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Denkwürdigkeiten aus meinem Leben [microform]

Titel: Denkwürdigkeiten aus meinem Leben [microform] Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: 1769-1843 Caroline Pichler , 1881-1925 Emil Karl Blümml
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dreißig langen Jahren, mit Vergnügen jener beiden interessan-ten Bekanntschaften.
    Die Einquartierungen wechselten nun öfters in un-serm Hause, in welches man, so wie überhaupt in die
    benachbarten Häuser, gern die Rekonvaleszenten ver-legte, welche in den Affären verwundet, im nahen Spital geheilt, und nun zu besserer Pflege Bei den Ein-wohnern einquartiert wurden — ein Verfah,ren, wel-ches man auch im Jahre 1809 beobachtete. Nur einer von diesen Blessierten, ein Stabsoffizier, Guy *'^) mit Namen, zeichnete sich unter den übrigen durch ein feineres Betragen aus, und wurde denn auch wie der holländische Oberst in unsern Abendzirkeln einhei-misch. Er war jung, wohlgebildet, artig; seine Verwun-dung am Arme, die ihm fremde Gefälligkeit notwendig machte, und ein etwas düsterer Sinn, gaben ihm in den Augen unserer jungen Damen einen höheren Wert, und besonders zeichnete ihn eine unter uns, die selbst durch Schönheit und Geist vor allen strahlte, Frau von Kempelen, beifällig aus, indes zu gleicher Zeit unser Freund und Hausgenosse Streckfuß ebenfalls von ihr angezogen wurde.
    Ich besaß ein seltenes, aber sehr vorzügliches In-strument, organisiertes Fortepiano genannt, das zu-gleich Klavier und Positiv war, und das man auf jede dieser Arten einzeln oder auch zusammen benützen konnte, was denn einen sehr angenehmen Effekt machte, wenn der melodische Hauch der Orgelpfeifen sich mit den Saitenklängen des Fortepiano verband. Frau von Kempelen, die Gemahlin des Sohns jener al-ten Freunde unsers Hauses, welche schon lange in un-serer Nähe lebten, spielte sehr schön Klavier; Streck-fuß sang angenehm, noch einige MitgHeder unseres Kreises und ich selbst waren musikalisch, es wurde also abends die Zeit sehr oft mit Musik verkürzt; denn da-mals waren die Forderungen an die Leistungen der Dilettanten nicht so hoch gespannt als jetzt, und man
    konnte sich mit Beifall unter seinen Freunden hören lassen, wenn man auch nicht imstande war, eine Bra-vourarie zu singen oder sich im Theater auf dem Forte-piano zu produzieren. Unser Franzose liebte Musik, er forderte uns oft auf, welche zu machen, und mancher Faden mag sich damals aus den Augen der schönen Frau und aus ihren Tönen um sein Herz geschlungen haben. Doch der Friede wurde in Preßburg geschlossen *^^ — die feindlichen Truppen bekamen Befehl, aufzubre-chen — und eines Morgens war auf den Theater-affichen (vielleicht nur aus Zufall) eben der Tag der Erlösung! von Ziegler*^^) angekündigt, wo denn auch die Last der feindlichen Besatzung von uns ge-nommen ward.
    Allmählich kehrte wieder alles in sein gewohntes Geleise zurück. Im Jänner des Jahres 1806 kain der Hof aus Ungarn zurück und der Kaiser hielt einen feierlichen Einzug in die wieder gewonnene Stadt. Die Bürgerkorps, alle diejenigen, welche sich während der feindlichen Besitznahme als unsere natürlichen Be-schützer erwiesen hatten, genossen auch der Ehre, den Monarchen zu empfangen. Ihre zahlreichen Scharen waren bis in die Leopoldstadt aufgestellt, und ein herz-liches und lautes Jubelgeschrei verkündete und beglei-tete den Einzug des Monarchen, dessen erster Weg nach der St. Stephanskirche zum Tedeum war. Es war ein schöner Tag — dieser Tag der feierlichen Rück-kehr! *^^) — Meinem Gefühle nach wurde er von einem ähnlichen, aber viel merkwürdigem, am 27. November 1809 weit übertroffen. Doch davon später. — Unser Leben gestaltete sich, seit die Feinde entfernt waren.
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    wieder auf seine gewohnte Weise, aber im Innern eini-ger.; Gemüter waren bedeutende i Veränderungen vor-gegangen, toie Neigung, w^elche Frau v. K. zuerst für unsern liebenswürdigen Dichter gefühlt, hatte ant-worteiid^ Flammen in seiner Brust entzündet. Zu seinem und ihrem Glücke^ hatte diese Leidenschaft seine klare Besonnenheit und den redlichen Ernst sei-ner Gesinnung nicht überwältigen können. Er emp-fand die Gefahr, die ihm und ihr drohte, er ehrte ihr / häusliches Glück, ihren Ruf, und er beschloß, sich los-zureißen, Wien zu verlassen und nach seiner Vater-stadt Zeitz zurückzukehren. Wer den jungen Mann so kannte wie ich und einige wenige in unserm Kreise, wer wußte, wie angenehm er hier in der großen Stadt in mannigfachen geselHgen und literarischen Bezie-hungen, geliebt und geachtet von allen, die ihn kann-ten, so recht nach seinem Sinn gelebt hatte, der konnte die Größe des Opfers, das er dem anerkannt Rechten brachte, ermessen. Freilich, nach der damals begin-nenden

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