Con molto sentimento (German Edition)
Claude mit Sicherheit so einiges über die Uhren erzählen können. Alexis hatte bekannterweise ein Faible für teure Armbanduhren.
Nichtsdestotrotz hatte sich Claude die Exponate eben angesehen, aus reiner Neugier, und da war ihm dieser Juwelier über den Weg gelaufen. Eigentlich hätte er auf das Angebot eingehen und mit dem Kerl noch eine Nummer schieben können. Aber Claude war heute nicht danach. Nein, eigentlich war ihm nach Stéphanes Abreise nicht mehr nach solchen One-Night-Stands. Er wollte ja seriöser und erwachsener, verantwortungsbewusster werden, so wie Federico. Gott, Federico würde lauthals auflachen, wenn er wüsste, was für Gedanken Claude umtrieben, der würde ihn wahrscheinlich fragen, ob er noch geistig ganz klar wäre.
Claude warf einen Blick auf den ausgehängten Fahrplan der Busse und richtete sich seufzend auf eine viertelstündige Wartezeit ein. Zum Glück war es Sommer und es regnete nicht. Einen Unterstand suchte man hier nämlich vergebens.
Auf der gegenüberliegenden Straßenseite hatte sich eine Gruppe Jugendlicher zusammengefunden, die sich einen Spaß daraus machten mit ihren Bierdosen ein Zielwerfen auf das nächstbeste Verkehrsschild zu veranstalten.
Claude rümpfte die Nase als ihm einige der derben Flüche und Ausdrücke ans Ohr drangen. Wahrscheinlich waren die Jungs auch noch betrunken. Solchen Gruppen ging man am besten aus dem Weg. Überhaupt sahen sie aus wie Hooligans, ganz so wie man es aus den Nachrichten im Fernsehen kannte. Wahrscheinlich waren sie auf einem Fußballspiel gewesen und mit einem der Züge am Bahnhof angekommen. War dann noch Alkohol im Spiel waren alle Hemmungen vergessen und schon das kleinste Ärgernis könnte die Situation zum Eskalieren bringen.
Claude kannte das Phänomen aus einem ganz anderen Kontext. In den Schwulenbars war es ja im Grunde genau das Gleiche. Leute von denen er nie erwartet hätte, dass sie die Darkrooms frequentierten, standen dort nach ein paar Drinks in den schummrig erleuchteten Räumen und ließen sich nach allen Regeln der Kunst den Ast polieren. Oder noch besser: Ausgesprochen männliche Typen, die sonst immer den Part des Top übernahmen, ließen sich von alles und jedem durchnehmen. Okay, das war schon extrem, aber Claude hatte es bereits erlebt.
Claude ignorierte die Bande auf der anderen Straßenseite und vertiefte sich in die Betrachtung der Reklame. War es Absicht, das die Models für Herrenparfums immer solch einen schmachtenden Gesichtsausdruck zur Schau trugen? Welchen Heteromann animierte dies schon zum Kauf? Ah, nein. Die Frauen kauften ja wohl in der Regel die Parfums. Okay, dann ging die Werbestrategie wohl auf.
Doch das blecherne Scheppern, sobald eine Bierdose das Metall des Schilds getroffen hatte und das darauffolgende Grölen, ging ihm so langsam aber sicher auf die Nerven. Beiläufig fiel ihm auf, dass drei junge Frauen, eigentlich waren es noch Teenager, sich unbewusst in seine Nähe stellten. Ihnen waren die angetrunkenen Männer wohl auch nicht sympathisch.
Gerade unterhielten sich diese Machos lautstark über ihre letzten Eroberungen. Claude schnaubte nur belustigt auf bei diesen Schilderungen. Verstohlen blickten die Mädchen zu ihm hinüber und er lächelte sie an.
»Pff, wers glaubt«, kommentierte er mit einem abschätzigen Wink in Richtung der Jungs. Die Teenies grinsten zurück und kicherten. Fehlte nur noch, dass sie erröteten. Die einfachen Freuden der Jugend.
Claude blickte auf seine Uhr. Noch immer waren es zehn Minuten bis der Bus kommen würde. Er hoffte bloß, dass diese Krawallbrüder nicht auch noch mit seinem Bus fahren wollten. Sie würden dort bestimmt keine Ruhe geben und auf so etwas hatte er nun wahrlich keine Lust mehr.
Gerade waren zwei Männer die Metalltreppen hinabgekommen und steuerten die Haltestelle an. Sie trugen Stoffhosen und ein Jackett, ganz wie Claude. Wahrscheinlich waren sie auch auf der Ausstellung gewesen. Die beiden Typen unterhielten sich angeregt miteinander und blieben am Fuß der Treppe stehen. Sie hatten die Gruppe Hooligans wohl nicht bemerkt und sie gehörten zu genau jener Sorte Schwuler, denen man es auf den ersten Blick ansah: Das übertriebene Gestikulieren mit den Händen, der affektierte Tonfall. Oh, jetzt küssten sie sich sogar noch flüchtig.
Es dauerte keine Minute und schon schallten die ersten schmeichelhaften Aussprüche über die Straße. Die angetrunkenen Typen hatten das
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