Das Isaac-Quartett
von einer Beerdigung, Herbert?«
»Der große Isaac hat mir einen Strich durch die Rechnung gemacht. Vorläufig ist nichts mit Pommes frites, Odile. Mein Magen spielt nicht mit. Können wir uns im Park treffen?«
»Heute nicht. Tu mir einen Gefallen, Herbert. Geh ins Frühstückszimmer. Frag nach dem Filmproduzenten Wiatt. Sag ihm, Abisag sei nach Hause gegangen.«
Odile hatte sich für das Plaza nicht völlig blank gemacht. Sie hatte ein Apartment in der Jane Street. Es war eine Puppenstube, eineinhalb Zimmer, in der sie jede Art von Männern empfangen konnte, Bullen wie Pimloe und Kunden, die Zorro ihr schickte. Sie war Zorros Mädchen, aber wer konnte sich auf den Fuchs verlassen? Die Abstände zwischen seinen Besuchen richteten sich nach dem Kalender in seinem Kopf, nach dem er an verschiedenen Montagen des Jahres mit ihr schlief. Sie verstand weder seine Vorliebe für Montage noch die Art, auf die er seine Leidenschaft wie eine Faust öffnen und schließen konnte.
Wegen Zorro machte sie sich keine Sorgen. Der Fuchs würde den Weg in die Jane Street eines Montags finden, wenn sein Notstand erst groß genug war. Die Guzmanns hatten ihre Vorzüge. Mit Zorro als ihrem Beschützer war Odile vor Einbrechern und Dieben sicher. Jede Ratte in Manhattan und der Bronx nahm sich vor Zorro und seinen Brüdern in Acht. Wer in ihren Territorien herumwilderte oder eines ihrer Mädchen belästigte, konnte sein Genick an Bruder Jorge verlieren.
Odile nahm sich ein Taxi in die Jane Street. Da sie knapp bei Kasse war, setzte sie ihre Unterschrift und den Betrag von zwei Dollar fünfundsiebzig auf ein Stück Papier und gab es dem Fahrer mit einer Umarmung. Er wollte ihr Gepäck nicht die Treppe hinauftragen. Daher musste Odile dreimal laufen; sie verfluchte die Unsitten von New York.
Der Zustand ihrer Wohnung verdutzte sie. Auf dem Teppich stand eine Untertasse mit Krümeln, und im Spülbecken lagen Bananenschalen. Ihre Spiegel waren mit Tüchern verhängt. Sie trat in ihr winziges Schlafzimmer. Zorro lag schlafend da.
»Fuchs«, sagte Odile und riss die Handtücher von ihren Spiegeln. »Fuchs«. Sie zerrte an dem lavendelfarbenen Bettzeug und legte seine Füße frei. Er wachte nicht auf. »Kaum zieht man aus, schleichst du dich in die Wohnung ein. Guzmann, du nutzt mich aus.«
Eine Zehe rührte sich. Sein Kopf reckte sich aus den Laken. Er sah Odile nicht an. Die nicht verhängten Spiegel verdrossen ihn. Er murmelte etwas von teuflischen Augen, Peru und den Eigenheiten von Glas.
Odile erbarmte sich seiner. Sie verhängte sämtliche Spiegel. »Guzmann, sieh zu, dass du hier wegkommst. Pimloe, dieser Bulle, läuft mir oft nach. Du erinnerst dich doch an Herbert. Isaacs Lehrling. Er könnte unten stehen.«
Sie hatte gedacht, der Fuchs würde aus dem Bett springen. Er pulte in seinen Zehennägeln. »Für Pimloe rühre ich mich nicht. Der ist so dumm, dass er brummt.« Er erzählte ihr, was mit Jorge, Papa und dem Süßwarenladen passiert war.
»Zorro, wo hast du deine Familie hingebracht?«
»In die Kirche. Zu dem großen Iren.«
»Du hast sie bei Patrick Silver gelassen? Mein Gott, dieser Trottel ist ohne Schuhe ins Plaza gekommen.«
Zorro hatte genug mit Odile gequasselt. Er packte sie an ihrer Hose aus Crêpe und zog sie zwischen die Laken. Er schüttelte ihre Frühstückskleidung wie aussätzige Gegenstände ab. Der Fuchs fand es widerlich, Crêpe anzufassen. Hosen an einem Mädchen hatten ihn schon immer verrückt gemacht. Er ließ nicht zu, dass Odile sich in ihre dekorative Schale warf. Er lag auf den Knien und leckte ihren Körper mit der salzigen Zunge der Marranen.
Odile war es nicht peinlich, nichts anzuhaben. Sie genoss die Freiheiten, die Zorro sich rausnahm. Er war kein Wiatt Stone mit seinen Pfoten unter dem Tisch. Für Zorro brauchte sie nicht Abisag zu sein. Sie hatte lieber den Fuchs im Bett, als bei einem alten König zu liegen.
Zwei Tage Zorro, und Odiles Verstand war umnebelt. Sie war kein Mädchen, das es allzu lange aushielt, ohne in einen Spiegel zu sehen. Sie durfte keine Kleider tragen, wenn der Fuchs da war. Keine Höschen oder Ketten um die Knöchel. Er nahm keine anständigen Mahlzeiten zu sich. Sie musste Bananen mampfen und im Bett bleiben.
Der Fuchs schien sich nur langsam zu erholen. Er leckte sie einmal und kam ihr dann nicht mehr nah. Die Guzmanns waren wie kleine Karnickel. Sie krochen in ein Mädchen, krümmten sich und schliefen mit beseligtem Gesichtsausdruck ein. Odile hatte
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