Das Geheimnis des Templers - Collector's Pack
entführt?“ Arnaud hob amüsiert eine Braue und grinste wie die meisten der nachfolgenden Kameraden.
„Wie habt ihr das denn geschafft?“ Brian of Locton schaute immer noch zweifelnd auf die beiden grauhaarigen Riesen, die zu einer Rasse gehörten, welche gerne dazu benutzt wurde, um den Heiden Angst einzujagen.
Fabius schnaubte verächtlich, bevor er zu einer Antwort ansetzte. „Es war ganz leicht, indem wir ihnen den Hasen geopfert haben.“
„Kommt!“, befahl Gero, der wie selbstverständlich das Kommando übernahm. „Lasst uns aufbrechen, bevor unsere lombardischen Brüder bemerken, dass wir sie an der Nase herumgeführt haben. Mit etwas Glück und Durchhaltewillen erreichen wir Nikosia vor unseren geprellten Ritterbrüdern.“
Der Marsch zurück zur Ordensburg hatte es wahrlich in sich. Zu Fuß, mit nur zwei Fackeln bestückt, deren Feuer sich immer wieder Sturm, Schnee und auch Regen ergab, kämpften sich Gero und seine Kameraden durch die eiskalte Nacht. Als sie völlig erschöpft und ausgehungert am Abend des folgenden Tages die Ordensburg erreichten, schien es, als habe man sie bereits erwartet. Tatsächlich waren Odo de Saint-Jacques und die blamierten lombardischen Ritterbrüder kurz zuvor in die Ordensburg zurückgekehrt. Als Berittene hatten sie einen längeren Weg in Kauf nehmen müssen, waren aber schneller am Ziel angelangt als die Novizen, die über die gesamte Strecke zu Fuß laufen mussten.
Ihr Lehrmeister begrüßte sie knapp, als sie den Burghof erreichten. Für die angehenden Ritterbrüder war nicht auszumachen, ob er stolz auf sie war oder sich ärgerte.
„Wir sprechen uns später“, raunte er nur und verschwand im Refektorium, wo in Kürze das Vespermahl serviert werden würde.
Der Geruch von frisch gebratenem Ziegenfleisch und warmem Brot waberte durch den Burghof und war für Gero und seine Kameraden beinahe noch schwerer zu ertragen als die geschundenen Füße.
„Ich sterbe vor Hunger“, knurrte Arnaud und sprach damit aus, was alle Novizen dachten. Doch so, wie es aussah, ließ das Abendessen noch auf sich warten.
„Ihr sollt sofort zum Großmeister kommen“, empfing sie stattdessen der wachhabende Kommandant, Yve de Charenne, der in Odo de Saint-Jacques’ Abwesenheit das Kommando über die Verteidigung der Ordensburg übernommen hatte. Der glatzköpfige Templer aus Orléans war Nachfolger von Hugo d’Empures, der sein Büßergewand bereits vor Wochen abgelegt hatte und im Rang degradiert nach Antarados verschifft worden war.
„Was hat das jetzt zu bedeuten?“, flüsterte Fabius, der seinen sorgenvollen Blick auf die hinter ihm stehenden Kameraden richtete.
„Keine Ahnung“, murmelte Gero entnervt. Wie die meisten von ihnen hätte er sich am liebsten erst mal ins Hospital verzogen, um sich dort bei einer heißen Tasse Milch und etwas Brot die geschundenen Füße mit ein paar hilfreichen Salben versorgen zu lassen.
All das musste nun auf später verschoben werden. Nur den Hunden wurde Erbarmen zuteil, indem de Charenne sie von einem Knappen in ihre Zwinger bringen ließ, wo trotz ihres Versagens ein voller Napf mit Fleischresten auf sie wartete.
Der stellvertretende Kommandeur-Leutnant führte Gero und seine Brüder höchstpersönlich zum großzügigen Repräsentationszimmer des Oberhauptes der Templer und ließ sie noch einen Moment lang vor der Tür ausharren, bevor er ihnen mit einem gnädigen Nicken Einlass gewährte.
Drinnen erwartete sie ein wärmendes Feuer, dazu warmes Brot und zwanzig Krüge mit dampfendem Wein, die der Großmeister auf einen Wink hin von der Ordonnanz an seine verblüfften Gäste verteilen ließ.
Jacques des Molay, der so gut wie nie lachte, hob nicht nur seinen Krug, sondern auch seine Mundwinkel, als er ihnen anerkennend zuprostete.
„Lasst es euch schmecken, Brüder. Eure letzte Prüfung hab ihr mit Bravour bestanden“, versicherte er ihnen mit einem anerkennenden Blick. „Eine List anzuwenden ist weitaus besser, als sich einem offenen Kampf zu stellen. Auch wenn ich sagen muss, dass die Kameraden der Gegenseite, ebenso wie ihre tierischen Begleiter, kein leuchtendes Beispiel für den Orden abgegeben haben.“ Er räusperte sich kurz, und bevor er fortfuhr, stellte er seinen Krug auf einem langgezogenen Versammlungstisch ab.
Mit einem Mal war sein Blick wieder ernst. „In der Hoffnung, dass euresgleichen mehr Ehrgeiz an den Tag legt, wenn es um den Kampf gegen die Heiden geht, möchte ich eure Aufnahme in den Orden für
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