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Der weiße Reiter

Titel: Der weiße Reiter Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Bernard Cornwell
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rechten Flügel, Wiglaf und sein Fyrd aus Sumorsæte den linken. Wir hatten uns zu einer langen
     Reihe formiert, die aber deutlich kürzer war als die des Gegners. «Gott hilf uns», sagte Pyrlig, die Hand um sein Kruzifix
     geschlossen.
    Alfred rief die Befehlshaber unseres Heeres unter seinem regendurchtränkten Drachenbanner zusammen. Der dänische Donner grollte
     weiter, das Geräusch Tausender Waffen, die sie gegen ihre Schilde schlugen, während der König seine Heerführer um Rat bat.
    |457| Arnulf von Suth Saexa, ein schlanker Mann mit kurzem Bart und ewig finsterer Miene, riet zum Angriff. «Einfach angreifen»,
     sagte er und deutete auf die Festung. «An den Wällen werden wir Verluste haben, aber wir werden in jedem Fall Männer verlieren.»
    «Aber die Verluste werden sehr hoch sein», wandte mein Vetter Æthelred ein. Er führte zwar nur einen kleinen Verband, hatte
     aber als Sohn eines mercischen Aldermanns das Recht auf eine Stimme in Alfreds Kriegsrat.
    «Wir sollten uns besser nur verteidigen», knurrte Osric. «Gebt einem Mann Land zur Verteidigung, und er steht wie ein Baum.
     Wir sollten die Hunde kommen lassen.» Harald nickte zustimmend.
    Alfred warf einen erwartungsvollen Blick auf Wiglaf von Sumorsæte, den es zu überraschen schien, dass seine Ansicht gefragt
     war. «Wir werden unsere Pflicht tun, Herr, wir immer Eure Befehle lauten.» Leofric und ich waren ebenfalls anwesend, doch
     der König bat uns nicht um unsere Meinung, also hielten wir uns zurück.
    Alfred warf einen Blick auf den Feind und wandte sich dann wieder uns zu. «Wenn ich richtig vermute, erwarten die Dänen von
     uns den ersten Schritt.» Er sprach in demselben belehrenden Tonfall, den er auch anschlug, wenn er mit seinen Priestern über
     theologische Fragen sprach. «Sie wollen uns zu etwas Bestimmtem herausfordern. Zu was?»
    Wiglaf zuckte mit den Achseln. Arnulf und Osric zeigten sich verwirrt. Sie hatten von Alfred eine entschlossenere Haltung
     erhofft. Krieg war für die meisten von uns nichts weiter als ein von rasender Wut geleiteter Tötungsrausch, da gab es nichts
     zu überlegen, doch Alfred schien ihn als einen Wettstreit der Schlauheit aufzufassen oder als eine Partie Tafl, die der Gewitztere
     für sich entschied. |458| Ja, ich glaube, so sah er unsere beiden Heere. Sie waren Tafl-Steine auf einem in Quadrate aufgeteilten Spielbrett.
    «Nun?», fragte er.
    «Sie erwarten, dass wir angreifen», antwortete Osric unsicher.
    «Sie erwarten, dass wir auf Wulfhere losgehen», sagte ich.
    Alfred schenkte mir ein Lächeln. «Warum Wulfhere?»
    «Weil er ein Verräter ist, ein Hurensohn und ein Scheißhaufen», antwortete ich.
    «Weil wir nicht glauben», stellte Alfred richtig, «dass Wulfheres Männer mit der gleichen Leidenschaft gegen uns kämpfen werden
     wie die Dänen. Seine Männer werden davor zurückschrecken, Sachsen zu töten.»
    «Aber Svein steht neben Wulfhere», bemerkte ich.
    «Und was sagt uns das?», fragte er.
    Die anderen starrten ihn an. Er kannte die Antwort, konnte es sich aber nicht verkneifen, den Lehrmeister zu spielen. Wieder
     war ich es, der antwortete. «Es sagt uns, dass sie mit einem Angriff auf ihren linken Flügel rechnen und diesen darum verstärkt
     haben. Darum steht Svein dort. Er soll uns aufhalten und ihren Leuten in der Festung Gelegenheit geben, uns auf der Seite
     anzugreifen. Dann würde unsere rechte Seite einbrechen, und dann würden die verdammten Bastarde über uns herfallen und die
     übrigen von uns niedermachen.»
    Alfred antwortete nicht, aber seine besorgte Miene verriet, dass er mir zustimmte. Die anderen blickten sich nach den Dänen
     um, als erhofften sie sich von dort das Wunder der Antwort auf alle Fragen.
    «Wir sollten also dem Vorschlag Arnulfs folgen und die Festung angreifen», sagte Harald.
    «Die Wälle sind zu steil», warnte Wiglaf. Der Aldermann |459| von Sumorsæte war von fröhlicher Natur; er lachte oft und war sehr großzügig. Jetzt aber wirkte er niedergeschlagen, denn
     es waren seine Männer, die dem grasüberwachsenen Bollwerk gegenüberstanden.
    «Guthrum würde sich die Hände reiben, wenn wir die Festung zu stürmen versuchten», sagte der König und stiftete damit noch
     mehr Verwirrung. Er schien zu glauben, dass es den Dänen gleich sei, ob wir auf der rechten oder der linken Seite angriffen.
     Die Dänen selbst waren inzwischen dazu übergegangen, uns zu verhöhnen, weil wir offenbar gar nicht angreifen wollten. Einige
     ihrer

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