Das Rad der Zeit 6. Das Original: Herr des Chaos (German Edition)
Kreis im Wohnraum sitzend gemütlich Tee zu trinken. Häuser, die Aes Sedai beherbergten, besaßen Wohnräume, obwohl Elayne und Nynaeve noch immer in ihrem beengten kleinen Raum hausten. Auf den zweiten Blick sah man jedoch, dass Aviendha die Aes Sedai über den Rand ihrer Teetasse hinweg gehetzt ansah. Für einen dritten Blick blieb keine Zeit. Aviendha sprang beim Eintreten Elaynes auf und ließ ihre Tasse auf den sauber gefegten Boden fallen. Elayne hatte außer im Stein von Tear erst wenige Aiel gesehen, aber sie wusste, dass sie ihre Empfindungen verbargen, was Aviendha normalerweise auch ausgezeichnet gelang. Nur jetzt war blanke Qual auf ihrem Gesicht erkennbar.
»Es tut mir leid«, sagte Elayne an den ganzen Raum gewandt, »aber ich muss sie Euch eine Weile entführen. Vielleicht könnt Ihr später mit ihr sprechen.«
Mehrere der Schwestern hielten nur mühsam ihren Widerspruch zurück, obwohl es keinen hätte geben sollen. Sie war, bis auf Aviendha, eindeutig bei Weitem die Stärkste in diesem Raum, und keine der Aes Sedai war eine Sitzende oder gehörte zu Sheriams Konzil. Sie war sehr froh, dass Myrelle nicht anwesend war, die in diesem Haus lebte. Elayne hatte die Grüne Ajah erwählt und war angenommen worden, ohne zu wissen, dass Myrelle das Oberhaupt der Grünen Ajah in Salidar war. Myrelle, die noch keine fünfzehn Jahre Aes Sedai war. Aus Gesprächen wusste Elayne, dass es in Salidar Grüne gab, welche die Stola schon mindestens fünfzig Jahre lang trugen, obwohl keine davon ein graues Haar besaß. Wäre Myrelle hier gewesen, hätte Elaynes ganze Kraft nichts gezählt, wenn das Oberhaupt ihrer Ajah Aviendha hätte hierbehalten wollen. Aber jetzt öffnete nur Shana, eine glotzäugige Weiße, die Elayne an einen Fisch erinnerte, den Mund ein Stück weiter, schloss ihn aber dann wieder, wenn auch eher störrisch, als Elayne sie mit hochgezogener Augenbraue ansah.
Die fünf machten äußerst verkniffene Gesichter, aber Elayne ignorierte die Anspannung. »Danke«, sagte sie mit einem Lächeln, nach dem ihr nicht zumute war.
Aviendha schlang sich ein dunkles Bündel über den Rücken, zögerte aber dann, bis Elayne sie tatsächlich aufforderte mitzukommen. Auf der Straße sagte Elayne: »Ich entschuldige mich hierfür. Ich werde dafür sorgen, dass es nicht wieder geschieht.« Sie war sich sicher, dass ihr das gelingen würde. Oder Egwene. »Ich fürchte, es gibt nicht viele Orte, an denen man ungestört reden kann. In meinem Raum ist es zu dieser Tageszeit sehr heiß. Wir könnten uns einen schattigen Platz suchen oder einen Tee nehmen, wenn sie Euch noch nicht damit übersättigt haben.«
»Dein Zimmer.« Es wurde eigentlich nicht barsch geäußert, aber Aviendha wollte eindeutig nicht reden, noch nicht. Sie sprang jäh auf einen vorüberfahrenden, mit Brennholz beladenen Karren zu und riss einen Ast heraus, der länger als ihr Arm und dicker als ihr Daumen war. Dann trat sie wieder zu Elayne und begann den Zweig mit ihrem Gürtelmesser abzuschälen. Die scharfe Klinge beseitigte kleinere Ästchen mühelos. Ihr gequälter Gesichtsausdruck war gewichen. Sie schien jetzt entschlossen.
Elayne sah sie von der Seite an, während sie weitergingen. Sie konnte nicht glauben, dass Aviendha ihr schaden wollte, was auch immer dieser tölpelhafte Mat Cauthon sagte. Aber andererseits … Sie wusste nur wenig von Ji’e’toh . Aviendha hatte es ihr teilweise erklärt, als sie zusammen im Stein gewesen waren. Vielleicht hatte Rand etwas gesagt oder getan. Vielleicht zwang dieses verwirrende Labyrinth aus Ehre und Verpflichtung Aviendha zu … Es schien nicht möglich. Aber vielleicht …
Als sie ihr Zimmer erreichten, beschloss sie, das Thema zuerst anzusprechen. Sie stellte sich der anderen Frau gegenüber – umarmte Saidar ganz bewusst nicht – und sagte: »Mat behauptet, du wärst hierhergekommen, um mich zu töten.«
Aviendha blinzelte. »Feuchtländer verstehen immer alles falsch«, sagte sie verwundert. Sie legte den Stock auf das Fußende von Nynaeves Bett und legte das Gürtelmesser sorgfältig daneben. »Meine Nächstschwester Egwene bat mich, Rand al’Thor für dich zu bewachen, was ich zu tun versprach.« Bündel und Schultertuch wurden auf den Boden neben der Tür gelegt. »Ich habe ihr gegenüber Toh , aber dir gegenüber ein noch größeres.« Sie schnürte ihre Bluse auf, zog sie über den Kopf und schob ihr Unterhemd dann bis über die Taille herunter. »Ich liebe Rand al’Thor, und ich
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