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Das Haus der Donna: Roman (German Edition)

Das Haus der Donna: Roman (German Edition)

Titel: Das Haus der Donna: Roman (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Nora Roberts
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Graziöse Frauen im Art-deco-Stil, den er wohl sehr schätzte, hielten Lampenschirme, die gedämpftes Licht abgaben. Ein großer Sessel in dem gleichen Mondscheingrau wie die Decke stand einladend vor dem riesigen Kamin aus rosagesprenkeltem Marmor. Neben dem großen Fenster befanden sich in Kübeln prächtige Zitronenbäume, und die Vorhänge waren zurückgezogen, um das Sonnenlicht hereinzulassen.
    Die Kommode war Duncan Phyfe, und neben einer Bronzeskulptur des persischen Gottes Mithras lagen Kleingeld, entwertete Tickets, ein Streichholzbriefchen und andere Dinge aus der Hosentasche eines Mannes.
    Miranda war versucht, in seinen Schrank zu blicken und die Schubladen aufzuziehen, ließ es aber. Am Ende kam er noch herein, wenn sie gerade dabei war, und erhielt den Eindruck, sie sei an ihm interessiert.
    Es gab noch ein drittes Zimmer, offensichtlich das Arbeitszimmer eines Mannes, der sich die besten Geräte für seine Arbeit zu Hause leisten konnte. Zwei Computer, beide mit Laserdruckern, ein Fax und ein Kopierer, ein Telefon mit zwei Leitungen, Aktenschränke aus Eiche. In soliden Eichenregalen standen Bücher, Kleinigkeiten und Dutzende von gerahmten Photographien seiner Familie.
    Die Kinder waren bestimmt seine Nichten und Neffen. Hübsche Gesichter. Die Frau mit dem heiteren Madonnenlächeln, die ein Baby auf dem Arm hielt, mußte seine Schwester Bridget sein, der schlanke junge Mann mit den Boldari-Augen
war bestimmt Michael, und die Frau, um die er den Arm gelegt hatte, seine Frau. Miranda erinnerte sich wieder, daß sie in Kalifornien lebten.
    Es gab einen Schnappschuß von Ryan mit Colleen, auf dem sie beide in die Kamera grinsten, und ein Gruppenbild von der ganzen Familie, das offenbar in der Zeit um Weihnachten aufgenommen worden war. Hinter den vielen Gesichtern leuchteten verschwommen die Kerzen des Weihnachtsbaums.
    Sie sehen glücklich aus, dachte Miranda. So eins miteinander und nicht so steif, wie andere Leute manchmal auf Photos wirkten. Nachdenklich studierte sie ein weiteres Photo von Ryan, auf dem er seiner Schwester die Hand küßte. Sie trug ein traumhaft schönes Hochzeitskleid und strahlte ihn an.
    Neid stieg in ihr auf. Bei ihr zu Hause gab es keine sentimentalen Familienphotos.
    Am liebsten wäre sie in eines dieser Bilder hineingeschlüpft, hätte sich in einen dieser liebevollen Arme gekuschelt und das gleiche empfunden, was sie empfanden.
    Liebe.
    Dann verdrängte sie den Gedanken und wandte sich entschlossen von den Regalen ab. Jetzt war nicht die Zeit, um darüber zu spekulieren, warum die Familie Boldari so warmherzig war und ihre eigene so kalt. Sie mußte Ryan finden und ihm die Meinung sagen, solange ihr Ärger noch frisch war.
    Miranda lief die Treppe hinunter und biß sich auf die Zunge, um nicht seinen Namen zu rufen. Diese Genugtuung wollte sie ihm nicht geben. Im Wohnzimmer war er nicht, und auch nicht in dem Zimmer mit dem großen Fernseher, der komfortablen Stereoanlage und dem Spielautomaten, der den passenden Titel »Polizisten und Räuber« trug.
    Er fand das wahrscheinlich witzig.
    Auch in der Küche war er nicht. Aber auf der Warmhalteplatte stand eine halbvolle Kaffeekanne.
    Er war überhaupt nicht in der Wohnung.
    Miranda nahm den Telefonhörer ab, weil sie auf einmal die wilde Idee durchzuckte, Andrew anzurufen und ihm alles zu erzählen. Es kam kein Freizeichen. Heftig fluchend stürzte
sie zurück ins Wohnzimmer und drückte den Aufzugknopf. Er gab kein Geräusch von sich. Und auch die Tür war verschlossen.
    Mit zusammengekniffenen Augen schaltete sie die Gegensprechanlage ein, hörte aber nur Rauschen.
    Dieser Bastard hatte zwar ihr Schlafzimmer aufgeschlossen, dadurch jedoch lediglich die Ausmaße ihres Käfigs vergrößert.
     
    Es war schon nach ein Uhr, als sie endlich das ruhige Summen des Aufzugs hörte. Miranda hatte den Morgen nicht vertrödelt, sondern die Gelegenheit genutzt, um jeden Quadratzentimeter seiner Wohnung zu durchsuchen. Sie hatte ohne jedes Schuldgefühl seinen Schrank durchwühlt. Er bevorzugte eindeutig italienische Designer. Sie hatte alle Schubladen aufgezogen. Ryan trug gern sexy Boxershorts aus Seide und Hemden und Pullover aus Naturfasern.
    Die Schreibtische – im Schlafzimmer, in der Bibliothek und im Arbeitszimmer – waren ärgerlicherweise alle verschlossen. Sie hatte ziemlich viel Zeit mit dem Versuch verschwendet, die Schlösser mit Hilfe von Haarnadeln aufzubekommen. Da ihr die erforderlichen Paßwörter fehlten, hatte

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