Coaching - Eine Einfuehrung fuer Praxis und Ausbildung
um einen Interaktionszusammenhang, in dem sich der Coach vom Klienten zu sehr abhängig macht
bzw. wo er die Fortentwicklung des Klienten zu seinem eigenen existenziellen Anliegen erklärt.
Berne
schlägt Beratern in derartigen Fällen vor, sich selbst und dem Klienten gegenüber einzugestehen, dass er keine durchschlagende
Hilfestellung geben kann. Wenn er das artikuliert, wird der Klient auf seine Selbstverantwortung zurückgeworfen und muss die
Beratungsinteraktion mit neuem Sinn zu füllen suchen.
Im Beispiel der jungen Trainerin würde ein »Warum-nicht-ja-aber«-Spiel folgendermaßen aussehen: Die Beraterin breitet der
Klientin verschiedene Möglichkeiten |236| zur Abhilfe aus, und diese meint jedes Mal nachdenklich: »Ja, das wäre gut, aber ob die Männer mich überhaupt anhören, ist
sehr fraglich«, oder: »Ob die sich das überhaupt sagen lassen«, oder: »Am Ende wird vielleicht alles noch viel schlimmer als
vorher.«
In diesem Fall wäre ebenfalls zu prüfen, ob die Klientin derartige Dynamiken auch an ihrem Arbeitsplatz einfädelt und die
beschriebene Problematik vielleicht sogar auf vergleichbaren Spielen beruht.
Das kommunikationstherapeutische Verständnis von Interaktionen
Spiele führen uns schon zu Phänomenen, wie sie häufig von Kommunikationstherapeuten verhandelt werden (z. B.
Haley
1963;
Minuchin
et al. 1978).
Haley
etwa betont, dass in professionellen Gesprächssituationen die Führung immer in der Hand von Professionellen bleiben muss.
Wenn sich Berater vom Klienten eine Interaktionsdynamik aufzwingen lassen, ergibt die Beratung keinerlei Effekte mehr. In
solchen Fällen agiert der Klient nur noch Haltungen aus, die er voraussichtlich auch in seinem sonstigen Leben produziert.
Derartige Phänomene äußern sich nun allerdings selten durch offensichtliche Dominanz von Klienten. Sie realisieren sich viel
häufiger durch eine demonstrativ zur Schau getragene Schwäche, auf die der professionelle Gesprächspartner mit immerwährender
Geduld und Hilfsbereitschaft eingeht.
In unserem Beispiel mit der jungen Frau könnte sich ihre Dominanz etwa in der Weise äußern, dass sie immer wieder verzagt
über die erlebten Zumutungen und ihre Hilflosigkeit, ihnen entgegenzutreten, berichtet. Wenn sich nun die Beraterin in der
Rolle der tröstenden und stützenden Solidarpartnerin dauerhaft gefällt, wird sie von der Klientin »ausmanövriert«, d. h. die
Beraterin verliert jede Initiative, die berufliche Situation der Klienten neu gestalten zu helfen.
Die Empfehlungen von Kommunikationstherapeuten zur Veränderung solcher Dynamiken wirken allerdings oft wenig human. Sie raten
nämlich meistens zu durchkreuzenden
Paradoxien
, die grundsätzlich nicht geeignet sind, die Selbstgestaltungspotenziale von Menschen zu fördern. Im Sinne des hier unterlegten
Coaching-Ansatzes sollte ein Coach offen und ehrlich seinen Eindruck mitteilen und den Klienten um Auseinandersetzung über
die aktuelle Gesprächsdynamik bitten.
In dem soeben beschriebenen Beispiel könnte die Beraterin sagen: »Mir fällt auf, dass Sie sich immer wieder als sehr hilflos
definieren und mich immer wieder zum |237| Trösten und Beschützen veranlassen wollen. Ich glaube nicht, dass das auf Dauer für Sie hilfreich ist. Ich möchte Ihnen vorschlagen,
dass wir einmal grundsätzlicher über unsere Interaktion sprechen.«
So ein Gespräch könnte den Auftakt für einen Verselbstständigungsschub aufseiten der Klientin markieren.
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4. Das professionelle Handwerkszeug des Coach in Gesprächen
Gespräche professionell zu gestalten erfordert nicht nur subtile analytische Zugänge. Hier bedarf es auch eines gewissen Handwerkszeugs,
damit das, was der Klient zunächst eher ins Unreine spricht, zu seiner Fortentwicklung dienlich wird. Professionelle müssen
dabei einen »komplizierten Transformationsakt« (
Comelli
1985, S. 205) leisten, der zwar planmäßig, aber nie technisch im eigentlichen Sinne erfolgen darf. Als für Gespräche dienliches
Handwerkszeug wird im Allgemeinen Folgendes betrachtet: Feedback geben, Varianten des Zuhörens, Fragen stellen und eigene
Statements abgeben.
4.1 Feedback geben
Unter »Feedback« versteht man Rückmeldung an einen Gesprächspartner. Es stellt eine grundlegende Basis jeden Gesprächs zwischen
Menschen dar, d. h. es besteht in Äußerungen des Empfängers auf Botschaften des Senders. So enthalten auch
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