Back to Blood
Computer runtergeladen.«
»Warum ist er nackt?«, fragte Magdalena.
Dr. Lewis kicherte. »Weil ich ihm gesagt habe, dass er sich ausziehen soll. Ich hab ihm gesagt, wir müssten ein ›sichtbares Zeitraster‹ seiner Fortschritte erstellen. ›Ein sichtbares Zeitraster‹ …« Sein Kichern steigerte sich fast in lautes Gelächter. »Und ich hab ihm gesagt, er soll das Bild mit nach Hause nehmen und immer dann anschauen, wenn er das Gefühl hat, dass ihn seine sogenannte Sucht überkommt. Das habe ich sogar halbwegs ernst gemeint. Aber hauptsächlich habe ich das Foto für meine Monografie gemacht.«
»Deine Monografie?«, sagte Magdalena. »Welche Monografie?« Sie zögerte. Sie wusste nicht, ob sie noch mehr von ihrer Unwissenheit preisgeben sollte — aber sie traute sich trotzdem.
»Norman … Ich weiß nicht mal, was das ist, eine Monografie.«
»Eine Monografie ist ein Traktat — du weißt, was ein Traktat ist?«
»So ungefähr«, sagte Magdalena. Sie hatte keinen Schimmer, aber Norman hatte das Wort in einem Tonfall ausgesprochen, als müsste es jeder Mensch kennen, der des Lesens und Schreibens kundig ist.
»Nun, eine Monografie nennt man eine sehr gründliche, sehr wissenschaftliche Abhandlung, die dir viel mehr über ein ganz spezielles Thema erzählt, als du eigentlich wissen willst, in diesem Fall über die Rolle der Masturbation bei der sogenannten Pornografiesucht. Ich will, dass diese Monografie so gründlich, so dicht, so knallvoll … so aufgeblasen … mit Dokumenten ist, einschließlich Fotografien wie der von Mister Miamis Leistengegend, dass man schon beim Versuch, sie zu lesen, Migräne bekommt. Ich will, dass dieses Ding so … dicht wird, dass jeder Wissenschaftler, der es liest — jeder Wissenschaftler, jeder Arzt, jeder Psychiater, jeder Lehrende an einer medizinischen Fakultät — dass jeder dieser Hurensöhne vor Schmerz aufheult unter der Last, unter der minutiösen klinischen Detailflut, die ihm Dr. Norman Lewis in getrockneten, kompakten Ziegelsteinen aufbürdet.«
»Aber warum willst du das?«, fragte Magdalena.
»Weil ich zufällig weiß, dass diese beschissenen Neidhammel mich sofort einen ›Schloktor‹ schimpfen werden.«
Magdalena schaute ihn nur an. Sie wollte ihm nicht schon wieder mit einer Frage kommen, die darauf hinwies, was sie alles nicht wusste.
»›Schlock‹ ist ein jiddisches Wort, das billig und schlecht gemacht heißt«, sagte Norman, »Das Wort steht vor allem für Pfusch, der als erstklassig durchgehen soll. So ein Schloktor ist ein Arzt, der als windiger und hohler Pseudoexperte rüberkommt, weil er in Sendungen wie 60 Minutes auftritt und kompliziertes Zeug auf so plattes Niveau runterschraubt, dass auch Millionen von Idioten es zu verstehen glauben. Natürlich alles Neid. Meine rechtschaffenen Kollegen glauben, sie hocken auf einem Berg exklusiver Geheimnisse, so weit oben, dass es die idiotischen Millionen da nie raufschaffen. Jeder Arzt, der ins Fernsehen geht und die Geheimnisse ein bisschen lüftet, ist automatisch ein billiger Apostat« — Magdalena zuckte bei Normans Apostat nicht mal mit der Wimper — »der diese Geheimnisse preisgibt, um dafür zu einer Art vulgärem Promiruhm zu gelangen. Meine Monografie wird sie treffen wie ein Sandsack. Sie wird sie … so klein machen. Der Titel wird etwa lauten ›Die Rolle der Masturbation in der Pornografiesucht‹ — ›Sucht‹ in Anführungszeichen — oder viel leicht ›Die Wirkungsmacht der Masturbation in der Pornografie- sucht‹. ›Wirkungsmacht‹ ist einer der gespreizten Begriffe, die heutzutage unter den Hütern der Geheimnisse sehr beliebt sind. Wie auch immer — Masturbation. Viele Ärzte, sogar viele Psychiater, kapieren das nicht. Ohne Masturbation wird kein Mann ›süchtig‹ nach Pornografie. Sonst würde es einem armen Mistkerl wie unserem honorigen Mister Miami ja schnell langweilig werden, sich schwanzlutschende Mädchen anzuschauen. Aber wenn er mit der Hand an seinem kleinen Joystick immer wieder zum Höhepunkt kommen kann, dann kennt die ›Pornografiesucht‹ keine Grenzen. Ein Wichser wie Moe the First — entschuldige das kleine Wortspiel — macht vielleicht einen etwas mickrigen Eindruck, aber wenn er sich an seinem Computer diesen armseligen Müll reinzieht, kann er bis zu achtzehn Mal an einem einzigen Tag ejakulieren. Achtzehn Mal! Ich wette, du hattest keine Ahnung, dass ein Mann so viel Saft aus sich rausholen kann! Tja, unser Maurice Fleischmann kann! Und
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