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Das zweite Königreich

Das zweite Königreich

Titel: Das zweite Königreich Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Rebecca Gablé
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prächtig, Thane. Dank Eurem Vater. Er und Berit hatten recht, ich hatte unrecht. Es war eine gute Entscheidung.«
    Cædmon trank von dem würzigen Bier und nickte zufrieden. »Was macht die alte Berit?«
    Hengest hob lächelnd die Schultern. »Im Winter hat sie ihren letzten Zahn verloren, aber ansonsten ist sie ganz die Alte. Sie wird uns alle überleben. Wollt Ihr zum Essen bleiben?«
    Cædmon lehnte dankend ab. »Ich will vor Einbruch der Dämmerung wieder in Helmsby sein. Ich war über ein halbes Jahr lang nicht zu Hause und habe viel Arbeit nachzuholen.«
    Der Müller betrachtete ihn versonnen. »Viel Verantwortung für einen jungen Kerl wie Euch. So viel Land, so viele Dörfer. Und Eure Mutter ist Euch keine große Hilfe, heißt es.«
    Cædmon unterdrückte im letzten Moment eine barsche Zurechtweisung. Der Müller von Metcombe war ein angesehener Mann und sagte seine Meinung ohne Scheu. Er begegnete Cædmon mit Respekt, aber nicht unterwürfig, denn dazu sah er keinen Anlaß. Es war typisch normannische Denkweise, ihn anmaßend zu finden, erkannte Cædmon, und er verbarg sein Befremden hinter einem kleinen Lächeln und wechselte das Thema.
    »Was ist aus den vier Dänen geworden, die mein Vater euch damals geschickt hat?«
    Hengest seufzte leise und leerte seinen Becher. »Einer ist vor Heimweh eingegangen, einer an einer Pilzvergiftung, der dritte ist uns davongelaufen, und der vierte hat meine Schwester geheiratet.«
    Cædmon zog die Brauen hoch und nickte dann. »Na ja. Warum sollte es dir besser gehen als mir …«
    Hengest lachte leise, stützte die Hände auf die Oberschenkel und sah von einem Bruder zum anderen. »Es ist sehr gut von Euch, herzukommen und nach uns zu sehen, aber ich bin sicher, das war nicht der einzige Grund Eures Besuches. Braucht Ihr Arbeitskräfte für Eure Burg? Nun, viel kann ich Euch nicht versprechen, aber wir werden tun, was wir können.«
    Cædmon schüttelte den Kopf. »Die Burg ist fertig, Gott sei Dank. Nein, es geht um etwas anderes, Hengest: Es ist möglich, daß wir diesen Sommer Besuch bekommen.«
    Alle Fröhlichkeit wich aus Hengests Miene. »Dänen?«
    »Dänen.«
    Der Müller bekreuzigte sich. »Heiliger Oswald, steh uns bei.«
    Cædmon erhob sich rastlos und stellte sich mit verschränkten Armen vor die Bank. »Sein Beistand kann sicher nicht schaden, aber wir sollten uns nicht darauf verlassen. Sehen wir den Dingen ins Auge, Metcombe ist besonders verwundbar, weil es direkt am Fluß liegt. Aber gerade Metcombes Sicherheit liegt mir am Herzen.«
    Der Müller hob mutlos die Schultern. »Was können wir schon tun? Wenn sie kommen, dann kommen sie.«
    Cædmon fegte diese Bemerkung ungeduldig beiseite. »Wir können allerhand tun. Schickt mir jeden jungen Mann, den ihr hier entbehren könnt, nach Helmsby, und ich werde sie im Kampf ausbilden, so gut es geht, und ihnen an Waffen zur Verfügung stellen, was ich kann. Von jetzt an solltet ihr jeden anderen sonntäglichen Zeitvertreib einstellen und euch nur noch im Bogenschießen üben. Mit Pfeil und Bogen waren die Dänen seit jeher am ehesten verwundbar. Wenn ihr entschlossen genug seid, könnt ihr etwas ausrichten.«
    »Aber Thane«, wandte der Müller ein. »Die Leute hier sind einfache Bauern. Wie sollen sie …«
    »Ich bin sicher, viele haben für König Harold bei Stamford Bridge oder Hastings gekämpft und allerhand gelernt. Aber sei unbesorgt, ich will euch nicht eurem Schicksal überlassen. Wir werden noch mehr tun: Ich schicke euch ein Pferd nach Metcombe. Ein gutes Pferd, ihr müßt es gewissenhaft versorgen und lernen, es zu reiten. Bringt es in einem Stall am Dorfrand unter. Und wenn ihr ein Drachenschiff den Ouse hinaufkommen seht, schickt mir einen Boten mit diesem Pferd, und ich werde mit meinen Männern herkommen, so schnell ich kann. Plant alles genau und probt den Ernstfall. Laßt euch nicht wieder aus heiterem Himmel überraschen.«
    Hengest betrachtete ihn verwundert und schüttelte dann langsam den Kopf. »Nein, Thane. Wir werden tun, was Ihr sagt.«
    Er brachte sie zu ihren Pferden zurück, hielt Cædmon höflich den Steigbügel, während dieser aufsaß, und sah mit einem kleinen, staunenden Lächeln zu ihm auf. »Wenn ich denke, was für ein blasses, mageres, hinkendes Bürschchen Ihr damals wart, Thane. Und heute … Nicht zu glauben.«
    Cædmon rieb sich verlegen das Kinn an der Schulter. »Was immer ich heute bin, haben die Normannen aus mir gemacht, Hengest.«
    Der Müller nickte ernst. »Ja.

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