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Clancy, Tom

Clancy, Tom

Titel: Clancy, Tom Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Dead or Alive
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Insgesamt fanden sich neun dieser
Punktmarkierungen auf dem Stadtplan, jeweils entweder drei oder vier Stück.
    »Hat jemand
ein Messer?«, fragte Mary Pat. Turnbull gab ihr ein Taschenmesser, und sie
durchtrennte das Klebeband auf allen vier Seiten und drehte den Stadtplan um.
»Da haben wir's ja ...«, murmelte sie.
    In der
rechten oberen Ecke stand auf einer Fläche von kaum einem Quadratzentimeter ein
aufwärts weisender Pfeil neben drei Punkten und ein abwärts weisender neben
vier Punkten.
    »Die
Zeichenerklärung«, flüsterte Margolin.
     
     
    Es begann im Justizministerium. First
Sergeant Driscolls schriftlicher Bericht über den Einsatz in der Höhle im
Hindukusch war vom Pentagon weitergeleitet worden. Der Bericht — lediglich drei
Seiten lang und in schlichtem Stil verfasst - führte aus, was Driscoll und
seine Männer getan hatten. Was den Juristen, der den Bericht prüfte, aufmerksam
machte, war die Zahl der Toten. Driscoll berichtete, er habe neun afghanische
Kämpfer getötet, vier davon mit aufgesetzten Schüssen aus einer
schallgedämpften Pistole. Alles direkte Kopfschüsse, wie der Anwalt schaudernd
las. Das kam von allem, was er je gelesen hatte, dem Geständnis eines
kaltblütigen Mörders am nächsten. Er hatte schon viele Geständnisse gelesen,
aber noch nie ein so unverblümtes. Dieser Driscoll musste doch Regeln oder
Gesetze verletzt haben, dachte der Anwalt. Es war kein offenes Gefecht gewesen,
noch nicht einmal ein Scharfschützeneinsatz, bei dem man Feinde auf hundert
Meter Entfernung erschoss, sowie sie ihren Kopf aus der Deckung hoben, sondern
Driscoll hatte die »bösen Jungs« (so nannte er sie) im Schlaf umgebracht. Im
Schlaf. Völlig harmlos, dachte der Anwalt, und er hat sie ohne Zögern umgebracht
und berichtet das so einfach, als habe er in seinem Vorgarten den Rasen
gemäht.
    Das war
empörend. Er war völlig überraschend auf diese Männer gestoßen. Sie waren
wehrlos gewesen. Sie hatten nicht einmal gewusst, dass ihr Leben in Gefahr war,
und dieser Driscoll hatte seine Pistole gezogen und sie alle abgeknallt wie ein
Kind, das Insekten zertritt. Nur waren es keine Insekten gewesen, sondern
menschliche Wesen. Nach dem Völkerrecht hätte er sie gefangen nehmen und als
von der Genfer Konvention geschützte Kriegsgefangene behandeln müssen. Aber
Driscoll hatte sie gnadenlos getötet. Schlimmer noch, der Dummkopf schien nicht
einmal überlegt zu haben, ob die Männer, die er umbrachte, als
Informationsquelle getaugt hätten. Er hatte anscheinend völlig willkürlich
entschieden, dass diese neun Männer wertlos waren, sowohl als Menschen wie als
Quellen.
    Der Anwalt
war noch jung, unter dreißig. Er hatte in Yale als Jahrgangsbester abgeschlossen
und danach ein Angebot aus Washington angenommen. Fast hätte er eine Stelle als
Assistent am Obersten Gericht bekommen, aber die hatte ihm ein Hinterwäldler
von der University of Michigan weggeschnappt. Er hätte sie allerdings sowieso
nicht gewollt, wovon er inzwischen überzeugt war. Der neue Oberste
Gerichtshof, wie er jetzt seit etwa fünf Jahren bestand, war aus lauter
konservativen »strengen Konstruktionisten« zusammengesetzt,
Rechtspositivisten, die den Buchstaben des Gesetzes anbeteten wie Zeus
persönlich. Wie die Southern Baptists auf ihren Kanzeln auf dem Lande oder
sonntagmorgens im Fernsehen, wo er sie nur sekundenweise mitbekam, wenn er von
einer Talkshow zur nächsten zappte.
    Verdammt.
    Er las den
Bericht noch einmal und war abermals schockiert von den harten Fakten, die hier
in der Sprache eines Drittklässlers wiedergegeben wurden. Ein Soldat der Army
der Vereinigten Staaten hatte ohne Gnade und ohne Beachtung des Völkerrechts
getötet. Dann hatte er einen Bericht darüber geschrieben, der das in dürren
Worten schilderte.
    Den
Bericht hatte ein Studienfreund aus dem Verteidigungsministerium an ihn
weitergeleitet. Im Begleitschreiben hieß es, niemand im Pentagon habe
besondere Notiz davon genommen, aber er — der andere Anwalt - finde ihn
empörend. Der neue Verteidigungsminister war in den Bann der aufgeblähten
Bürokratie auf dem anderen Ufer des Potomac geraten. Er war eigentlich selbst
Jurist, hatte aber zu viel Zeit mit diesen Uniformträgern verbracht. Dieser
verdammte Bericht hatte ihn nicht aufgeschreckt, und das trotz der Direktiven
des amtierenden Präsidenten zum Einsatz von Gewalt, selbst auf dem
Schlachtfeld.
    Nun, er
würde sich darum kümmern, beschloss der Anwalt. Er schrieb eine

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