocken. »Werdet Ihr ihr vergeben?«
    Lancelot, an diesem Tag ganz in Weiß, warf ihr einen flüchtigen Blick zu und verneigte sich vor ihr.
    »Soll das eine Vergebung sein?« knurrte ich bissig. Lancelot errötete, riß sich aber sofort zusammen und tat Arthur den Gefallen. »Ich hege keinen Groll gegen Prinzessin Ceinwyn«, erklärte er steif.
    »Na also!« Arthur freute sich über die widerwillig hervorgestoßenen Worte und breitete wieder die Arme aus –
    ein Zeichen, daß sich die beiden zu ihm bemühen sollten.
    »Umarmt Euch«, sagte er. »Ich bestehe auf meinem Frieden!«
    Beide traten vor, küßten einander auf die Wange und zogen sich wieder zurück. Diese Geste war in etwa so warm wie jene sternklare Nacht, in der wir zwischen den Felsen am Llyn Cerrig Bach rings um den Kessel gewartet hatten, aber sie stellte Arthur zufrieden. »Derfel« – dabei sah er mich an –
    »werdet Ihr den König ebenfalls umarmen?«
    Ich stählte mich für die Auseinandersetzung. »Ich werde ihn umarmen, Lord«, erklärte ich, »sobald seine Druiden ihre Drohungen gegen Prinzessin Ceinwyn zurückgenommen haben.«
    Alle schwiegen. Guinevere seufzte und klopfte mit der Fußspitze auf die Mosaiken des Podiums, die Mosaiken, die sie aus Lindinis mitgenommen hatte. Sie sah hinreißend wie immer aus. Sie trug ein schwarzes Gewand, das mit Dutzenden von kleinen, silbernen Halbmonden bestickt war. Ihr rotes Haar war zu Zöpfen geflochten, die sie sich um den Kopf gelegt und mit zwei drachenförmigen goldenen Spangen befestigt hatte. Um den Hals trug sie jene barbarische sächsische Goldkette, die Arthur ihr nach einer längst vergangenen Schlacht gegen Aelle übersandt hatte. Damals hatte sie mir erklärt, die Kette gefalle ihr nicht, aber sie stand ihr hervorragend. Möglich, daß
    sie die Zeremonien dieses Tages verachtete, aber sie

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