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Charlston Girl

Charlston Girl

Titel: Charlston Girl Kostenlos Bücher Online Lesen
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nicht mehr böse?«
    Er schweigt. Fast kann ich sehen, wie der Gedanke sich in ihm herausbildet. Das ist ein annehmbarer Vorschlag. Es kostet mich nichts. Sie sieht ganz vernünftig aus.
    »Okay.« Er steckt seinen iPod weg. »Warum nicht?«
    Ich werfe Sadie einen triumphierenden Blick zu. Sie schüttelt nur den Kopf und zieht ihren Finger über die Kehle. Nun, es ist mir egal, was sie denkt. Ich gehe mit Josh in den nächstbesten Pub, bestelle mir einen Wein und ihm ein Bier und suche uns einen Tisch in der Ecke. Wir heben die Gläser und trinken, und ich knabbere ein paar Chips.
    »Und?« Ich lächle Josh an und halte ihm die Tüte hin.
    »Und...« Er räuspert sich, ist offenbar verlegen. »Wie läuft‘s denn so?«
    »Josh.« Ich stütze meine Ellbogen auf den Tisch und sehe ihn ernst an. »Weißt du was? Lass uns nicht alles analysieren. Gott, ich habe genug von Leuten, die immer alles zu Tode analysieren müssen. Ich habe genug von diesen Gesprächen, bei denen immer alles auseinandergenommen wird. Leb einfach! Genieß das Leben! Denk nicht darüber nach!«
    Josh starrt mich über sein Bier hinweg an, völlig verstört. »Aber du hast doch sonst immer so gern analysiert. Du hast sogar diese Zeitschrift gelesen - Die Analyse.«
    »Ich habe mich verändert.« Ich zucke mit den Schultern. »Ich habe mich in vielerlei Hinsicht verändert, Josh. Ich kaufe nicht mehr so viel Make-up. Mein Badezimmer ist total leer. Ich dachte daran, mehr zu reisen. Nach Nepal vielleicht.«
    Ich meine, mich zu erinnern, wie er Nepal erwähnte, irgendwann mal.
    »Du willst reisen?« Er scheint mir überrascht. »Aber davon hast du nie ein Wort gesagt...«
    »Das ist mir erst in letzter Zeit klar geworden«, sage ich feierlich. »Warum bin ich nicht abenteuerlustiger? Es gibt doch so viel zu sehen. Berge, Städte, die Tempel von Kathmandu...«
    »Ich würde so gern nach Kathmandu«, sagt er. Plötzlich lebt er auf. »Weißt du, ich hab sogar schon überlegt, nächstes Jahr hinzufahren.«
    »Nein!« Ich strahle ihn an. »Das ist ja super!«
    Die folgenden zehn Minuten sprechen wir über Kathmandu. Zumindest Josh spricht über Kathmandu, und ich stimme allem zu, was er sagt, und die Zeit verfliegt nur so. Unsere Wangen sind gerötet, und wir lachen, als er auf seine Uhr blickt. Wir sehen aus wie ein glückliches Paar. Ich weiß es, weil ich uns immer wieder im Spiegel betrachte.
    »Ich sollte lieber los«, sagt Josh plötzlich mit Blick auf seine Uhr. »Ich habe eine Squash-Stunde. Es war schön, dich wiederzusehen, Lara.«
    »Ja, natürlich«, sage ich betroffen. »Fand ich auch.«
    »Danke für den Drink.« Mit leiser Panik sehe ich, wie er seine Notebook-Tasche nimmt. So war das nicht geplant.
    »Es war eine gute Idee, Lara.« Er lächelt, dann beugt er sich herab und küsst mich auf die Wange. »Vergeben und vergessen. Lass uns in Kontakt bleiben.«
    In Kontakt bleiben?
    »Komm, trink noch eins!« Ich gebe mir alle Mühe, nicht allzu verzweifelt zu klingen. »Eins auf die Schnelle!«
    Josh überlegt kurz, dann sieht er wieder auf seine Uhr. »Okay, eins auf die Schnelle. Dasselbe noch mal?« Er geht zum Tresen. Sobald er mich nicht mehr hören kann, zische ich: »Sadie!«, und winke sie vom Barhocker herüber, auf dem sie die ganze Zeit gesessen hat, eingekeilt zwischen zwei Geschäftsleuten mit Bierbäuchen in gestreiften Hemden.
    »Sag ihm, dass er mich liebt!«
    »Aber er liebt dich nicht«, sagt Sadie, als würde sie einem sehr Dummen etwas sehr Einfaches erklären.
    »Tut er! Tut er wirklich! Er hat nur Angst, es zuzugeben, sogar sich selbst gegenüber. Aber du hast uns doch gesehen. Wir sind doch eben toll miteinander ausgekommen. Wenn er nur noch ein bisschen weiter in die richtige Richtung geschoben werden könnte... bitte... bitte...« Flehend sehe ich sie an. »Nach allem, was ich für dich getan habe... bitte...«
    Sadie seufzt resignierend. »Na gut.«
    Eine Nanosekunde später ist sie an Joshs Seite und schreit ihm ins Ohr: »Du liebst Lara immer noch! Du hast einen Fehler gemacht! Du liebst Lara immer noch!«
    Ich kann sehen, wie er erstarrt und den Kopf schüttelt, um den Lärm loszuwerden. Ein paar Mal wischt er sich übers Ohr, atmet schwer und reibt an seinem Gesicht herum. Schließlich sehe ich, wie er sich umdreht und mich anstarrt. Er sieht dermaßen umnebelt aus, dass ich am liebsten lachen würde, wenn ich nicht so nervös wäre.
    »Du liebst Lara immer noch! Du liebst Lara immer noch!«
    Als Josh die Drinks

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