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Back to Blood

Back to Blood

Titel: Back to Blood Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Tom Wolfe
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sie halb nackt oder völlig nackt von seinem Zimmer in das jämmerliche Bad gehetzt, immer in Angst, von seiner Mutter, seinem Vater, einem Verwandten oder einem Nachbarn bei ihrem sündhaften Tun überrascht zu werden. Oh Gott, wie sündhaft — und wie unsagbar aufregend.
    Oh Gott! — wie schrecklich war es, was sie Nestor jetzt antat! Sie sah sein verzerrtes Gesicht vor sich, wie er »¡Concha!« schrie. Aber sie empfand das nicht mal als Beleidigung. Es war nur der verwundete Aufschrei eines Latinos mit einem gebrochenen Herzen. Kein Mann, kein echter Latino würde nach einer Beziehung wie der ihren einfach so aufstehen und gehen, ohne Widerrede. Aber wie hätte sie das vermeiden können? Irgendwie hatte sie ihm ja sagen müssen, dass es vorbei war, dass sie ihn und Hialeah verlassen würde.
    Hätte sie an dem Tag »zu ihm gestanden«, wenn sie gewusst hätte, dass er in großen Schwierigkeiten steckte, weil er diesen kubanischen Untergrundführer festgenommen und praktisch der kubanischen Regierung ausgeliefert hatte? Nun ja, das war Gott sei Dank eine Entscheidung, die ihr erspart geblieben war. Sie hatte keine Ahnung, wie es um Nestors »Karriere« stand. Seit Wochen konnte sie nur an eins denken: Hialeah endlich hinter sich zu lassen, diesen »großen kubanischen Bauch«, wie sie das nannte … was vor allem hieß, ihr Elternhaus zu verlassen, Nestor zu verlassen. Gott sei Dank hatte sie beides getan, als sie noch den Mumm dazu gehabt hatte!
    Hialeah — diese kleine kubanische Insel war Nestors ganzes Leben. Sicher, an dem Tag hatte er gesagt, dass er Hialeah verlassen würde, aber er war nur vorübergehend gekränkt. In null Komma nichts hätte sich das gelegt, und alles wäre vergessen. Er würde ein Polizist bleiben, der seine zwanzig Jahre Dienst tut, und danach — ja, was? Eine hübsche fette Pension? In fünfzehn Jahren wäre sein Leben vorbei, mit gerade mal vierzig. Es war traurig … aber wenigstens musste sie ihn nicht mehr anlügen … und so tun, als sei alles wie immer … Sie musste ihn wirklich entfreunden, auf Facebook. Es wäre nicht anständig, wenn sie zulassen würde, dass er jeden Tag, jede Stunde ihr Bild anstarrte und sich nach etwas sehnte und verzehrte, das für immer vorbei war. Das wäre grausam …
    ::::::Jetzt aber mal ehrlich, Magdalena! Das liegt dir doch nicht wirklich am Herzen, oder? … Einmal war ohne dein Wissen ein Foto von dir und Norm auf deiner Facebookseite aufgetaucht, und du hattest dermaßen Angst vor Nestors wütender Reaktion gehabt, dass du es sofort gelöscht hast. Jetzt schau mal den Tatsachen ins Auge. Alle sollen wissen, dass du mit Dr. Norman Lewis liiert bist, das willst du doch! Gib’s zu! Tatsächlich willst du, dass das Foto auf deiner Seite prangt, wenn 60 Minutes mit dem berühmten Ike Walsh im Fernsehen läuft. Oder? Alle sollen wissen, dass dieser umwerfend blonde und blauäugige americano, dieser glamouröse ältere Mann dir gehört, das ist es doch, was du willst!:::::: Aber dieser glückliche Gedanke löste wieder eine Welle an Schuldgefühlen wegen Nestor auf. Die ganze Geschichte musste so enden, wie sie endete … und besser früher als später. Ihr war nichts eingefallen, wie sie es ihm hätte sagen können … nichts, was schmerzlos abgegangen wäre … Besser so, ein harter, sauberer Schnitt. Nestor würde sicher bald in den Schoß Hialeahs zurückkehren, als wäre nichts geschehen —
    »Was ist?«, fragte Norman. »Du schaust das Foto ja gar nicht an!«
    Das stimmte. Seine Hände glitten von ihren Schultern über ihre steife, weiße Schwesternuniform. »Hey?«
    Also schaute sie auf das Bild und … uhnghhh, das war ja ekelhaft! Auf dem Farbfoto war der nackte Unterleib eines Mannes zu sehen … Die stark entzündete Leistengegend und der Penis waren von einem ekligen Ausschlag bedeckt.
    Magdalena sagte, »Das ist ja —« sie wollte »ekelhaft« sagen, aber aus irgendeinem Grund schien Norman sehr stolz auf das Foto zu sein. »— das ist ja ein grässliches Bild.«
    »Ganz und gar nicht«, sagte Dr. Lewis. »Was unser reicher und mächtiger Maurice Fleischmann sich angetan hat, ist vielleicht grässlich, aber nicht das Foto. Meiner Meinung nach ist es ein wichtiges Foto, ein für unseren Berufsstand sehr nützliches Dokument.«
    »Das ist Mr. Fleischmann?«
    »Genau der«, sagte Dr. Lewis. »Schau dir die langen dürren Beinchen an.«
    »Woher hast du das?«
    »Hab ich vor einer halben Stunde selbst aufgenommen und und auf den

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