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Daylight oder wie der Tag zur Nacht wird

Daylight oder wie der Tag zur Nacht wird

Titel: Daylight oder wie der Tag zur Nacht wird Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Lena Sophie Hoelzlwimmer
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und gefasst. So, als wäre nichts geschehen und sie würde mir von dem Endergebnis eines Fußballspiels erzählen, in dem ihre Mannschaft verloren hatte. Obwohl sie sich nicht für diesen Sport interessierte.
    "Ich dachte, vielleicht kannst du mich nicht mehr leiden und würdest mich nun als Monster ansehen."
    "Nein! Warum denn? Jetzt wünsche ich mir sogar noch mehr, ein Vampir zu werden, wenn ich alt genug bin."
    Genau dass, wird auch einmal ein großes Thema werden, wenn uns die Nightvamp bis dahin nicht getötet hatten. Ich war stolz auf meine Schwester. Stolz auf ihren Mut und auf ihre Kraft. Vieles hatte sie zugleich ertragen müssen. Nichts davon war einfach wegzustecken.
    Oh ja, sie würde eine prima Vampirin abgeben. Eine stolze, ehrenhafte Vampirin. Doch könnte ich es je hinter mich bringen, sie beißen zu müssen? Würde meine Liebe das nicht verhindern wollen?
    Warte! Noch ist es nicht soweit. Es würde noch lange dauern, wenn es im Übrigen überhaupt so weit kommen würde.
    Maik kam bepackt mit einigen Stofftüten wieder aus dem Haus und ich befreite Lil aus meinem Griff.
    "Danke."
    Dann ging ich, ohne mich umzudrehen und ohne zu sehen, ob mir meine Familie folgte. Die Sonne schien noch in einem wunderschönen orange, doch neigte sie sich schon dem Horizont zu. Meine innere Uhr schätzte, dass es mittlerweile etwa dreißig Minuten nach sechs Uhr sein müsste.
    Das Leben, dem wir unterwegs begegneten, warf uns einen schrägen Blick zu. Dass die Menschen Dinge, die sie nicht verstanden, immer misstrauen mussten? Mir kam es so vor, als wäre ich schon seit langer Zeit ein Sunnyvamp und nicht erst seit wenigen Tagen. Ich hatte mich richtig an das neue Leben gewöhnt und es gefiel mir. Wie wenig ich damals von der Welt gewusst und verstanden hatte, war nicht zu glauben.
    Hinter meinem Rücken hörte ich Frank, der mit Eddi etwas tuschelte. Von ihrem Gespräch konnte ich ein paar Fetzen aufschnappen.
    "... gestolpert. Maik war ... . Fürchterliche Schmerzen ... . ... war das?"
    Es war einen Moment lang still. Sie hatten es auch gespürt. Oh, nein. Wie weit ging unsere Verbindung?
    Ich hätte gedacht, nichts mehr davon zu hören, so als wäre darüber hinweggesehen worden. Doch ich wusste nicht, dass selbst Frank und Maik diesen Selbsthass, die Wut und die Angst gespürt hatten. Eddi räusperte sich und erklärte Frank in kurzen Sätzen:
    "Es ... Fehler gewesen. ... nie wieder geschehen. ... "
    Ich durfte nicht mehr hinhorchen. Die Bilder kamen wieder. Sie kamen. Die Bilder von dem Mord. Nein! Mit einer Wucht schleuderte ich die Bilder wieder fort. Nein. Nicht jetzt. Nie mehr. Ich konnte ihnen das nicht antun.
    Tief holte ich Luft und presste sie wieder aus meinen Lungen. Den Vorgang wiederholte ich ein paar Mal und das Gefühl wurde  leichter. Uff, war das knapp.
    Wir näherten uns dem Park und von weitem konnte ich Isabells junge Stimme hören. Vögel sangen ein Lied. Vermutlich eine Melodie für den Abschied und die gute Nacht. Eine Katze warf in einer Seitengasse eine Dose um, die polternd davonrollte und zitternd bei einem Gulligitter stecken blieb. Die Katze stieß ein ärgerliches Miauen aus.
    Ein Teenager huschte gerade in ein altes modriges Haus und um die Ecke standen drei Jungs, die Zigaretten rauchten. Waren sie nicht viel zu jung dafür?
    Das Seltsame war, man ließ unsere kleine Gruppe in Ruhe. Normal wurden Pilger immer geärgert und gehänselt. Bei uns war das nicht der Fall und wenn ich ehrlich sein sollte, war ich darüber sehr froh.
    Wir traten in den noch sonnendurchfluteten Park. Uns blieb nichts anderes übrig, als sofort zu den jungen Frauen hinüber zusehen. Man musste schon blind sein, um sie nicht gleich zu entdecken. Rote Haare blitzten mal hier und mal dort auf und eigentlich auf beiden Seiten. Die einen etwas heller, als die anderen, aber doch war es die Farbe rot.
    Rose huschte an Isabells Seite vorbei, stellte ihr ein Bein und zog somit ihre Füße vom Boden. Sofort warf sich die Vampirin über das Mädchen und fauchte.
    Doch es blieb nicht lange Roses Sieg. Isabell schlug ihr die Knie heftig in den Bauch und tauchte in der selben Sekunde unter den Armen, die reflexartig nach ihr griffen, hindurch. Kniend stieß das Mädchen die Vampirin mit beiden Händen um. Jetzt war sie der Sunnyvamp, der fauchte.
    Aber es dauerte nicht einen Wimpernschlag und Rose stand wieder auf den Beinen. Die Frauen standen sich wieder gegenüber und knurrten.
    Ich hörte hinter mir ein bemerkenswertes

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