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Coaching - Eine Einfuehrung fuer Praxis und Ausbildung

Titel: Coaching - Eine Einfuehrung fuer Praxis und Ausbildung Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Astrid Schreyoegg
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ist. Durch diese Kategorien wird nämlich unbemerkt suggeriert, dass sprachliche Kommunikation
     mit einfachen Reiz-Reaktions-Schemata zu erklären wäre: Ein Sender sendet eine Botschaft, die dann als Reiz den Empfänger
     zu bestimmten Reaktionen veranlasst. Das Charakteristikum von Interaktionen besteht aber gerade darin, dass Sender und Empfänger
     jeweils als Einheit zu sehen sind, die beide gleichermaßen als Reizgeber und als Reagierende fungieren. Anders formuliert:
     Im Verlauf von Gesprächen steuern sich Partner auf bestimmte interaktive Muster ein, die dann als gemeinschaftlich produzierte
     Phänomene zu werten sind (
Mead
1973). Und gerade dieses »Gemeinschaftliche« von Gesprächen sollte ein Coach sorgsam beachten und in Teilen analysieren können,
     denn es gibt ihm Hinweise auf seine eigene Beteiligung am Gesprächsverlauf und vor allem darauf, wie er selbst die Interaktion
     mit Klienten positiv oder weniger positiv mitgestaltet.
    Zur Erhellung solcher Phänomene bieten sich diagnostische Zugänge aus psychotherapeutischen Verfahren an, weil es hier immer
     um hoch komplexe Interaktionsphänomene geht, die regelmäßig einer sorgfältigen Analyse bedürfen. Von diesen analytischen Zugängen
     möchte ich hier diejenigen verhandeln, die auch für Coaching-Gespräche immer wieder relevant sind. Das sind solche aus der
     Psychoanalyse, aus der Transaktionalanalyse und aus der Kommunikationstherapie.
    Das psychoanalytische Verständnis von Interaktionen
    Die Psychoanalyse postuliert, dass im Verlauf von Kommunikationsakten bei beiden Interaktionspartnern
unbewusste Reaktionsbereitschaften
mobilisiert werden. Sie resultieren aus bisherigen Beziehungserfahrungen, die zum Teil weit zurückliegen. Diese Beziehungserfahrungen
     bilden dann die Folie, auf der das aktuelle Gegenüber wahrgenommen und dementsprechend auch angesprochen wird.
     
    Die junge Frau aus dem Männermilieu entwickelte schon zu Beginn unserer gemeinsamen Arbeit ein vertrauensvolles Verhältnis
     zu mir als älterer Frau, weil |233| sie durch die Beziehung zu ihrer älteren Schwester gelernt hatte, älteren Frauen zu vertrauen.
     
    Bei diesem in der Psychoanalyse als
»Übertragung«
bezeichneten Phänomen handelt es sich also im Prinzip um eine Verwechslung von aktuellen Beziehungspartnern mit früheren.
     Dadurch erhält das Gegenüber eine je spezifische Rollenzuweisung
(Richter
1969), die es nun annehmen kann oder nicht. Wenn es diese Rollenzuweisung annimmt, bezeichnet man das als
»Gegenübertragung«
(vgl.
Beckmann
1978). Die Verschränkung von Übertragung und Gegenübertragung kann sich nun als günstig, aber auch als ungünstig erweisen.
     
    Wenn z. B. die Beziehung der jungen Frau zu ihrer älteren Schwester durch starke Ambivalenzen im Sinne von Anlehnungswünschen
     einerseits und gegenseitigem Misstrauen andererseits eingefärbt wäre, würde sie auch gegenüber einer Beraterin eine zumindest
     versteckte Wachsamkeit zum Ausdruck bringen, die dann z. B. aufseiten der Beraterin einen Bewährungsdruck erzeugen kann, sich
     ständig als vertrauenswürdig auszuweisen. Der Gesprächsfluss geriete durch diese Phänomene immer wieder ins Stocken.
     
    So ist jedem Coach zu raten, seine eigenen inneren Bereitschaften gegenüber einem Klienten zu überprüfen und sie nicht einfach
     unreflektiert auszuagieren. In Fällen, wo das Gespräch ernstlich ins Stocken gerät, sollte er immer an die Möglichkeit negativer
     oder zumindest ambivalent eingefärbter Übertragungs- bzw. Gegenübertragungsphänomene denken und sie metakommunikativ aufzuklären
     suchen. Er sollte aber gleichzeitig überprüfen, inwiefern Klienten eine vergleichbare Interaktionsdynamik in ihrem beruflichen
     Alltag »inszenieren«.
    Das transaktionalanalytische Verständnis von Interaktionen
    Transaktionalanalytische Diagnosemuster wurden in den letzten Jahrzehnten durch vielfältige Publikationen und Fortbildungsveranstaltungen
     sattsam bekannt (vgl.
Berne
1967 u. a.). Deshalb will ich hier nur einige im Coaching immer wieder auftretende Phänomene zur Erhellung von Interaktionen
     beleuchten. Das betrifft »komplementäre Gesprächsstrukturen«, »Kreuzungen« und »Spiele«.
Berne
(ebd.) postuliert, dass Kommunikationsakte von Menschen durch drei je unterschiedliche Seinsebenen bestimmt sein können: durch
     eine sachliche, eine kindhafte und eine elternorientierte.
     
    |234| Je nach ihrer aktuell im Vordergrund stehenden Seinsebene würde die junge

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