Das Haupt der Welt: Historischer Roman (German Edition)
landete im Gras, wo Tugomir gerade noch gestanden hatte. Der Fürst war rechtzeitig nach links geglitten, und ehe Bogdan zum zweiten Schlag ausholen konnte, verpasste Tugomir ihm mit dem einen Stockende einen Hieb auf den Oberarm, der mit einem satten Klatschen auftraf, und erwischte mit dem anderen nur einen Lidschlag später die Finger der rechten Pranke.
Bogdan jaulte auf, nahm die Hand von seiner Waffe und führte sie unwillkürlich zum Mund. Damit gab er seine Deckung auf, was ihm einen mörderischen Schlag auf den Kopf eintrug. Einen geringeren Mann hätte das in die Knie gezwungen, aber Bogdan hatte schon wieder beide Hände am Stock und ging zum Gegenangriff über. Tugomirs Schnelligkeit hatte ihn überrascht, aber er brauchte nicht lange, um sich darauf einzustellen. Tugomir riss seinen Stock nach oben, um seinen Kopf zu schützen, und bekam zur Belohnung einen Schlag vors Knie, ehe die Eschenprügel sich mit dem dumpfen Laut von Holz auf Holz kreuzten, zweimal, dreimal, immer schneller.
Die Kontrahenten umkreisten einander, brachen niemals den Blickkontakt, weil jeder den nächsten Hieb des anderen vorhersehen wollte, landeten Treffer auf Armen und Beinen, aber nicht auf Kopf oder Rumpf, weil sie ebenbürtig waren.
Wieder schlugen die Waffen aufeinander, Tugomirs Hände enger zusammen und zwischen Bogdans, der mit einem Mal die Linke von seinem Stock nahm und ihn wie ein Schwert führte. Ohne jede erkennbare Ausholbewegung ließ er den Eschenprügel seitlich gegen Tugomirs Kopf krachen. Tugomir stürzte zu Boden. Sein Kopf fühlte sich an, als sei er in tausend Scherben zerbrochen wie ein Tonkrug, Blut lief über sein Ohr, aber er war nicht zu benommen, um sich nach links zu werfen und zweimal zu rollen. So entging er dem niederfahrenden Hieb, der ihm den Schädel hatte zertrümmern sollen, aber er steckte in allergrößten Schwierigkeiten.
Er rollte in die andere Richtung, bekam einen Schlag ins Kreuz, schaffte es aber dennoch irgendwie, aus der Rollbewegung auf die Knie und wieder auf die Füße zu kommen.
Bogdan stand nur einen halben Schritt vor ihm und wollte ihm den Stock in die Weichteile rammen, aber Tugomir lenkte ihn mit seiner eigenen Waffe nach links ab, zog dann mit aller Macht nach rechts und traf Bogdan mit dem Stockende genau aufs Ohr. Der getroffene Koloss grunzte und verlor für einen Moment das Gleichgewicht, was Tugomir Gelegenheit zu einem zweiten Treffer auf den Kopf gab. Bogdan wich gerade noch rechtzeitig zur Seite, aber es reichte für eine Platzwunde in der Scheitelgegend, und Blut rann ihm in die Augen. Blind torkelte Bogdan über den Kampfplatz, und Tugomir nutzte seine Chance und prügelte erbarmungslos auf ihn ein. Doch sein Gegner hörte, was er nicht sehen konnte, und verteidigte sich meisterlich. Dann sprang Radomir beherzt zwischen die Kämpfenden und schüttete seinem Vetter einen Eimer Wasser über den Kopf, sodass Bogdan wieder Sicht hatte.
Und jetzt ist er wirklich wütend , erkannte Tugomir.
Es gab eine saubere und eine hässliche Weise, einen Stockkampf auf Leben und Tod zu entscheiden. Man konnte versuchen, seinem Gegner mit einem gut platzierten Streich Schädel oder Genick zu brechen. Oder man verlegte sich darauf, ihm Arme und Beine zu brechen, bis er hilflos am Boden lag, um ihn dann langsam und in aller Ruhe totzuprügeln. Das war es, was Bogdan nun im Sinn hatte, aber je länger der Kampf sich hinzog, umso leichter fiel es Tugomir, sich zu verteidigen. Bogdan wurde langsamer. Nur ein klein wenig, nicht so, dass die Zuschauer es merken konnten, aber Tugomir frohlockte. Er wird müde!
Und dann geschah die Katastrophe. Bogdan landete einen krachenden Hieb auf Tugomirs Stock und brach ihn mitten durch.
Die Zuschauer raunten, hier und da zog jemand scharf die Luft ein.
Tugomir wich zurück und hob die beiden Stockhälften mit den gefährlichen, gesplitterten Enden, aber er wusste, sein Kampf war verloren. Bogdan hatte jetzt doppelt so viel Reichweite wie er, und er würde diesen Vorteil nutzen.
Mit Mordgier in den Augen rannte er auf Tugomir zu, seine Waffe quer vor dem eigenen Körper und leicht über die linke Schulter gehoben, um mit dem ganzen Schwung seines Anlaufs einen Hieb zu landen, den Tugomir nicht abwehren konnte.
Tugomir stand still wie ein Baum. Er konnte nicht weiter zurück, denn er hatte die Wand aus Zuschauern fast erreicht. Gott beschütze dich, Alveradis , dachte er und warf das linke Stockende. Bogdan wich ihm aus, ohne seinen
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