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Deine Spuren im Sand

Deine Spuren im Sand

Titel: Deine Spuren im Sand Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Gisa Pauly
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»Besser, Sie gehen ran. Sonst wird mein Sohn noch wach von dem Gebimmel. Der soll sich bei mir erholen.«
    Was blieb ihm also anderes übrig? Berno suchte das Handy aus der Tasche seiner Jacke, die Dr. Traum ihm auf den Schoß gelegt hatte. Denn natürlich wollte auch er nicht, dass dessen Sohn geweckt wurde und schlaftrunken bei seinem Vater erschien, um zu fragen, was das laute Klingeln zu bedeuten habe.
    Berno nahm sich nicht einmal die Zeit, aufs Display zu schauen. Er drückte schleunigst den grünen Knopf und stöhnte ein »Hallo« ins Telefon.
    Piet Röders Stimme prallte so laut an sein Ohr, dass Berno Sorge hatte, Dr. Traum könne jedes Wort verstehen. Das musste unter allen Umständen vermieden werden! Wenn Alex’ Vater mitbekam, dass Berno ein Kollege seines Sohnes war …
    Zu weiteren Gedanken kam Berno nicht, denn er war nun vollauf damit beschäftigt, sich über Piet Röders fröhliche Laune zu wundern, seine Fragen nicht an Dr. Traums Ohren dringen zu lassen und seine Antworten so zu formulieren, dass der Arzt keinen Verdacht schöpfte.
    »Donnerwetter, Kaiser! Das haben Sie ja großartig hingekriegt! Ich bin schon in der Redaktion. Wann sind Sie soweit?«
    Berno war verdattert. »Was meinen Sie?«
    »Sparen Sie sich Ihr Understatement. Ich weiß, was Ihnen heute Nacht gelungen ist. Die Agentin von der Funke hat bei mir angerufen und Sie wüst beschimpft. Wenn die Fotos morgen ins Blatt kämen, hätten wir eine Millionenklage am Hals. Ich habe schon mit unserem Anwalt telefoniert. Der sagt, von Millionen könne keine Rede sein. Und ein paar Hunderttausend können wir uns leisten. Für Fotos, die die Funke mit einem Kerl im Bett zeigen, zahlen wir die gern. Kennen Sie den Mann? Irgendein Promi?«
    »Nein, ein völlig unbekannter Gastwirt«, antwortete Berno perplex.
    »Auch nicht schlecht«, donnerte es zurück. »Also – wann bekomme ich die Fotos?«
    »Ein bisschen müssen Sie noch warten«, stotterte Berno. »Ich habe mich dabei verletzt. Schwer verletzt! Ich bin im Krankenhaus.«
    Auf Dr. Traums erstaunten Blick reagierte er mit einem Achselzucken. Sollte der sich doch denken, was er wollte! Hauptsache, Berno hatte eine Galgenfrist bekommen, in der er sich überlegen konnte, was eigentlich passiert war und was nun geschehen musste, damit er ungeschoren aus der Sache herauskam.
    »Schlimm?« Röders Stimme klang besorgt, aber Berno machte sich keine Illusionen. Ob ein Fotograf für Sensationsfotos sein Leben oder seine Gesundheit riskierte, interessierte seinen Chefredakteur nicht. Wenn der fragte, ob es schlimm sei, dann meinte er damit nur die Probleme, die Fotos zu übermitteln, nicht Bernos Gesundheitszustand.
    »Ja, ziemlich schlimm«, antwortete Berno und fügte hinzu: »Ich kann diese Sache niemandem anvertrauen.«
    »Um Himmels willen! Bloß nicht«, bestätigte Röder ihn. »Die Agentin sagt, Sie sind auf einen Balkon gestiegen, um die Funke im Bett ihres Lovers zu erwischen. Sind Sie etwa runtergefallen?«
    Berno bestätigte es, ohne rot zu werden. »Ich wurde gejagt«, behauptete er und lächelte in Dr. Traums besorgtes Gesicht, damit der glaubte, es ginge nur um einen Spaß. »Dabei hat die Kamera natürlich was abbekommen. Also, ich weiß nicht, ob die noch zu retten ist.«
    »Das ist nur eine Sache des guten Willens«, behauptete Röder. »Sie haben Zeit, bis ein Konkurrenzblatt Fotos von der Funke bringt.«
    »Alles klar.«
    »Oder sind Sie so schwer verletzt, dass Sie im Krankenhaus bleiben müssen?«
    »Das ist noch nicht raus. Die Untersuchungen sind noch nicht abgeschlossen.«
    Wieder lächelte Berno Dr. Traum an, als ginge es bei seinem Telefongespräch um die Planung eines Kindergeburtstages.
    »In welchem Krankenhaus sind Sie? Stadt! Ortsteil! Name der Klinik!«
    »Warum wollen Sie das wissen?«
    »Damit ich Ihnen jemanden schicken kann, der die Kamera abholt und sich um die Fotos kümmert.«
    »Nein, nicht nötig.«
    Piet Röder schwieg einen Moment, Berno hörte das Rascheln von Papieren. Dann sagte der Chefredakteur: »Schwierig, schwierig! Alle Leute sind im Einsatz! Der Einzige, der Zeit hat, ist Alex.«
    »Der ist viel zu weit weg. Bis der hier ist …«
    »Ich besorge ihm einen Flug von Sylt nach Süddeutschland. München oder Stuttgart! Soviel ich weiß, werden die beiden Orte von Sylt angeflogen. Welche Stadt ist besser?«
    »München«, antwortete Berno, ohne nachzudenken.
    »Den Geburtstag seines Vaters hat Alex nun lange genug gefeiert.«
    »Warten Sie noch!«,

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