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Back to Blood

Back to Blood

Titel: Back to Blood Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Tom Wolfe
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dahin. Was machte sie da? Eine Jungfrau … ja klar, eine Jungfrau, die sich alle Mühe gab, wie eine Schlampe auszusehen … in einem Bustier. Was war sie nur für ein Idiot!
    Aber als sie die Tür von Normans Audi öffnete, breitete sich schlagartig ein lüsternes Lächeln auf seinem Gesicht aus. » Wow , was sehen meine Augen?«, sagte er. »Das Chez Toi kann mich mal! Los, wir fahren gleich in meine Wohnung!«
    Magdalena setzte sich auf den Beifahrersitz. »Was meinst du, ist das nicht ein bisschen zu extrem?«
    » Du bist extrem, Magdalena.« Er schaute sie immer noch wollüstig an. Von Norman war nicht das objektivste Urteil zu erwarten. ::::::Beim Thema Sex rastet er fast aus, mein berühmter Pornosuchtpsychiater.:::::: Trotzdem, seine Reaktion war ermutigend. Zumindest war ihre Aufmachung kein Total flop, der sofort ins Auge sprang. ::::::Sei selbstbewusst! Tja, das dauert wohl noch. Aber vielleicht habe ich eine Außenseiterchance.:::::
    Als sie die Lincoln Road hinunterfuhren, sagte Norman, »Hast du dieses Dings auf YouTube gesehen?«
    »Welches Dings?«
    »Das musst du dir anschauen! Ein Video mit zwei Cops aus Miami — beide weiß — auf einem großen schwarzen Kerl, den sie gerade verhaftet haben. Der liegt auf dem Boden, die Hände auf den Rücken gefesselt, und die beiden auf ihm drauf und immer mit dem Ellbogen gegen den Kopf und Beleidigungen ohne Ende, außer Nigger alles, was du dir vorstellen kannst! Musst du dir unbedingt anschauen.«
    Muss ich mir unbedingt was anschauen? Tatsächlich hörte Magdalena nur mit halbem Ohr auf das, was er sagte. Alles, was zählte, war, was er davon halten wird. Wird er finden, dass ich wie ein Flittchen aussehe … oder ist Normans Reaktion glaubhaft? Sie schaute an ihrem Busen hinunter. Nichts hatte sich verändert. Man sah … alles.
    Sie erreichten das Chez Toi, und Norman übergab den Audi dem Parkservice. »Das ist es? Eine Hecke?«, sagte Magdalena.
    »Das ist es«, sagte Norman. »Es ist hinter der Hecke.« Sie standen nur ein paar Schritte vor einer Ligusterhecke, die etwa drei Meter hoch war. Eine gewaltige Ligusterhecke. Sie war makellos getrimmt und oben vollkommen eben. Das Portal war aus der Hecke herausgeschnitten … ein Rechteck, weit über zwei Meter hoch, fast eineinhalb Meter breit — und mindestens einen Meter tief … ein Rechteck, perfekt getrimmt bis zum letzten winzigen Ligusterblättchen. Es war schon fast dunkel, und im Zwielicht konnte man die Hecke leicht für eine Befestigung halten, einen abschreckenden Wall aus solidem Mauerwerk.
    »Ich sehe gar kein Schild.«
    »Es gibt keins«, sagte Norman im Tonfall eines Menschen, der sich in solchen Dingen auskennt .
    Magdalenas Herz schlug schneller. Wieder gingen ihr grundlegendere Dinge durch den Kopf. Wieder befiel sie Verzweiflung. Was, wenn sie sich täuschte! Was hatte denn Sergej letzte Woche zu ihr gesagt? Nichts! — kein einziges persönliches Wort! Lediglich nichtssagende Höflichkeiten, die jeder anständige Mensch sagt, wenn er jemandem vorgestellt wird. Sie hatte sich das alles zusammengereimt aus seinen Blicken und Gesten, aus seinem Lächeln, was auf Gefühle seinerseits hindeuten konnte, aber nicht musste. Er hatte ihr lange, suchend und bedeutungsvoll, in die Augen geschaut …. dreimal . Angenommen, seine Blicke hatten nach gar nichts gesucht und auch gar nichts angedeutet . Angenommen, sie waren nur ihr lang vorgekommen. Egal, jetzt würde sie es auch nicht mehr erfahren. Jetzt war sie hier, und er da drüben, vermutlich, auf der anderen Seite dieser Hecke … und sie war immer noch auf diesem irrwitzigen Trip, runter rauf runter rauf rauf rauf, bis das nächste kleine Was-wenn sie wieder runter- und die nächste schwache Hoffnung sie wieder hochzog … und so war es ihr sieben Tage lang ergangen, in jedem wachen Augenblick —
    »Aber woher wissen die Leute, dass es hier ist?«, fragte Magdalena.
    »Die Leute wissen es nicht«, sagte Norman. »Es ist zwar allen zugänglich, aber es ist trotzdem wie ein Privatklub. Wenn sie dich nicht kennen oder jemand ein Wort für dich einlegt, bekommst du nur sehr schwer einen Tisch. Dass die kein Schild haben … na ja … das gehört zur Aura des Chez Toi.«
    Magdalena hatte keine Ahnung, was eine »Aura« war … aber das war nicht der passende Augenblick, um eine Begriffserklärung zu bitten.
    Sie standen jetzt fast vor dem kuriosen Portal, dem rechteckigen Durchgang, der mit einer Präzision aus der Ligusterhecke

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