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Bismarck 04

Bismarck 04

Titel: Bismarck 04 Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Karl Bleibtreu
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Wahn ihrer Unbesiegbarkeit. Da wird der ganze Feldzug von 1812 im Sinn gefälscht, sogar die klägliche Beresina-Niederlage zu einem Triumpf, Niederlagen wie Zorndorf-Eylau-Borodino zu Siegen, Pyrrhussiege wie Kunersdorf zu Vollsiegen umgelogen und verschwiegen, daß dort nur Österreicher gewannen und ebenso in Suwarows plumpen Metzeleiden bei Novi und Trebbia. Sebastepol, Plewna, Mukden sollten doch Bescheidenheit lehren, doch der neue Drillorganisator glaubte mit eisernen Besen allen Unrat ausgefegt zu haben. Als ob das Innerste sich äußerlich ändern ließe! Die Offiziere blieben gradeso ungebildet und roh, die Mannschaften gradeso stumpfsinnig ergeben. Wie die Mongolen bei Liegnitz, die Türken zweimal vor Wien, so muß das Slaventum sich notwendig am Germanentum brechen. Moderne Kriegstechnik stellte ja psychische Faktoren erst recht in den Vordergrund. Das der Zähigkeit russischer Soldaten gespendete Lob bedarf vieler Einschränkung. Riesige Übermacht, die allmählich 3 Millionen Gefangene abliefert, meldet Bankrott an. Der Mißerfolg des unglücklichen russischen Hannibal – denn solche Rolle war dem fanatischen Panslavisten Nikolai beschieden – macht uns nicht blind für die Großartigkeit seiner Pläne, die Sicherheit seiner Massengruppierungen, die strategische Richtigkeit seiner wechselnden Absichten. Doch das riesigste bestgerüstete Heer, wie es Rußland nie auch nur zum hundertsten Teil früher ins Feld stellte und es nie wieder auch nur annähernd vermögen wird, erwies sich als untaugliches Instrument für ihn, der solche Machtmittel in der Hand hatte. Denn was seinem Pflichteifer fehlte und fehlen mußte, weil er eben ein Slave war, das waren Gründlichkeit, Genauigkeit, Feinheit deutschen Kriegsapparats. Bezeichnenderweise zeigten seine Heere Gelenkigkeit und Vorbereitung nur bei – Rückzügen. Charakterologisch trennte den Slavenfürsten, dessen allem Schein abholde Verachtung von Titulaturen an Peter d. Großen erinnert, wenig von Ludendorff-Hindenburg, zumal er als Privatmann ein hochanständiger weißer Rabe im großen Korruptionsnest war [Kriegsminister Suchamlinow, den man wohl ungerecht als diebischen Genüßling verdammte, schwärzt zwar in seinen Erinnerungen den Großfürsten an, will ihm jedes Verdienst rauben und malt ihn als Unhold, doch die Tatsachen sprechen deutlich dagegen.] . Gleiche fanatische Staatsliebe, doch die deutschen Meister schöpften aus geistigen und moralischen Tiefen, wie sie wahrlich keinen Romanow zu Gebote stehen. Wer verkennt die historisch-symbolische Tragik, daß das zaristische Rußland bei seinem Untergang den einzigen wahren Feldherrn aufstellte, den es je erzeugte, ihm aber kein bloßer Scipio mit Überlegenheit militärischer Institutionen, sondern selber ein Hannibal-Genie gegenübertrat! Die Vernichtung der frischesten tatenlustigsten Heere mit relativ besten Bestandteilen, die dauernde Zersetzung der Wehrmacht lastete schon zentnerschwer auf den Russen. Sie schlugen sich in Galizien nur selten gut, wenn von oben aufgepeitscht und gegen Österreicher. Auch wollen wir dem Heldentum der Karpathenwächter Borovic' gerecht werden, die der Russen Spannkraft schon brachen. Mackensens Feldzug könnte also nicht entfernt der Arbeit Hindenburgs gleichkommen, selbst wenn die Ausführung irgendwie strategischer Handhabung entsprochen hätte. Statt dessen rollte der Sturmbock einfach weiter auf Lemberg. Feste druff! war das einzige Leitmotiv.
    Und gleichzeitig hatte Ludendorff schon eine neue Idee ausgeheckt, deren Fruchtbarkeit sich bis zum Ende erwies, den Einfall in Kurland statt der erwarteten ungaren Offensiven gegen Njemen und Narew. Darin beirrten weder Seitenstöße aus Kowno noch Entlastungsstöße östlich Augustowo noch Angriff des 1. Turkestanischen K. bei Prasnicz. Deutsche Reitermassen streiften an der Dubissa, wobei Oberst Prinz Ulrich der Ludwigsburger Schwabendragoner blutete. Richthofen, ein neuer Zieten, handhabte sein K. K. mit gleicher Gewandtheit wie bei Dinant, Bassée, Lodz, wobei eigens gebildete Masch. G. Schwadronen unsre Überlegenheit sicherten. Vorrang deutscher Reiterei und ihrer ausgezeichneten Führer über jede andere soll und muß hervorgehoben werden. Heerabteilung Lauenstein hatte bei Schaule-Rosaule harte Gefechte gegen rasch zur Düna aus Kowno entsendete Massen und man konnte der nicht erheblichen Maibeute sowie des Besitzes von Libau nicht froh werden, da wir auf dem Marsch nach Mitau wichen und tatsächlich 9

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