Der Ring der Kraft - Covenant 06
die halblauten Instruktionen der Ersten und kletterte auf den Schlitten, setzte sich zwischen den Reiseproviant. Linden bestieg den anderen Schlitten. Blankehans und Nebelhorn ergriffen die Zugleinen, legten sie sich um die Schultern. Die Erste und Pechnase stellten sich bereit, um die Spitze zu bilden. Cail stand zwischen den zwei Schlitten; Hohl und Findail gaben die Nachhut ab. Kufen knirschten durchs Eis, als Covenant und seine Gefährten das Riesen-Schiff zurückließen, um neue Hoffnung zu suchen.
Dreiundsechzig Tage waren verstrichen, seit er Sunder, Hollian und der Wasserkante Lebewohl gesagt hatte. Bis Schwelgenstein waren es mindestens achtzehn mal zwanzig Längen.
5
LANDWÄRTS
Die Erste bestimmte ein rasches Tempo. Dunstwölkchen keuchten aus Blankehans' und Nebelhorns Lungen, während sie die Schlitten zogen; aber sie fielen nicht zurück. Die Riesen hatten es eilig, außer Sichtweite der Dromond zu gelangen, das stark beschädigte Schiff und ihre gefährdeten Volksgenossen hinter sich zu lassen. Die Kufen der Schlitten holperten durch Vertiefungen im Eis, prallten gegen kantige Verwerfungen und rutschten unsanft darüber hinweg. Es schleuderte Linden und Covenant zwischen dem Proviant kräftig hin und her. Aber Covenant war an aller Geschwindigkeit gelegen, die die Riesen entfalten konnten. Das Land und Lord Foul hatten ihn vielerlei Dinge gelehrt; aber wie man Freunde, die einen brauchten, ihrem Schicksal überließ, hatte er nie gelernt. Er kauerte sich unter den dicken Umhängen und Decken zusammen, die man ihm gegeben hatte, hielt sein von eisiger Kälte geplagtes Gesicht trostlosen Blicks in den Westen gerichtet und ließ sich von Blankehans mit der Schnelligkeit flotten Laufschritts hinaus in die weiße Wildnis ziehen.
Doch der Gedanke an das, was er tat, trieb ihn schließlich dazu, sich nach der Dromond umzuschauen. Das Schiff hob sich in der Ferne hinter Hohl und Findail deutlich von all dem Weiß ab, schrumpfte zusammen, indem die Distanz wuchs, als würde es langsam von der bleichen Eisfläche verschlungen; und der Anblick seiner Verlassenheit schnürte Covenant die Kehle ein. Dann jedoch erspähte er einen Wimpel, der am Besanmast wehte. Derbhand mußte ihn den aufgebrochenen Gefährten zum Abschiedsgruß gehißt haben. Wie der Wimpel so in bunten Farben und munter im Wind flatterte, wirkte er einen Moment lang wie eine Manifestation des Geistes der ›Sternfahrers Schatz‹, als gäbe er ein Versprechen der Tapferkeit und des Durchhaltewillens ab. Als Covenants Sicht sich zu sehr verschleierte, als daß er das Riesen-Schiff noch hätte erkennen können, fühlte er sich wieder dazu in der Lage, sich nach vorn zu wenden und innerlich von dem steinernen Schiff abzulassen.
Über den Abstand zwischen den beiden Schlitten hinweg musterte Linden ihn; doch er hatte nichts zu sagen, das es gerechtfertigt hätte, es durch das harsche Gleitgeräusch der Kufen, das gleichmäßige Stampfen der Füße und das Geschnaufe des Atems der Riesen zu schreien. Erneut bewegte er sich nicht aus eigener Kraft seinem Ziel und dem Höhepunkt seiner Furcht entgegen, sondern dank der Anstrengungen von Menschen, die sich seiner angenommen hatten. Bei jeder Krise, die ihn auf seinem Weg ereilte, war es das gleiche; trotz all seiner Opferbereitschaft und Macht vermochte er ohne Beistand nichts auszurichten. Und was erbrachte er an Gegenleistung für diese Hilfe? Nur Schmerz, Gefahren und wenigstens eine Lüge; sonst nichts. Das jedoch war keine Sache, die sein wundes Herz unter den gegenwärtigen Umständen herausschreien konnte, unterm bitteren Blau des Himmels und den Blicken seiner Begleiter.
Sie zogen nach Westen. Als sie von Bord der ›Sternfahrers Schatz‹ gegangen waren, hatte man am südlichen Horizont noch einen Streifen offenen Wassers sehen können; und es stand fest, daß die Eisdecke um so unzuverlässiger sein mußte, je näher man sich am Meer befand. Covenant hoffte, daß sie angesichts dieser Verhältnisse nicht gezwungen sein würden, nach Norden auszuweichen, um einen sicheren Weg zu finden.
Die Erste war den Gefährten um etliche Schritte vorausgeeilt, um auf Spalten und Risse in der gefrorenen Weite zu achten. Pechnase folgte ihr im Laufschritt. Obwohl er, seine Deformiertheit ausgenommen, keine Last zu tragen hatte, verriet die Art und Weise, wie er sich fortbewegte, daß das Laufen ihn schon jetzt äußerste Anstrengungen kostete. Im Vergleich zu ihm erweckten Blankehans und
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