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Der Waldläufer

Titel: Der Waldläufer Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Gabriel Ferry
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Insel zu schweben, denn die Jäger hielten selbst ihren Atem zurück – und doch näherten sich die Apachen nur mit unendlicher Vorsicht. Der erste, der an der Spitze der Reihe marschierte, war an eine Stelle gekommen, wo das Wasser anfing tiefer zu werden. Es war der Schwarze Falke. Der letzte verließ eben das gegenüberliegende Ufer. Der Augenblick war da, die Befehle des Kanadiers auszuführen.
    Aber als Fabian auf den Indianerhäuptling Feuer geben wollte – zum großen Bedauern Pepes, der selbst mit ihm Abrechnung zu halten wünschte – tauchte der Schwarze Falke – sei es, daß er eine Ahnung von irgendwelcher Gefahr hatte, sei es, daß der Widerschein des Mondlichts vom Büchsenlauf eines Jägers ihn gewarnt hatte – plötzlich unters Wasser.
    »Feuer!« rief Bois-Rosé.
    Zur selben Zeit stürzte der Indianer, der zuletzt marschierte, in den Fluß, um nicht wieder aufzustehen; zwei andere, die Fabian und der Spanier sich ausgesucht hatten, wälzten sich noch einige Augenblicke mitten im Wasser, das bald ihre schon bewegungslosen Körper mit sich fortriß.
    Pepe und der Kanadier hatten rasch ihre Büchsen hinter sich geworfen, damit Fabian sie dem Übereinkommen gemäß wieder laden könne, und standen diesmal aufrecht am Rand der Insel, den Fuß vorgestreckt, das Messer in der Hand, in Erwartung eines Angriffs Mann gegen Mann.
    »Die Apachen sind noch sieben!« rief der Kanadier mit Donnerstimme; er wollte gern mit einem Mal mit ihnen fertig werden, und sein Widerwille gegen sie war bei ihrem Anblick aufs neue erwacht. »Werden sie es wagen, die Skalpe von zwei Weißen zu nehmen?«
    Aber das plötzliche Verschwinden ihres Häuptlings und der Tod dreier Krieger hatte die Indianer aus der Fassung gebracht. Sie flohen nicht, aber sie blieben unentschlossen stehen – bewegungslos wie schwarze Felsen, die halb vom glänzenden Wasser des Flusses bespült werden. »Verstehen die roten Krieger nur Leichname zu skalpieren?« fügte Pepe mit verächtlichem Lachen hinzu. »Sind die Apachen wie die Geier, die nur die Toten zerhacken? Heran doch, ihr Hunde, Geier, ihr memmenhaften Weiber!« brüllte der Spanier beim Anblick seiner Feinde, die diesmal rasch das Ufer erreichten.
    Plötzlich bemerkte er in einiger Entfernung einen schwarzen, auf dem Rücken treibenden Körper. Aber noch schwärzere, funkelnde Augen bewiesen, daß es kein Leichnam war, obgleich die herabhängenden Arme und die Bewegungslosigkeit des Körpers den Glauben hätten hervorrufen können.
    »Don Fabian, um Gottes willen, meine Büchse! Das ist der Schwarze Falke, der sich tot stellt und sich vom Strom forttreiben läßt. Der Hund konnte mir keine bessere Gelegenheit zur Abrechnung geben.«
    Pepe nahm die Büchse aus Fabians Händen und zielte auf den schwimmenden Körper, aber mit Ausnahme der Augen des Kriegers, die wie glühende Kohlen in ihren Höhlungen funkelten, bewegte sich kein Muskel. Pepe senkte die Büchse. »Ich habe mich getäuscht«, sagte er mit lauter Stimme; »die Weißen verschwenden nicht wie die Indianer ihr Pulver auf Leichname.«
    Der Körper trieb immer noch auf dem Rücken, die Füße auseinander, die Arme nach beiden Seiten ausgestreckt; der Strom trug ihn sanft mit sich fort; Pepe nahm wiederum seine Büchse, zielte mit noch größerer Sorgfalt als das erstemal und ließ dann abermals den Kolben sinken. Erst nachdem er glaubte, dem indianischen Häuptling Angst für Angst vergolten zu haben, gab der Spanier Feuer, und der Körper schwamm nicht mehr auf dem Wasser.
    »Hast du ihn getötet?« fragte der Kanadier.
    »Nein; ich habe ihm nur die Schulter zerschmettern wollen, damit er sich immer an den Schauder erinnere, den er mir verursachte, und an die Verräterei, die er uns vorgeschlagen hat. Wenn er tot wäre, so würde er an der Oberfläche treiben.«
    »Du hättest besser daran getan, ihn zu töten!« erwiderte Bois-Rosé. »Ach«, sagte er, mit dem Fuß auf die Erde stampfend, »was ist jetzt zu tun? Ich hoffte der Sache ein Ende zu machen, indem ich diesem Dämon in einem Kampf Mann gegen Mann den Leib aufschlitzte, und nun müssen wir alles wieder von vorn anfangen. Wir können nicht über die Insel hinaus, um sie anzugreifen!«
    »Und doch würden wir am besten daran tun.« »Mit Fabian würde ich mich niemals dafür entscheiden«, erwiderte Bois-Rosé mit leiser Stimme; »sonst wäre ich schon auf das entgegengesetzte Ufer geflüchtet, da dieses von den Indianern besetzt ist; denn du kennst sie zu gut, um

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