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DARKNET

DARKNET

Titel: DARKNET Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Daniel Suarez
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riss ihr das Klebeband vom Mund. Sie schnappte nach Luft und begann sofort zu schluchzen.
    «Wo ist der Major?»
    «Woher soll ich das wissen?» Sie schluchzte weiter.
    «Aber du hast von ihm gehört?»
    Ihre Brust bebte immer noch. «Bitte binden Sie mich los.»
    «Wo hast du von ihm gehört?»
    «Wer sind Sie?»
    «Kann dir egal sein.»
    Sie sah ihn einen Moment unsicher an, sagte dann aber unter Schluchzen: «Ich bin Darknet-Mitglied! Shadowcreek-Fraktion.» Sie weinte jetzt lauter.
    «Quatsch!»
    «Ich kann es beweisen! Sie haben mein Equipment.»
    «Wo?»
    «In einer funkundurchlässigen Tasche. Silbern. Sie muss hier sein. Ich sollte ein Artefakt nach Norden raufbringen.»
    Loki musterte wieder ihren Körper. Wenn sie die Wahrheit sagte, änderte das die Situation. Mit einem Darknet-Mitglied konnte er nicht alles machen. Er beugte sich durch die Badtür, und dort im Zimmer, beim Nachttisch, stand tatsächlich etwas, das wie eine silbrig beschichtete Zelttasche aussah – jetzt allerdings blutgesprenkelt. Er ging hin und kippte sie aus. Plötzlich erschienen ein halbes Dutzend D-Raum-Callouts über diversen elektronischen Gerätschaften – darunter auch eine HUD -Brille.
    Verdammt.
    Er griff sich die HUD -Brille und ging wieder ins Bad. Er warf noch einen Blick auf den schlanken Körper der Frau, nahm ihr dann die Augenbinde ab. Sie war so hübsch, wie er gedacht hatte. Eurasierin.
    Sie sah mit rotgeweinten Augen auf. Schrak vor seiner furchterregenden Erscheinung zurück. Er setzte ihr die Brille auf, und augenblicklich erschien über ihr ein Callout, das sie als
Siren_
3
identifizierte, Level-3-Botin der Shadowcreek-Fraktion.
    Sie starrte ihn an – sah jetzt zweifellos Lokis Callout und seine enorme Macht.
    «Danke, dass Sie mich gerettet haben.»
    «Wie dankbar du bist, wird sich später zeigen. Wir müssen hier weg.»
    «Binden Sie mich los.»
    Auf eine kurze Handbewegung von ihm fuhr aus dem Ärmel seiner Motorradkombi ein rasiermesserscharfer Sporn aus. Er durchtrennte das Nylonseil zuerst an ihren Hand-, dann an ihren Fußgelenken. Sie seufzte und rieb sich die nylonverbrannte Haut.
    «Ich will hier weg. Ich will nach Hause.» Sie sah sich nach einem Handtuch oder sonst etwas um, womit sie ihre Blöße bedecken könnte.
    Loki musterte den Haufen von D-Raum-Objekten auf dem Bett. Eins sprang ihm besonders ins Auge. Er nahm es in die Hand. Es war ein silberner Ring, über dem der Name
Zauberspeichersiegel – Level
21
schwebte.
    Heiliger Strohsack.
«Ist das hier das Objekt, das du transportieren solltest?»
    Sie wollte es offensichtlich nicht sagen.
    «Siren. Solltest du das hier nach Norden bringen?»
    Sie hatte sich jetzt ein Handtuch umgeschlungen und nickte.
    «Das ist sehr mächtig. Wem gehört es?»
    «Es gehörte einem Hexenmeister, der in der Nähe von Denver getötet wurde. Wie es nach Oklahoma gekommen ist, weiß ich nicht. Unsere Fraktion hat es gefunden, und wir wollten es für den Kampf im Mittleren Westen spenden.»
    Loki zog einen Panzerhandschuh aus. «Betrachte es als gespendet.»
    Er steckte sich den Ring auf den Finger. Und verspürte im selben Moment einen stechenden Schmerz. «Au!» Er zog den Ring wieder ab und sah Blut von einem nadelartigen Dorn tropfen.
    Und da begriff er – noch während er zur Tür wankte.
    Sie sah ihn an. «Was ist?»
    Loki bewegte sich in Schlangenlinien wie ein Betrunkener, fluchend und jetzt schon fast auf den Knien.
    «Du kleines Luder!»
    «Was ist denn?»
    «Eine Hohlnadel! Verdammte Fotze!» Loki hob die behandschuhte Hand, und ein greller elektrischer Blitz schoss aus seiner Fingerspitze schnurgerade in Sirens Auge. Kurz stellte sich ihr Haar auf, ehe ihr Kopf in Flammen aufging und sie zu Boden sackte – am ganzen Körper brutzelnd und qualmend.
    Loki krachte auf den blutigen, mit Unrat übersäten Teppichboden und fühlte, wie sein Geist die Verbindung zu seinem Körper verlor. Paralysiert starrte er auf die Stiefelsohle eines toten Söldners. Dahinter sah er die offene Tür des Motelzimmers – und einen Wache stehenden Razorback. Er versuchte ihn herbeizurufen. Ihn zu kontrollieren. Aber er konnte sich nicht rühren. Er fühlte Speichel aus seinem offenen Mund rinnen.
    Irgendwo in der Ferne hörte er dumpfes Knallen – mehrmals nacheinander. Beim letzten Knall barst das Scheinwerfergehäuse von der Front des Razorbacks und flog weg.
    Kurz darauf sah er durch einen zähen Nebel Männer zur Tür des Motelzimmers hereinkommen. Einer beugte

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