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Der Streik

Der Streik

Titel: Der Streik Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Ayn Rand
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lediglich zwei talentierte Ingenieure unter ihnen, die ihre Entdeckung zu würdigen wussten. Sie hatte die beiden in ihr Geheimnis eingeweiht und sie nach Wisconsin geschickt, um die Fabrik zu durchsuchen. Dann hatte sie den Motor an einem Ort versteckt, wo niemand sonst von seiner Existenz erfahren würde.
    Als ihre Arbeiter den Motor hinunter in den Keller getragen hatten und wieder fortgingen, wollte sie ihnen bereits folgen und die Stahltüre versperren, doch sie blieb mit dem Schlüssel in der Hand stehen, als hätten die Stille und die Einsamkeit sie plötzlich wieder auf das Problem gestoßen, dem sie sich seit Tagen gegenübersah, und als wäre dies der Augenblick der Entscheidung.
    Ihr Bürowagen wartete auf einem der Gleise des Terminals auf sie. Er war an das Ende eines Zuges, der in wenigen Minuten nach Washington abfahren sollte, angekoppelt. Sie hatte eine Verabredung mit Eugene Lawson, aber sie hatte sich vorgenommen, sie abzusagen und ihre Suche zu verschieben, bis ihr einfiel, wie sie gegen die Dinge vorgehen konnte, die sie bei ihrer Rückkehr nach New York vorgefunden hatte, die Dinge, die Eddie sie angefleht hatte zu bekämpfen.
    Sie hatte versucht, darüber nachzudenken, aber sie wusste nicht, auf welche Weise, nach welchen Regeln, mit welchen Waffen sie kämpfen sollte. Hilflosigkeit war eine seltsame Erfahrung, die ihr neu war. Es war ihr nie schwer gefallen, sich den Dingen zu stellen und Entscheidungen zu treffen, aber sie hatte es nicht mit konkreten Dingen zu tun – dies war ein Nebel ohne Formen und Konturen, in dem sich laufend etwas verformte und veränderte, bevor es sichtbar wurde, wie Halbgeronnenes in einer dicken Flüssigkeit. Es war, als könnten ihre Augen nur die Ränder ihres Gesichtsfeldes deutlich sehen, als könnte sie die Katastrophe, die auf sie zurollte, nur verschwommen wahrnehmen, ihren Blick aber nicht direkt darauf richten.
    Die Gewerkschaft der Lokomotivführer forderte, die Höchstgeschwindigkeit aller Züge auf der John-Galt-Linie auf sechzig Meilen pro Stunde zu reduzieren. Die Gewerkschaft der Zugführer und Bremser forderte, die Länge aller Güterzüge auf der John-Galt-Linie auf sechzig Waggons zu verkürzen.
    Die Bundesstaaten Wyoming, New Mexico, Utah und Arizona forderten, die Anzahl der in Colorado verkehrenden Züge auf die Anzahl der Züge in jedem dieser Nachbarstaaten zu begrenzen.
    Eine von Orren Boyle angeführte Gruppe forderte die Verabschiedung eines Gesetzes zur Erhaltung der Existenzgrundlage, das die Produktion von Rearden-Metall auf die Produktionsmenge jedes anderen Stahlwerkes mit gleicher Produktionskapazität beschränken sollte.
    Eine von Mr. Mowen angeführte Gruppe forderte die Verabschiedung eines Gesetzes zur gerechten Verteilung, das jedem Kunden, der es haben wollte, einen gleichen Anteil an Rearden-Metall zusichern sollte.
    Eine von Bertram Scudder angeführte Gruppe forderte die Verabschiedung eines Gesetzes zur öffentlichen Stabilität, das Unternehmen aus dem Osten verbieten sollte, aus ihren Bundesstaaten abzuwandern.
    Wesley Mouch, der oberste Koordinator des Büros für Wirtschaftsplanung und nationale Ressourcen gab eine Reihe von Stellungnahmen heraus, deren Inhalt und Zweck nicht definierbar waren, außer dass die Worte „Notstandsermächtigungen“ und „instabile Wirtschaftslage“ in seinen Texten alle paar Zeilen auftauchten.
    „Woher nehmen sie das Recht, Dagny?“, hatte Eddie Willers sie mit leiser Stimme gefragt, und seine Worte klangen wie ein Hilferuf. „Woher nehmen sie alle das Recht, das zu tun? Woher nehmen sie das Recht?“
    Sie hatte James Taggart in seinem Büro damit konfrontiert und gesagt: „Jim, das ist deine Schlacht. Ich habe meine geschlagen. Du bist doch angeblich ein Experte darin, mit den Plünderern Geschäfte zu machen. Halte sie auf.“
    Ohne sie anzusehen, hatte Taggart gesagt: „Du kannst nicht erwarten, die Volkswirtschaft nach deinem Belieben lenken zu können.“
    „Ich will die Volkswirtschaft nicht lenken. Ich will, dass deine Volkswirtschaftslenker mich in Ruhe lassen! Ich habe eine Eisenbahngesellschaft zu leiten – und ich weiß, was mit deiner Volkswirtschaft passieren wird, wenn meine Eisenbahn zusammenbricht!“
    „Ich sehe keinen Grund zur Panik.“
    „Jim, muss ich dir erklären, dass die Einnahmen der Rio-Norte-Linie alles sind, was wir haben, um uns vor einem Zusammenbruch zu retten? Dass wir jeden Cent aus jedem Fahrschein, jeder Waggonladung brauchen, und zwar so

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