Der Streik
die Flamme des Erfolgs hell loderte, mitten in die selbst ernannte intellektuelle Elite katapultiert – diese aufgeblasenen Aschehaufen, die ausgebrannten Überreste unverdauter Kultur, die sich vom Nachglühen des Verstands anderer ernährten, sich einzig durch ihre Leugnung des Verstands auszeichneten und deren krankhafte Gier nach der Weltherrschaft ihre einzige Lust war – und sie, die Anhängerin dieser Elite, die deren angestaubten Hohn als ihre Antwort auf das Universum zur Schau trug, die Ohnmacht für Überlegenheit und Hohlheit für Tugend hielt; sich selbst, der nichts ahnte vom Hass besagter Elite, der unschuldige Verachtung empfand für deren Täuschungsmanöver – und sie, die ihn als Gefahr für ihre Welt sah, als Bedrohung, als Herausforderung, als Vorwurf.
Die Gier, die andere dazu treibt, ein Imperium zu versklaven, war bei Lillian – im Rahmen ihrer Möglichkeiten – zum leidenschaftlichen Wunsch nach Macht über ihn geworden. Sie war darangegangen, ihn zu brechen, als könnte sie, da sie unfähig war, ihm an Wert gleichzukommen, ihn übertreffen, indem sie diesen Wert zerstörte, als würde der Maßstab seiner Größe auf diese Weise zum Maßstab der ihren, als besäße der Vandale, der eine Statue zerschmetterte, mehr Größe als der Künstler, der sie erschaffen hatte, dachte er erschauernd, oder als wäre der Mörder, der ein Kind tötete, wertvoller als die Mutter, die dem Kind das Leben geschenkt hatte.
Er erinnerte sich an ihre abgrundtiefe Verachtung für seine Arbeit, sein Stahlwerk, sein Metall, seinen Erfolg, er erinnerte sich an ihren Wunsch, ihn betrunken zu sehen, nur ein Mal, an ihre Versuche, ihn in die Untreue zu treiben, ihr Vergnügen bei der Vorstellung, dass er sich auf das Niveau irgendeiner schmutzigen Affäre herabgelassen hatte, ihr Entsetzen angesichts der Entdeckung, dass die Affäre eine Errungenschaft gewesen war, keine Erniedrigung. Ihre Taktik, die ihm ein solches Rätsel gewesen war, war beständig und klar gewesen – sie hatte sein Selbstwertgefühl untergraben wollen, denn sie wusste, dass ein Mann, der seine Werte aufgibt, jedermann auf Gedeih und Verderb ausgeliefert ist. Es war seine moralische Integrität, die sie hatte zerstören, seine überzeugte Rechtschaffenheit, die sie mit dem Gift des Schuldgefühls hatte auslöschen wollen – als würde seine Schlechtigkeit, sollte er straucheln, ihr ein Anrecht auf die ihre geben.
Zum gleichen Zweck und mit dem gleichen Beweggrund, um der gleichen Befriedigung willen, deretwegen andere komplexe philosophische Systeme ersinnen oder Diktaturen etablieren, um ein Land zu zerstören, hatte sie, die keinerlei Waffen außer ihrer Weiblichkeit besaß, es sich zum Ziel gesetzt, einen Mann zu vernichten.
Ihr Kodex war das Leben, erinnerte er sich an die Stimme seines verschwundenen jungen Lehrers, was ist dann der Kodex der anderen?
„Ich habe dir etwas zu sagen!“, rief Lillian, und darin klang jene ohnmächtige Wut an, die wünscht, Worte wären ein Schlagring. „Du bist doch so stolz auf dich, oder? Du bist so stolz auf deinen Namen! Rearden Steel, Rearden-Metall, Reardens Frau! Das war ich doch, nicht wahr? Mrs. Rearden! Mrs. Henry Rearden!“ Sie brachte Geräusche hervor, die wie eine Mischung aus Gackern und Keuchen klangen – wie etwas, das als Gelächter kaum zu erkennen war. „Tja, ich glaube, es wird dich interessieren, dass deine Frau von einem anderen Mann flachgelegt wurde! Ich war dir untreu, hörst du? Ich war untreu, aber nicht mit irgendeinem wunderbaren, edlen Liebhaber, sondern mit dem schäbigsten Fiesling, mit Jim Taggart! Vor drei Monaten! Vor deiner Scheidung! Während ich deine Frau war! Während ich noch deine Frau war!“
Er stand da und hörte ihr zu wie ein Wissenschaftler, der ein Versuchsobjekt studiert, das keine persönliche Bedeutung für ihn hat. In diesem Auswuchs, dachte er, gipfelte die Doktrin von der kollektiven gegenseitigen Abhängigkeit, die Doktrin der Nichtexistenz von Identität, Eigentum und Fakten: der Glaube, dass die moralische Integrität eines Menschen von der Handlung eines anderen abhängt.
„Ich war dir untreu! Hörst du nicht, du makelloser Puritaner? Ich habe mit Jim Taggart geschlafen, du unbestechlicher Heros! Hörst du nicht? … Hörst du nicht? … Hörst du …?“
Er sah sie an, wie er eine Fremde angesehen hätte, die auf der Straße an ihn herantrat und ihm etwas Persönliches beichtete, als fragte er sie: Warum erzählst du mir das?
Ihre
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