Bismarck 04
vier Jahre lang gegen eine Welt von Feinden über alle Begriffe heldenmäßig schlug, gewannen jetzt nicht nur unlautere Elemente die Oberhand, sondern die Nerven auch der Besseren rissen. Das gibt um so mehr zu denken, als Briten und Franzosen nach den furchtbarsten Niederlagen und Verlusten solche moralische Spannkraft behielten, daß das erste Lächeln des Glücks sie zu wildestem Siegeswillen begeisterte. Nicht das deutsche Heer, das erste und beste auf Erden, unterlag, sondern der nationale Michelcharakter. Nicht begreifen, daß es um Sein oder Nichtsein ging, daß das Unheil der Nation auch jeden Einzelnen enterben würde, und sich dabei in lächerlichen Illusionen über den »edlen« Wilson und den Edelmut der Entente wiegen, die ja bloß den bösen Hohenzollern zu Leibe wollte, solche unbändige Dummheit und naive Schlechtigkeit haben allzeit den »unbesieglichen Deutschen«, wie Friedrich der Große sie in einer Ode nennt, das Genick gebrochen. Wie war denn eigentlich die Lage Anfang August gewesen?
II.
Vorläufig ruhten bei 1., 3. A. die Waffen, erst später setzte Foch den Angriff auf 7., 9. A. fort, zunächst griff er die 18. an und die Engländer, sobald ihre Verstärkungen dazu fähig, wandten sich plötzlich gegen die Linke der 2. A. Auf Haighs Anregung wirkten Rawlinson und Debenay zeitlich gemeinsam in 35 Kil. Breite zwischen Ancre und Luce.
Sie trafen hier am 8. Aug. früh bei Moreuil auf 14. b., 225. D., die unter natürlichen und künstlichen Nebelwolken überrumpelt und mit Verlust der meisten Maschinengewehre zersprengt wurden. Die Metzer Garnison Rgt. 4., 8. taten ihre Schuldigkeit, doch überwältigende Feuerwalze trieb sie fort. Der Feind erreichte Rosieres, wo 109., 117. D. ins Wanken gerieten und 5. b. D. über Lihons nur wenig entlastete. Aus dieser Bresche drückten die Angreifer in die Flanke der im Lucetal zwischen Somme und Avre Fechtenden. Hutier nahm daher seine Rechte hinter die Avre zurück, wo der hierher versetzte General Endres mit 121., 204. D. und Alpen K. die Nordflanke stützte, wo man dichte Scharen durch die Pappelallee von Bretonneux heranziehen sah. Südlich der Somm bis Proyart vordringend, hatten die Briten nördlich weniger Erfolg. Dort lehnte sie General Moser mit Ulmer und 107. D. ab, 232. D. hielt sich lange. Zwar brachen in sternenheller Nacht zum 8. bei ihr Australier, bei den Schwaben Kanadier ein, glühendes Morgenrot beleuchtete die Niederlage. Doch die Ulmer faßten sich bei Chivilly, faßten ihre wenigen gesammelten Gewehre so zusammen, daß bis 13. der Einbruch aufhörte. 119. R. westlich Bray deckte die Landsleute in der Gressairemulde mit gewohnter Bravheit, doch auch württ. 54. R. D. wurde gesprengt, nachher die Reste auf 3 Feld. D. verteilt, 247. R. dem nur noch 250 Gew. zählenden 120. I. als 3. Batl. zugeteilt. Nur 25. D. bei Maurepas hielt fest. 18 km zu beiden Seiten der Römerstraße gewann Haigh durch brutale materielle Kampfmittel, Debeney nur 8, nur ungeheure Menge von Tankungeheuern siegte. Der immer in solchen Fällen gebraute »Nebel« lag am Tage nicht vor, der Qualm, in den unsere Tankgeschütze hineinschossen, war gar nicht so dicht, die massenhaft abgeschossenen Sturmwagen zu verschleiern. Doch hat man nicht den Eindruck, als ob den Truppen Schuld anhaftet. Offiziell werden diese altbewährten Truppen bitter getadelt, als seien sie in Panik ausgerissen, in Wahrheit gereicht der gutgeleitete Überfall der engl. Führung zur Ehre, den unglücklichen Süddeutschen nicht zur Schande, die so plötzlichem Feuereinbruch unter drückenden Massen zu Pferd und zu Fuß erlagen, es fehlte nicht an Zügen hoher Aufopferung. 9000 Gef. sind unter solchen Umständen wenig; daß 170 Positionsgeschütze stehen blieben, zeugt wie bei Hochkirch nicht gegen die Truppen. Das Verschulden liegt bei Oberster Heeresleitung, weil sie fürs Reimsabenteuer die Front der 2. A. unpassend verdünnte. Da das Natürlichste war, daß Foch den vorgebauchten Bogen des Sommewinkels abquetschen werde, so trifft die dort Kommandierenden die Verantwortung für sorglose Nachlässigkeit, Ludendorff aber für Mangel an Voraussicht, wo Foch das Manöver vom 18. Juli wiederholen könne. Daß wiederum Divisionsstäbe in ihren rückwärtigen Unterständen abgefangen wurden, war ein Skandal, zweimaliges Hochkirch so dicht hintereinander ein Makel der Führung. Bis 18. wurden hier 8 d. D. kampfunfähig, am 11. mußte auch Rgt. Bayreuth im Frühnebel Lihons
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