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Der elektrische Mönch

Der elektrische Mönch

Titel: Der elektrische Mönch Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Douglas Adams
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mochte, wenn nicht seine eigenen Dementis, war nie ganz klar.
    Die Geschichten drehten sich um die übersinnlichen Kräfte, die er von der Familie seiner Mutter geerbt hatte, die, wie er behauptete, im vornehmeren Teil von Trans­sylvanien gelebt hatte. Das heißt, er stellte niemals eine derartige Behauptung auf und sagte, das sei der allerlächer­lichste Blödsinn. Er bestritt energisch, daß es überhaupt Vampire irgendwelcher Art in seiner Familie gebe, und drohte, jeden zu verklagen, der solche böswilligen Märchen herumerzähle, aber er lief dennoch sehr gern in einem wei­ten, schlapprigen Ledermantel herum und hatte in seinem Zimmer einen von diesen Apparaten stehen, die angeblich kranke Rücken kurieren helfen, wenn man sich kopfüber dran aufhängt. Er ließ es zu, daß Leute ihn zu allen mög­lichen Stunden des Tages an diesem Apparat hängend vorfanden, vor allem aber des Nachts, und das ausdrücklich, so daß er energisch bestreiten konnte, daß es auch nur das geringste bißchen zu bedeuten habe.
    Mithilfe einer raffinierten Serie strategisch aufgestellter Dementis über die aufregendsten und exotischsten Dinge gelang es ihm, die Legende in die Welt zu setzen, er sei ein übersinnlicher, mystischer, telepathischer, weltentrückter, hellseherischer, psychosaxischer Vampir.
    Was bedeutete »psychosaxisch«?
    Es war sein eigenes Wort, und er bestritt energisch, daß es irgend etwas bedeute.
     
    » Und diesen Abgrund, tosend ungezügelt,
    Als ging des Erdballs Herzschlag hier beflügelt,
    Entrang ein mächtiger Quell sich hier und da;
    Und wo er jählings seinen Pfad ersah,
    Gabs Steingewirbel ...«
     
    Dirk war auch ewig pleite gewesen. Das sollte sich än­dern. Sein Zimmergenosse war es, der das in Gang setzte, ein leichtgläubiger Bursche namens Mander, der, wenn die Wahrheit herausgekommen wäre, wahrscheinlich von Dirk ausdrücklich wegen seiner Gutgläubigkeit dazu ausgesucht worden war.
    Steve Mander bemerkte, daß Dirk jedesmal, wenn er be­trunken ins Bett ging, im Schlaf redete. Nicht nur das, son­dern die Dinge, über die er im Schlaf redete, waren Sachen wie »Die Öffnung von Handelswegen nach murmel murmel plapper war der Wendepunkt in der Ausdehnung des Rei­ches in der schnarch laber murmel. Äußern Sie sich dazu!«
     
    » ...wie ein Hagelschlag,
    Wie Weizenspreu, gedroschen Tag um Tag:«
     
    Als das zum erstenmal passierte, setzte Steve Mander sich kerzengerade in seinem Bett auf. Es war kurz vor den Vor­prüfungen im zweiten Jahr, und was Dirk gerade gesagt, beziehungweise verständlich gemurmelt hatte, klang auffal­lend wie eine sehr wahrscheinliche Prüfungsfrage in Wirt­schaftsgeschichte.
    Mander erhob sich leise, ging hinüber an Dirks Bett und lauschte angestrengt, aber außer einem völlig zusammen­hanglosem Gemurmel über Schleswig-Holstein und den preußisch-französischen Krieg, über welch letzteren Dirk zumeist das Wort in sein Kopfkissen richtete, erfuhr er nichts weiter.
    Die Neuigkeit jedoch verbreitete sich - still, unter der Hand und wie ein Lauffeuer.
     
    »Und in dem felsgen Tosen jäh und immer
    Sah man des heiligen Flusses flüchtigen Schimmer.«
     
    Die nächsten Monate stellte Dirk fest, daß er in einem fort wie ein Fürst bewirtet wurde in der Hoffnung, er werde die kommende Nacht sehr tief schlafen und im Traum noch ein paar Examensfragen verraten. Bemerkenswerterweise hatte es den Anschein, je besser er beköstigt wurde und je feiner der Jahrgang des Weins war, den er zu trinken bekam, desto weniger hatte er die Neigung, mit dem Gesicht im Kopfkis­sen zu schlafen.
    Sein System war also, daß er seine angeblichen Gaben aus­beutete, ohne jemals ausdrücklich zu behaupten, er besitze sie. Im Gegenteil, er reagierte auf Geschichten über seine mutmaßlichen Kräfte mit offener Skepsis, ja Feindseligkeit.
     
    »Fünf Meilen stürmte labyrintischen Laufes
    Durch Wald, Tal, Höhlgewirr der heilige Fluß,
    Dann warf er sich in brausendem Erguß
    In tote Meerflut brackigen Getraufes:
    Und Kubla aus dem Braus zu Ohren stieg
    Urväterstimmenraunen, kündend Krieg!«
     
    Dirk war auch, wie er bestritt, ein Hellhörer. Manchmal summte er im Schlaf Melodien, von denen sich zwei Wo­chen später herausstellte, daß sie für irgend jemanden ein Hit waren. Aber wirklich zu schwierig, um Kapital draus zu schlagen.
    Tatsächlich hatte er nur immer knapp das Notwendig­ste an Nachforschungen betrieben, um diese Legenden aufrecht zu erhalten. Er war faul, und im

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