Der Facebook-Killer: Thriller (German Edition)
ausdruckslos.
„Dann haben wir die Sache begraben. Genau wie ihn. Ich schied auf eigenen Wunsch aus dem Polizeidienst aus. Seither jage ich ... Bestien wie Karl Müller. Wie Sie, Manet.“
Bei ihrem letzten Satz war sie in einer ihrer typischen, fließenden Bewegungen aufgestanden. Die manikürten Fingernägel ihrer rechten Hand gruben sich mit aller Kraft in seine frisch operierte bandagierte Schulter. Manet schrie vor Schmerz.
„Das ... das dürfen Sie nicht“, stammelte er, als sie locker ließ.
„Ich weiß. Und ich scheiß’ drauf.“ Sie drückte erneut zu und hielt ihren Griff diesmal etwas länger. Er zuckte, sein Rücken bog sich durch.
Die Wölfin ließ los.
Keuchend kam er zur Ruhe.
„Als nächstes drücke ich Ihnen ein Kissen ins Gesicht, so dass Sie keine Luft mehr bekommen, und sehe zu, wie Sie langsam verrecken. Es heißt, wenn das Gehirn langsam mit Sauerstoff unterversorgt wird, beginnt man zu halluzinieren ... den Trip spendiere ich Ihnen gern. Irgendwann werden Sie reden, Manet. Warum machen Sie sich’s nicht leicht und sagen es mir? Wo ist Zoë Ionesco?“
Er rang nach Luft. Seine Mundwinkel zuckten. Dann sagte er kaum hörbar, aber deutlich artikuliert:
„Fick dich.“
Geza zog die Augenbrauen hoch, nickte unmerklich und schnappte sich vom leeren Nachbarbett ein Kissen. Dann drückte sie wieder zu. Länger diesmal und mit noch mehr Kraft. Damit das Gebrüll der Bestie da vor ihr im Bett nicht auf den Gang drang, drückte sie Manet mit der linken Hand das Kissen ins Gesicht. Schmerz und Atemnot ... eine üble Kombination.
Als sie die Hand und das Kissen wegnahm, war Blut an seiner Schulterbandage. Geza sah es in seinen Augen, die zu ihr aufblickten wie die eines geprügelten, wilden Hundes, besiegt, aber hasserfüllt: Sie hatte gewonnen.
„Reicht das?“, fragte sie kühl. „Haben Sie begriffen, dass es mir ernst ist ... und dass mir total egal ist, ob Sie leben oder verrecken?“
Diesmal dauerte es lange, bis er wieder ausreichend bei Kräften war, um überhaupt zu reagieren. Irgendwann aber nickte er finster. Zugleich forderten die Sedativa unübersehbar ihren Tribut, trotz der Schmerzen, die Geza ihm zugefügt hatte.
„Sie teilt das Bett mit Rockstars, Poeten und Komponisten. Aber im Gegensatz zu denen“, seine von Sekunde zu Sekunde schwerer werdenden Lider zuckten, und die Augen darunter blitzten bösartig, „schläft sie noch nicht den letzten Schlaf ... noch nicht.“ Sein Kopf rollte zur Seite. „Ich an Ihrer Stelle ... würde mich beeilen.“
Dann war er eingeschlafen. Geza Wolf flog geradezu zur Tür, riss sie auf und scheuchte damit Mafro vom Stuhl des Wachhabenden, von dem er diesen vorübergehend vertrieben hatte. Der Uniformierte, der den Facebook-Killer bewachen sollte, war heilfroh über die Gelegenheit gewesen, im Foyer einen Kaffee aus dem Getränkeautomaten ziehen zu können.
„Was haben Sie mit ihm gemacht?“, rief Mafro Geza alarmiert entgegen.
„Ist das nicht vollkommen egal?“, entgegnete sie. „Er lebt, er schläft jetzt, und ich weiß, wo Zoë ist.“
„Was?“, fragte Mafro entgeistert.
„Wo schlafen hier in Paris Rockstars, Poeten und Komponisten ihren letzten Schlaf?“
„Père Lachaise. Kommen Sie.“
Ohne ihre Reaktion abzuwarten, rannte Mafro los.
Die kleine Karawane bestand aus Mafros zivilem Dienstfahrzeug, einem vorausfahrenden Streifen- und einem Notarztwagen, der das Schlusslicht bildete. Die beiden Letzteren boten alles auf, was sie an Sirenen und Lichteffekten hatten, und der Streifenpolizist am Steuer des ersten Wagens bahnte ihnen rücksichtslos einen Weg durch den Pariser Verkehr.
Stadt des Todes
http://www.verlag-waldkirch.de/facebook-killer2.pdf
„Waren Sie schon einmal auf dem Père Lachaise?“, fragte Mafro Geza
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