Das Haupt der Welt: Historischer Roman (German Edition)
Schritt zu verlangsamen. Fast hatte er Tugomir erreicht, und ein angespanntes, hasserfülltes Lächeln verzerrte sein Gesicht, als ein weißes Flirren über sein Kinn, seinen Mund und seine Nase aufwärts huschte. Tugomir wusste augenblicklich, was es zu bedeuten hatte, und hob die Rechte. Als der Sonnenstrahl, der sich in dem Silberreliquiar auf seiner Brust spiegelte, Bogdan genau in die Augen fiel und ihn blendete, riss der Hüne verwirrt den Kopf zur Seite und geriet ins Straucheln, und ehe er sich gefangen hatte, rammte Tugomir ihm das gesplitterte Stockende in die Kehle.
Mit einem Mal herrschte vollkommene Stille auf dem Kampfplatz. Bogdan brach in die Knie und fiel zur Seite. Fast konnte man meinen, die Erde erzittere unter dem Aufprall. Blut strömte aus der Wunde und sickerte ins Gras, und der Besiegte tastete fahrig mit der Linken, fand das Stockende und versuchte, es aus der Wunde zu ziehen, aber seine Kräfte hatten ihn verlassen. Sein Kopf rollte zur Seite, und ein grausiges Gurgeln drang aus seiner aufgerissenen Kehle. Einen Moment noch glitt sein Blick rastlos über die vordere Reihe der Zuschauer, dann wurde er starr, und Bogdan lag still.
Tugomir sah auf ihn hinab und wandte sich dann zu den Priestern um, die von ihrer Bank aufgesprungen waren.
Tuglo und Draschko tauschten entsetzte Blicke. Aber Godemir war die Ruhe selbst. Er trat zwei Schritte auf Tugomir zu und verneigte sich vor ihm. »Die Götter haben ihren Willen offenbart, Fürst, und sie waren wieder mit dir. Zum zweiten Mal seit dem letzten Neumond. Sie müssen dich wahrhaftig lieben.«
Tugomir war zu atemlos, um zu antworten. Er blutete am Kopf, alles tat ihm weh, und er wusste, morgen würde sein Körper von Bogdans Stockhieben in allen Farben des Regenbogens leuchten. Doch all das war bedeutungslos. Er stützte die Hände auf die Oberschenkel und stellte bei der Gelegenheit fest, dass die Linke blutige Abdrücke hinterließ. Während Widukind, Semela, Slawomir und einige andere ihn umringten und beglückwünschten und ihrer Erleichterung über den Ausgang des Kampfes Ausdruck verliehen, blickte Tugomir auf das Reliquiar hinab, das genau vor seinen Augen sacht pendelte. Hab Dank, heiliger Vitus. Ich schätze, ich schulde dir eine Kirche …
Magdeburg, August 939
Otto nahm den Spangenhelm ab und reichte ihn Konrad von Minden. »Jemand soll mir einen Eimer Wasser bringen. Je kühler, desto besser.« Er streifte die Handschuhe ab und fuhr sich mit der Rechten durch den verschwitzten Schopf. Es war ein mörderisch heißer Tag.
»Sofort, mein König. Soll ich Euch aus der Rüstung helfen?«
Der König blickte an sich hinab. Sein Kettenhemd war blutbesudelt und staubig. Kein schöner Anblick. »Du hast recht. So sollte ich der Königin lieber nicht unter die Augen treten.« Er löste den Schwertgürtel, reichte das Gehenk an Hatto und streckte die Arme über den Kopf.
Konrad zog ihm den Ringelpanzer aus. Ein himmlisches Gefühl, das Gewicht von den Schultern zu haben, fuhr es Otto durch den Sinn. Nur schade, dass er die Rückschläge und die Düsternis der letzten Wochen nicht auch einfach so abstreifen konnte …
Wachen, Diener und Stallknechte waren herbeigeströmt, um den König und sein Gefolge in der Pfalz willkommen zu heißen und ihre Pferde in Empfang zu nehmen.
»Konrad, geh zu meinem Bruder in die Kanzlei. Sag ihm, ich erwarte ihn und meine übrigen Ratgeber in einer Stunde in der Halle.«
Der junge Edelmann verneigte sich schweigend, drückte die Rüstung des Königs einem bereitstehenden Diener in die Hände und eilte davon.
»Hatto, dein Vetter liegt auf dem dritten Wagen. Kümmere dich um ihn.«
»Udo?«, fragte der Wachsoldat erschrocken.
Der König nickte. »Er hat vor den Toren von Breisach einen Bienenkorb auf den Kopf bekommen. Sie haben ihn ziemlich schlimm zugerichtet, fürchte ich. Er war fast zwei Tage bewusstlos.«
Hatto hatte die Augen weit aufgerissen und bekreuzigte sich. »Kommt er durch?«
Der König hob die Schultern. »Ich hoffe es.«
»Wir hätten den slawischen Prinzen nicht heimschicken sollen«, brummte Hatto. »Hier wird er schmerzlich vermisst, und drüben bei den verfluchten Heiden richtet er nichts aus. Vermutlich macht er gemeinsame Sache mit ihnen.«
Otto wandte sich ab. »Du kannst nach meinem neuen Leibarzt schicken, wenn es nötig ist, er heißt Vater Dietrich. Und wenn ich deine Meinung über Fürst Tugomir hören will, Hatto, werde ich danach fragen.«
Der Wachsoldat sah ihn
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