Der Krake
Wunderschnüffler, Enthexer, Eisenblüter. Einige der Anwesenden arbeiteten im Team, andere allein. Einige besaßen gar keine okkulten Fähigkeiten, sondern waren nur hinsichtlich ihrer Kontakte vom Glück gesegnet und gut in alltäglichen Söldnerkompetenzen wie dem Töten. Und neben all den anderen gab es noch die, die sich tarnen mussten, sobald sie diese kongeniale Atmosphäre verließen: Die giftigen Miasmenwesen, die auf Kopfhöhe durch die Luft trieben wie Fürze mit dämonischen Gesichtern, würden zurück in ihre Wirtskörper fahren; die große Frau in dem umgepolten Regenbogen würde wieder ein wenig Feenstaub auftragen und erneut zu einem Teenager in einer Supermarktuniform werden.
»Wer ist da?« Gemurmeltes Volkszählen. »Er hat wirklich alle hergelockt. Die Neo-Thugs, die heiligen Kratosianer, der ganze Haufen.«
»Keine Waffenwirte.«
»Stimmt. Ich habe aber gehört, sie wären in der Stadt. Gott sei Dank sind sie nicht hier. Vielleicht sind sie bei einer anderen Veranstaltung. Aber ich kann dir sagen, wer hier ist. Siehst du den Kerl da hinten?«
»Den Saftarsch mit den New-Romantic-Klamotten?«
»Genau. Weißt du, wer das ist? Das ist ein Chaosnazi.«
»Nein!«
»Scheiße auch, und wie das einer ist. Wie es aussieht, gibt es keine Grenzen mehr.«
»Ich weiß nicht, was ich davon halten soll ...«
»Jetzt sind wir schon hier, da können wir genauso gut nachsehen, was auf dem Tisch liegt.«
Auf der Bühne entstand ein Tumult. Zwei von Tattoos Vollstreckern traten vor, in ihrer Uniform aus Jeans und Jacke und den Helmen, die sie immer trugen. Sie sprachen kein Wort, stattdessen ließen sie ihre Knöchel krachen und wedelten mit den Armen.
Zwischen ihnen ging ein Wrack von einem Mann mit herabhängendem Unterkiefer und leerem Blick. Das Haar klebte, weniger erkahlend als abgewetzt, in kläglichen Büscheln an seinem Skalp. Seine Haut erinnerte an feuchtes, rottendes Holz. Er ging mit winzig kleinen Schritten. Aus seiner Schulter ragte gleich einem grotesken Piratenpapagei eine klobige Kamera aus einer Videoüberwachungsanlage. Sie klickte und surrte und schwenkte auf ihrem Stativ im Fleisch des Mannes hin und her. Sie nahm den Raum auf.
Der nackte Mann wäre immer weiter gegangen und von der Bühne gefallen, doch einer der behelmten Wachmänner streckte den Arm aus und hielt ihn dreißig Zentimeter vor dem Abgrund auf. Er schwankte.
»Meine Herren«, sagte er plötzlich mit einer tiefen, knarzenden Stimme. Seine Augen regten sich nicht. »Meine Damen. Kommen wir zum Geschäft. Ich bin sicher, Sie haben die Gerüchte vernommen. Sie treffen zu. Die Fakten lauten wie folgt: Erstens. Der Krake, der bis vor kurzer Zeit im Natural History Museum gelagert war, wurde gestohlen. Von unbekannten Personen. Ich habe ein paar Vermutungen, aber ich bin nicht hier, um Sie mit meinen Ideen zu füttern. Alles, was ich dazu sage, ist, dass die Leute, die man für tot hält, die Gewohnheit haben, eben dies nicht zu sein, besonders in dieser verdammten Stadt. Ich bin überzeugt, das ist Ihnen bereits aufgefallen. Niemand hätte imstande sein dürfen, das Ding da rauszubringen. Es wurde von einem Engel der Erinnerung bewacht.
Zweitens. Ich hatte einen Mann in meinem Gewahrsam. Sein Name ist Billy Harrow. Er weiß etwas über diese Sache. Ich glaube nicht, dass er es getan hat, aber er hat mich zum Narren gehalten. Er ist abgehauen. Damit bin ich nicht einverstanden.
Drittens. Es heißt, Mr. Harrow wäre bei seiner inakzeptablen Flucht von einem Dane Parnell unterstützt worden.« Gemurmel brandete im Saal auf. »Langjähriger Anhänger der Kirche des Krakengottes. Nun, Dane Parnell wurde exkommuniziert.« Das Gemurmel wurde deutlich lauter. »Nach allem, was wir erfahren haben, hat das Warum etwas damit zu tun, dass er Billy Harrow zu seinem Gespielen gemacht hat.
Viertens. Momentan passiert irgendeine abgefuckte Scheiße mit dem Universum, wie Sie vermutlich alle wissen, und das hat etwas mit diesem Kalmar zu tun. Also. Kommen wir zu meinem Auftrag.
Ich will Krieg. Ich will Terror.
Ich will, in absteigender Reihenfolge: den Kraken oder einen Hinweis auf ihn; Billy Harrow - lebendig; Dane Parnell - lebend oder tot, darauf scheiße ich. Lassen Sie mich das ganz klar sagen, es schert mich einen feuchten Kehricht, was Sie tun müssen, um diesen Auftrag auszuführen. Ich will nicht, dass irgendjemand sich sicher fühlt, solange ich nicht habe, was ich will.
Also ...« Die Stimme in der Kehle des kranken
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