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Der Tote im Grandhotel

Der Tote im Grandhotel

Titel: Der Tote im Grandhotel Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Eva Bellin
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Ohrring sagte zu ihm:
    »Kommen S' mit. I hoab oanen.«
    Richard zahlte. Er hatte Angst. Was war, wenn sie ihn nieder-
    schlugen und beraubten? Töteten? Er mußte es riskieren.
    Der Mann mit dem Ohrring führte ihn ein paar Straßen weiter.
    Die Gegend war ruhig, keine Glitzerwelt, kleinbürgerlich vielleicht.
    Stille Straße, stille Häuserzeile. Durchgang zu einem Hinterhaus.
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    Dort standen zwei Kerle, eigentlich sahen sie ganz ordentlich aus.
    Es seien abgemusterte Russen, die aus Militärbeständen allerlei feine, noch brauchbare Sachen verscheuerten, erklärte sein Vermittler. Alles, was nicht niet- und nagelfest gewesen sei in Wünsdorf oder Potsdam. Nachtsichtgeräte, Uzi-Maschinenpistolen, Pumpguns und die sogenannten Sportwaffen. Schwarze Schafe gebe es ja überall.
    Der eine der beiden Russen hielt Richard stumm ein Päckchen
    hin, eingeschlagen in ein Stück Packpapier. Richard schlug es auseinander. Eine Pistole. Sein Vermittler erklärte, das sei eine »Neun-Mil imeter Makarow, erstklassige Qualität, mit genügend Munition für eine ganze Karnickelarmee! Zwofünf Mille und für mich zwo-hundertfünfzig.«
    Richard wußte nicht, ob das billig oder teuer war. Er hatte fünftausend Mark dabei, mehr nicht, denn zuviel wäre wohl ein Anreiz für Verbrecher gewesen. Er hatte die Scheine an verschiedenen Stellen in seiner Kleidung versteckt. Die im Schuh rührte er nicht an.
    Sie schüttelten sich alle die Hände. Richard wartete, bis die Russen ihm den Rücken zudrehten und gingen. Er hätte auch seinem
    Vermittler am liebsten bei seinem Abgang das Gesicht zugedreht, aber er überwand sich. Sein neuer Kumpel lief noch ein Stückchen neben ihm her und verschwand dann in einer Seitenstraße, nicht
    ohne ihm vorsorglich den günstigsten Weg zurück erklärt zu ha-
    ben.
    Richards Herz klopfte heftig. Die Waffe in seiner Gürteltasche
    unter dem Anorak verlieh ihm ein neues Selbstvertrauen. Er würde sich nicht erpressen lassen. Und er würde auch kein Geständnis ab-legen. Der Skandal wäre sein Untergang.
    Lucie verzieh nicht, das wußte er. Ihr Gatte mit einer jungen Geliebten, in einen Mordfall verwickelt, durch die Presse geschleift mitsamt der Familie, nein, da würde der Alte von seiner Wolke aus drohen und sein braves Töchting ermutigen, den Kerl abzustoßen.
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    Nach der Scheidung wäre Richard Hornung einer, von dem kein
    Köter mehr ein Stück Brot nähme. Richard konnte sich auch schon gut vorstellen, wer der neue Chef werden würde. Lucie strömte ja jetzt schon förmlich über vor Wohlwollen, wenn es um den Pro-kuristen Schöttler ging.
    Als Richard nach Hause kam, scherzte Lucie: »Wie siehst du denn aus, Lieber? Ist das Räuberzivil? Und du riechst, als wärst du in einer Hafenspelunke gewesen.«
    Richard erschrak, aber er sagte sich: Sie weiß nichts. Es war ein Zufallstreffer.
    »Ich hatte eine Besprechung mit Schott, dem Architekten, und
    zwei Bauherren. Araber. Sie bauen im kastilianischen Stil und lassen alles aufwendig vergittern. Die Kerle wollten unbedingt in eine ›In-Kneipe‹. Nicht mein Geschmack, aber was tut man nicht alles fürs Geschäft? Ich muß duschen.«
    Er fühlte den Druck der Makarow an seinem Hüftknochen. Ja-
    wohl, melde dich, Harry, unser Boot ist da. Keine Polizei! Alles nach Wunsch.
    Am nächsten Tag gab Richard Hornung die gewünschte Anzeige
    auf.
    8. Kapitel
    ritta erwachte. Es war Nacht. Der Fernseher flimmerte noch.
    BAutomatisch tastete sie nach der Fernbedienung und stellte den Apparat ab. Ihr Rücken schmerzte, die Stelle auf der Brust, wo Vlado die Zigarette ausgedrückt hatte, brannte scharf und heiß. Trotz-82
    dem fühlte sie sich erholt. Das Leben war nun einmal nicht unbedingt nett zu einer alleinstehenden jungen Frau mit etwas … nun, abenteuerlichen Neigungen.
    Auch als Angestellte im New Yorker Großraumbüro war man in
    gewisser Weise Foltermethoden unterworfen. Morgens um 8 Uhr 30
    begann der Dienst – per Stechuhr registriert. Zu spät kommende
    wurden bestraft durch Lohnabzug. Wenn es häufiger geschah, wur-
    de man gefeuert.
    Es waren Anrufe zu beantworten, gewünschte Reisen zusammen-
    zustellen, bei vagen Plänen war Hilfestellung zu geben. Es kam auf Geschick und Beweglichkeit an.
    Sogar Anfragen aus der Schweiz oder aus Großbritannien liefen
    hier zusammen. Der Anrufer wußte dabei meist gar nicht, daß er
    mit New York telefonierte, wenn seine Verbindung von Genf nach
    Paris oder von Heathrow nach Tegel in das Computernetz

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