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Der Dieb der Finsternis

Der Dieb der Finsternis

Titel: Der Dieb der Finsternis Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Richard Doetsch
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dich zwar nicht verrückt machen, KC, aber noch einmal: Egal, was wir tun, lass den Stab nicht aus den Augen!«
    Michael zog eine der Schnüre aus formbarem Sprengstoff aus der Tasche und schnitt sie in fünf jeweils dreißig Zentimeter lange Stücke. In jedes drückte er eine elektronische Sprengkapsel und verstaute sie dann in der blauen Tasche.
    »Michael, dabei werden Menschen zu Schaden kommen«, warnte KC.
    Michael legte den Kopf zur Seite. »Ich werde niemanden in die Luft jagen. Vertrau mir.«
    Er überprüfte das Messer, das an seinem Fußknöchel klemmte, und stellte fest, dass es an seinem Platz war. Er strich die Krawatte glatt, durchsuchte die Hosen- und Jacketttaschen und fand eine Brieftasche. Er zog sie heraus und warf sie dem bewusstlosen Mann am Boden auf die Brust. Dann förderte er den kleinen Sprengzünder zutage, kontrollierte die Not- und Sicherheitsschalter und steckte das Gerät in die Tasche seines Jacketts.
    Er öffnete seine Neoprentasche, nahm sein Mobiltelefon und das Funkgerät heraus und steckte sie zu dem Zünder in die Tasche. Als Nächstes griff er sich die Sprengkapseln, die noch übrig waren, sowie den Hammer und den Meißel, legte alles neben dem bewusstlosen Jean Frank auf den Boden und hängte die schwarze Tauchtasche um die Schulter des Mannes.
    KC hob die blaue Segeltuchtasche vom Boden und steckte die lederne Transportrolle mit dem Stab hinein. Obwohl sie nicht ganz hineinpasste und leicht überhing, würde sie so nicht die Aufmerksamkeit erregen, die sie auf sich ziehen würde, wenn sie die Rolle über ihrem rückenfreien Kleid trug. Sie hielt Michael die offene Tasche hin, und er hob die Magazine und die Poster vom Boden und legte sie auf ihr illegales »Mitnehmsel«, sodass die Tasche jetzt einigermaßen typisch aussah für jemanden, der die Veranstaltung verließ. KC warf sich ihre Handtasche über die Schulter, drehte sich um und lächelte.
    Michael öffnete die Haremstür. Sofort drang Musik zu ihnen herüber. Noch einmal drehte er sich zu KC um und streckte ihr die Hand entgegen. »Hättest du Lust zu tanzen?«
***
    Busch saß in der Limousine und wartete. Er hatte das Gefühl, als würde er immer warten. Er wartete auf Michael, er wartete auf seine Frau Jeannie, er wartete auf seine Kinder. Normalerweise machte ihm das Warten nichts aus, aber da er hier das Spiel der Yankees gegen die Red Sox nicht im Radio empfangen konnte – es schien in Istanbul keinen einzigen Radio-Sportkanal zu geben –, wurde die Sache langsam zu einer schier endlosen Warterei. Michael ging in den Topkapi-Palast, Iblis ging hinein, KC ging hinein, und er, Busch, hatte nicht die leiseste Ahnung, was hier lief. Und jetzt war auch noch massenhaft Polizei auf der Party, und die suchten ohne jeden Zweifel nach seinen Freunden.
    Sein Mobiltelefon läutete. Busch antwortete sofort. »Wird aber auch Zeit.«
    »Ich freue mich auch, deine Stimme zu hören«, erwiderte Michael.
    »Würde es dir etwas ausmachen, mir zu verraten, was ihr treibt?«, wollte Busch wissen.
    »Wir tanzen.«
    »Du willst mich wohl verarschen.«
    »Hör zu, wir werden in ein paar Minuten herauskommen, allerdings zusammen mit etwa siebenhundert unserer engsten Freunde. Mach also bitte den Kofferraum auf, damit wir den Wagen erkennen können.«
    »Du zapfst da jetzt nicht irgendeine Scheiße an, oder?«
    »Du kennst mich gut genug, um so etwas eigentlich nicht fragen zu müssen, aber bitte«, gab Michael zurück. »Falls du sehen solltest, dass uns irgendwelche Cops auf den Fersen sind, ignoriere uns einfach und mach, dass du wegkommst.«
    »Da fühle ich mich schon sehr viel besser«, erwiderte Busch. »Muss ich dich daran erinnern, dass ich einst derjenige war, der Leuten wie dir hinterhergerannt ist, statt mit Leuten wie dir wegzurennen?«
    »Paul …?«
    »Ich werde dich nicht im Stich lassen«, sagte Busch trotzig.
    »Und du wirst nicht mit uns im Gefängnis enden.«

28.
    D ie Abendveranstaltung neigte sich dem Ende zu. Die Musiker des Orchesters hatten ihre Krawatten gelöst und ihre Hemden aufgeknöpft. Die ersten Gäste verabschiedeten sich, begleitet von Küsschen und gekünsteltem Gelächter. Der Abend war ohne Zwischenfälle verlaufen. Und obwohl man die Polizei geholt hatte, weil es angeblich zu einem Raubüberfall gekommen war, hatte diese Befürchtung sich nicht bestätigt. Die Schatzkammer war inspiziert worden, ebenso die Bibliothek von Ahmed III. Sämtliche Wertgegenstände waren in Sicherheit. Die Polizei

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