Bis ich dich finde
gekeltert wurden.
Der Geschäftsführer, ein Vorläufer von Harvey Keitel in Holy Smoke, sagt Jack, daß die Weinflaschen für
»Atmosphäre« sorgen. Was die Unterwäsche – darunter ein rosaroter Tanga –
betrifft, so sind diese Ausstellungsstücke »unabdingbar«.
Nicht anders als Rachel, die sich in einer Phantasie verliert, wie
Anne Frank hätte entkommen können, redet Jack sich ein, daß Melody nicht hätte
sterben müssen. Wenn er dagewesen wäre, hätte er sie retten können. Jack
glaubt, daß dieses Museum ein Verrat an Melody ist; die ausgestellten
Schlüpfrigkeiten sind wie eine Verhöhnung.
Eines Nachts schleicht Jack sich hinein – das Museum ist
geschlossen, aber er hat einen Schlüssel. Er hat ein paar leere Koffer dabei
und packt die Ausstellungsstücke ein, die ihm zu intim erscheinen oder Melodys
Ruf schädigen könnten. Vor allem ihr Ruf ist ihm offenbar heilig. Zwei
Polizisten in einem Streifenwagen sehen Licht in dem Gebäude, vermuten
Einbrecher und gehen hinein. Doch Jack-als-Jack hat sich in Jack-als-Melody
verwandelt. Er sieht aus wie die tote Sängerin und geht mit seinen Koffern an
den verblüfften Polizisten vorbei hinaus auf den Strip. (Nicht jeder Mann kann
smaragdgrüne Pailletten auf schwarzem Spandex tragen.) Dies ist der eine
Geniestreich, der [549] dem Verrückten Holländer in diesem Film gelang: Bis zu dem
Augenblick, in dem Jack-als-Melody mit den Koffern aus dem Melody Museum tritt,
hat der Zuschauer keine einzige Einstellung vom Strip in seinem grellen
Neonglanz gesehen.
Unerklärlicherweise lassen die Polizisten Jack-als-Melody gehen.
Glauben sie, es ist Melodys Geist? (Sie machen keine ängstlichen Gesichter.)
Wissen sie, daß es ein Mann in Frauenkleidern ist? (Sie sehen aus, als wäre es
ihnen gleichgültig.) Oder erkennen die Polizisten – wie Jack, wie das Publikum
–, wie pervers dieses Museum ist? Finden sie, es sollte ausgeraubt werden?
Wild Bill Vanvleck verrät es dem Zuschauer nicht. Dem Remake Monster
liegt einzig und allein an dem Bild: Jack-als-Melody geht in smaragdgrünen
Schuhen und diesem scharfen Kleid den Strip hinunter und schleppt zwei offenbar
schwere Koffer. Als Jack in der Nacht verschwindet – vielleicht als
wiedergeborene Melody, vielleicht auch nur auf der Suche nach einem billigen
Hotel –, erscheint der Geschäftsführer, doch Jack sieht so überzeugend aus, daß
dieser nicht versucht, ihn zurückzuhalten. Er ruft ihm lediglich nach: »Jack,
du Schlampe – du bist gefeuert!«
Mit Melodys Stimme erwidert Jack: »Den Job wird man gern los.« (Das
war Jack Burns’ Beitrag zu Vanvlecks abgrundtief schlechtem Drehbuch. Er hatte
ja gewußt, daß dieser Satz ihn noch lange begleiten würde.)
Ein guter Job war bei weitem nicht der
schlechteste Film des Jahres. (Oder des folgenden Jahres, in dem Teenage Mutant Ninja Turtles und Stirb
langsam 2 anliefen.) Und die Szene, in der Jack Burns in Frauenkleidern
sagt: »Den Job wird man gern los« – tja, die blieb jedem im Gedächtnis haften.
Den Film konnte man getrost vergessen, aber nicht diese Szene, nicht diesen
Satz.
Bei der Oscar-Verleihung 1991 war Billy Crystal der Conférencier. Er
war gut, aber bei einer seiner Pointen vielleicht ein bißchen zu schnell. Das
Publikum im Shrine Civic Auditorium [550] war auf Draht, doch die meisten
verpaßten diesen Witz. Nicht Jack, der sich die Sache im Fernsehen ansah. Er
bekam den Witz mit, aber auch nur, weil es sein Satz war.
Billy Crystal sprach über die Möglichkeit, als Conférencier ersetzt
zu werden. Das Publikum stöhnte beim bloßen Gedanken daran protestierend auf,
und die meisten Zuschauer hörten nicht, daß Billy mit eindeutig weiblicher
Intonation sagte: »Den Job wird man gern los.«
Das war der Moment, da Emma und Jack wußten, daß er es geschafft
hatte. »Scheiße, hast du das gehört, Zuckerbär?« Sie waren in Mrs. Oastlers
Anwesen – Emma und Jack besuchten ihre Mütter in Toronto. Alice und Leslie
tuschelten in der Küche und verpaßten Billy Crystals Hommage an Jacks berühmten
Abgang und gingen zu Bett, bevor Der mit dem Wolf tanzt den Oscar in der Kategorie Bester Film bekam.
Jack hatte nicht nur Billy Crystals Witz gehört, sondern war auch
wirklich beeindruckt, wie gut er Jack-als-Melodys Stimme nachgeahmt hatte.
»Donnerwetter«, sagte er.
»Keine Filme mit dem Verrückten Holländer mehr, Süßer«, sagte Emma.
»Ach, ich bin so gespannt auf deinen nächsten.« Jack und Emma saßen auf dem
Sofa im großen
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