Bücher online kostenlos Kostenlos Online Lesen
DEAD SHOT

DEAD SHOT

Titel: DEAD SHOT Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Jack Coughlin
Vom Netzwerk:
hatte nie diesen religiösen Unsinn geglaubt, Frauen seien weniger wert als Männer. Ebenso wenig glaubte er, nach seinem Tod in einer Art märchenhaftem Paradies zu leben. Was zählte, waren die Taten, die man im Leben vollbrachte.
    Mutig ergriff der junge Mann die Hand der Frau, die mit ihm in dem Käfig ausharren musste. Sie hatte etwas erreicht in dem Kampf, und Mahmoud fühlte sich geehrt, mit ihr in den Tod zu gehen. Obwohl ihre Kleidung inzwischen schäbig aussah und die Frau geschwächt war, hatte sie die Macht des geschriebenen Worts sprechen lassen. Ihre Gedichte und Geschichten waren über die Landesgrenzen hinaus bekannt, was auch die Regierung nicht hatte verhindern können. Daher war die Dichterin festgenommen und gefoltert worden. »Hab keine Angst, Mutter«, sagte Mahmoud. »Ganz gleich, was diese Hunde dir angetan haben oder uns antun werden, du wirst immer eine unserer wahren Kampfgenossen sein.«
    Die Frau sah den jungen Mann aus wässrigen Augen an und drückte seine Hand. »Freiheit, mein junger Freund Mahmoud. Lass uns nach Freiheit rufen, und wenn es unser letzter Atemzug ist.«
    Ein Techniker in einem weißen ABC-Schutzanzug fuhr mit einem allradgetriebenen Quad zu dem ersten Käfig und zog einen Anhänger hinter sich her, auf dem zwei große Behälter befestigt waren. Unmittelbar an dem Käfig hielt der Mann an, achtete aber darauf, dass die Gefangenen nicht mit den Händen an die Behälter kamen. Dann hob er den Anhänger von der Kupplung. Er drehte die Behälter in die vorgesehene Richtung und montierte eine Ausströmungsöffnung für das Gas. Sobald ein Behälter leer war, sollte der andere seinen tödlichen Inhalt freisetzen. Inzwischen hatten die drei Männer in dem Käfig ihre Furcht abgelegt, ergaben sich in ihr Schicksal und belegten den Techniker mit üblen Flüchen.
    Über Funk teilte der Techniker Direktor Kahzahee mit, dass alles bereit sei. Die Männer an den Konsolen in dem Gebäude gaben die letzten Informationen durch. Nach einer kurzen Pause befahl Kahzahee mit fester Stimme: »Das Experiment soll beginnen.«
    Unangenehm lautes Sirenengeheul setzte sein und schallte durch das Tal und hinauf zu den waldigen Anhöhen. Die iranischen Soldaten in der Gegend wussten, dass sie das Gebiet erst wieder betreten durften, wenn ein zweites Signal ertönte. An den Straßensperren in einiger Entfernung sahen die Soldaten einander unsicher an und suchten dann Schutz.
    Der Techniker öffnete das Ventil des Gasbehälters entgegen dem Uhrzeigersinn, sprang wieder auf das Quad, fuhr los und entfernte sich schnell von den Käfigen. Über die heulenden Geräusche des kleinen Motors hinweg hörte der Mann Leute rufen, schreien und singen.
    Die Gefangenen, die jeden Augenblick unter Qualen sterben würden, standen dicht am Drahtgeflecht und skandierten aus Leibeskräften – FREIHEIT!
    Unsichtbar strömte das zischende Gas in die Luft und breitete sich unaufhaltsam aus. In der leichten Brise blieb es in der Luft, konnte sich verteilen und eine Weile höher steigen, doch schließlich verschmolzen die schweren Moleküle aufgrund ihrer chemischen Beschaffenheit und sanken durch die Schwerkraft als Tropfen wieder zur Erde. Die Gefangenen im ersten Käfig spürten kühle Tröpfchen auf der Haut, als habe ein leichter Nieselregen eingesetzt. Verzweifelt pressten sie sich Fetzen ihrer Kleidung vor Mund und Nase, aber die Tropfen hafteten auf der Haut und verwandelten sich in eine Art Gel, das tief in die Poren drang. Zwei Männer nahmen den Stoff vom Gesicht und versuchten, die klebrige Substanz von der Haut zu wischen, aber dadurch verteilten sie das Gift nur noch mehr. Der dritte Mann hielt sich den Stoff weiterhin vor Mund und Nase und sah, wie die beiden anderen zu husten begannen; dann konnte er es nicht länger aushalten und hatte das Gefühl, als bohrten sich Millionen winziger heißer Nadeln in seine Haut. Im nächsten Moment hatte er Atemschwierigkeiten und schluckte schwer, als sei ihm ein großer Bissen im Hals stecken geblieben.
    Der erste Schrei war herzzerreißend, aber dann folgte ein Schrei auf den anderen, sodass man nicht mehr unterscheiden konnte, wer schrie. Die drei Männer in dem Käfig schlugen im Todeskampf um sich, fassten sich an den Hals und die Brust, als das Gift über die Blutbahnen in Herz, Lunge und Gehirn floss. Die Schleimhäute platzten, und aus den Nasen und Mündern der Opfer rann eine klare Flüssigkeit. Sie rangen nach Luft, aber die Lungen und die Atemwege waren von

Weitere Kostenlose Bücher