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Back to Blood

Back to Blood

Titel: Back to Blood Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Tom Wolfe
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wäre sie vollkommen erhaben über die Männer in diesem Raum. Stattdessen wurde sie sofort in den überwältigenden, fiebrig delirierenden Strudel hineingerissen. Ihre Blicke schossen wild wild wild umher … auf der Suche nach … ihm. Die Bibliothek, wie der Maître d’hôtel den Raum genannt hatte, schien hauptsächlich als ein kleines Esszimmer zu dienen. An den Wänden standen Bücherregale mit richtigen Büchern, was die gemütliche Chez-toi-Dein-Heim- Atmosphäre noch verstärkte. Die Tische waren an die Wände geschoben worden, damit Mr. Koroljow und seine Gäste zur Cocktailstunde genügend Platz zum Streunen und Stromern, zum Gickeln und Gockeln hatten … aber wo war er? Angenommen, er war nicht da und diese ganze —
    — plötzlich ließ Norman sie stehen und tauchte in die taumelnde Menge ein.
    »Norman!«
    Norman blieb kurz stehen, drehte sich mit einem schuldbewussten Lächeln zu ihr um und hielt einen Zeigefinger hoch, um ihr zu sagen: Keine Sorge, bin gleich wieder da.
    Magdalena war schockiert … und geriet in Panik … Was sollte sie tun, ein vierundzwanzigjähriges Mädchen unter all den alten Leuten — sie waren alle so alt! — und so weiß! — und sie war ein kleines kubanisches Mädchen, eine Krankenschwester namens Magdalena Otero, in ein Bustier gepresst, das ihnen ihre fast nackten Brüste entgegenreckte wie zwei große Portionen Flan!
    Und dann wurde sie wütend. Als Norman seinen Zeigefinger hochgehalten hatte, hatte er ihr nicht bedeutet, dass er gleich wieder da wäre … oh nein … bewusst oder unbewusst hatte er ihr zu verstehen gegeben, ich bin die Nummer eins, und ich habe jemanden entdeckt, der so unendlich bedeutender ist, als du es bist, und, tut mir leid, den muss ich mit meinem Ich-bin-der-berühmte-Dr.-Porno-Charme bezirzen, bevor ich ihn wieder aus den Augen verliere!
    Was sollte sie jetzt tun? Einfach warten wie eine Nutte auf einen Freier? Die Leute schauten sie schon an … oder begafften sie nur das Bustier und ihre Brüste? :::::: Gottverdammter Norman! :::::: Sie erinnerte sich daran, was Amélia gesagt hatte. Sei selbstbewusst … wenn du mit keinem reden kannst, dann lächele selbstbewusst. Sie setzte ein selbstbewusstes Lächeln auf … aber so allein mit einem selbstbewussten Lächeln herumzustehen war auch nicht viel besser als mit einem langen Gesicht … Ahh! Sie entdeckte an der nächstgelegenen Wand ein Gemälde, ein großes … mindestens eins zwanzig mal einen Meter … Sie würde so tun, als schaute sie es sich höchst interessiert an … Sie stand davor … zwei halbrunde Gebilde, eins schwarz, eins weiß, auf beige-grauem Untergrund. Die beiden Gebilde waren blödsinnig in schiefen Winkeln angeordnet :::::: Ayúdame, Jesús … Man musste schon ein Schwachkopf sein, um sich so ein Stück mierda genauer anzuschauen … Nicht mal die alten Idioten, die auf der Miami Basel Millionen für so einen Nonsens ausgaben, waren so zurückgeblieben, sich sowas anzuschauen .:::::: Sie gab auf und wandte sich wieder dem Raum zu, wo die Post abging. Hysterisches Gelächter beherrschte den Raum … kreisch! kreisch! kreisch! kreisch! die Frauen ho! ho! ho! ho! die Männer … aber genau in diesem Augenblick hörte sie von der anderen Seite des Raums ein Lachen, das alles ins Wanken brachte »aahaa AAAH ock hock hock hock« … und Magdalena schaute in die Richtung, laserte sich durch all das verzückte Lachen, bis sie einen großen blonden Kopf entdeckte, der auf und ab hüpfte, Norman, der sich vor einer Frau produzierte. Einer sehr attraktiven Frau — dreißig? — aber wie sollte man das überhaupt noch wissen? — helle Haut, oh, so hell … volle dunkle Haare, in der Mitte gescheitelt, die theatralisch aus der Stirn nach hinten schwangen … hohe Backenknochen, hageres, kantiges Kinn, Lippen rot wie Rubine, Augen so leuchtend und hypnotisch blau wie die blauesten Diamante eeehhhh HAGGHHHOCK hock hock hock … Die Rubine und Diamanten hatte sie erfunden, nur um sich selbst noch mehr zu bemitleiden und noch zorniger zu werden auf Norman, aber das Lache eeehhoghhh HHH ock hock hock war real, viel zu real, du herzloser, gefühlloser Hurensohn! Bin gleich wieder da — ja sicher, du bist gleich wieder da, sobald du deinen ersten Stich gemacht hast bei irgendeiner americana mit Haaren so dunkel wie die Nacht und Haut so weiß wie Schnee! Wir haben keinen Schnee, wir Kubaner, wie du ja vielleicht weißt, schlau, wie du bist —
    »Miss Otero!«
    Eine Stimme hinter

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