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Blutrot wie die Wahrheit

Blutrot wie die Wahrheit

Titel: Blutrot wie die Wahrheit Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: P.B. RYAN
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gestohlen, das wisse er genau, schrie er, aber das stimmte natürlich nicht. Sie riet ihm, es der Polizei zu melden, wenn es ihn so sehr beunruhige, aber da meinte er nur: ‚Das würde dir wohl so passen, was?‘ Er sagte, dass sie natürlich Virginia befragen würden, weil sie uneingeladen auf seinem Ball erschienen sei, und dass sie ihnen dann wohl von sich und Pratt erzählen würde. Virginia bot ihm die Stirn, im wahrsten Sinne des Wortes. Obwohl er noch immer wie wild mit dem Dolch herumfuchtelte, ging sie zu ihm und verwies ihn des Hauses. Sie ließ ihn wissen, dass sie alle ihn betreffenden Eintragungen aus dem Roten Buch drucken und als Flugblätter an jeder Straßenecke Bostons verteilen lassen würde, wenn er bis morgen nicht gezahlt hätte.“
    Da musste Will herzlich lachen. „Das wäre sicher sehr unterhaltsam geworden.“
    Thurston deponierte eine Handvoll welker, raschelnder Blätter auf dem Tisch und zupfte dann an anderer Stelle des Ficus-Hains weiter. „Pratt ist durchgedreht, als er das hörte. Sie würde sein Geld bekommen, wenn er seinen Revolver bekäme, schrie er. Er nannte sie eine … nun, es war eine sehr vulgäre Bezeichnung für eine gewisse Sorte Frau, und eine Diebin noch dazu. Zudem wisse er, dass er nicht der einzige Mann sei, der durch ihre Hintertür schlüpfe, und auch nicht der einzige, den sie auszunehmen versuche, und dass all die Dinge, die sie im Roten Buch über ihn geschrieben habe, doch nur belegten, dass sie eine geborene … na ja, Sie können es sich gewiss denken.“
    â€žKönnen wir“, erwiderte Nell.
    â€žClara war während des Streites auch anwesend“, fuhr Thurston fort. „Und das dürfte das Fass zum Überlaufen gebracht haben. Denn nun fing sie an zu schreien, dass sie endgültig genug habe, dass sie es keinen Tag länger unter Virginias Dach aushalte, dass auch das zusätzliche Geld es nicht wert sei und so weiter. Sie meinte, sie würde noch heute Nacht das Haus verlassen, und Referenzen seien ihr ganz egal. Während sie so schrie, brüllte Pratt unbeirrt weiter und fuchtelte mit dem Dolch. Langsam fing ich dann doch an, mir Sorgen zu machen, dass er damit tatsächlich Schaden anrichten könnte, als auf einmal die Schwester – wie hieß sie noch mal, Vera? – auf ihn zu trat und ganz ruhig zu ihm sagte, es sei nun an der Zeit, nach Hause zu gehen.“
    â€žUnd dann hat er sich beruhigt?“, fragte Will.
    â€žEs war, als hätte man einen Schalter umgelegt. Er war sich wohl wirklich nicht bewusst gewesen, dass die beiden anwesend waren – nicht nur seine Schwester, sondern auch seine Tochter –, und ihn lauthals seine Affäre mit Virginia herausposaunen hörten. Auf einmal wirkte er ziemlich ernüchtert. Vera nahm ihm den Dolch aus der Hand, entschuldigte sich vielmals bei uns für sein Verhalten und geleitete ihn dann aus dem Haus.“
    â€žAber damit war die Angelegenheit ja noch nicht erledigt“, meinte Nell, wusste sie doch von der Drohung am Tag vor dem Mord.
    â€žDoch, zunächst schien sie das zu sein“, erwiderte Thurston und holte einen großen, sehr zweckdienlich aussehenden Zerstäuber aus einem Schrank hervor. Damit ging er zu einem hinter Zweigen verborgenen Waschbecken und ließ Wasser in den Glaskolben laufen. „Er zahlte noch immer nicht, aber es gab eigentlich auch nichts, was Virginia deswegen hätte unternehmen können.“
    â€žAlso doch keine Flugblätter?“, fragte Will belustigt.
    â€žDas war nur ein Bluff.“ Den Glaskolben unter den Arm geklemmt, mit dem er auch den Stock hielt, drückte Thurston den Gummiballon und verteilte einen feinen Sprühnebel über seine Hängepflanzen. „Sie konnte es sich gar nicht leisten, Flugblätter drucken zu lassen. Das wusste Pratt ganz genau. Ein ganzer Monat verging, bevor er wieder, am letzten Tag im Mai, bei ihr auftauchte. Diesmal ohne Verwandtschaft und noch wütender als zuvor.“
    â€žWaren Sie auch an jenem Tag dort?“, fragte Nell.
    â€žIch war eigentlich jeden Abend bei Virginia“, sagte Thurston. „Bis acht Uhr tranken wir unsere nachmittäglichen Cocktails, dann gab es ein leichtes Abendessen und danach noch ein paar Verdauungsschnäpse. Als Pratt auftauchte, war es ungefähr elf. Sein Zorn …“ Thurston schüttelte den Kopf. „So etwas hatte ich

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